Atomwaffen: Großbritannien denkt nur im North Atlantic Treaty Organization-Rahmen nuklear
Auch in Großbritannien gibt es Bestrebungen zu einer Aktualisierung der nuklearen Abschreckung. Allerdings bleiben sie vollständig innerhalb des NATO-Rahmens und sind auch künftig nicht ohne Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten vorstellbar.
Der britische Premierminister Keir Starmer hat bei seinem Auftritt auf der Münchener Sicherheitskonferenz zwar einerseits angekündigt, Großbritannien wolle die militärische nukleare Kooperation mit Frankreich verstärken – beide Staaten haben die Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung atomarer Komponenten schon vor fast zwei Jahrzehnten vereinbart. Er beschrieb dieses Zusammenwirken jedoch allein als Bestandteil eines künftigen stärkeren europäischen Pfeilers der NATO.
Abhängig von den USA
Und er hob abermals hervor, was seit je ein Credo britischer Verteidigungspolitik ist: dass das Vereinigte Königreich „als einzige europäische Nuklearmacht“ seine nuklearen Waffen der Allianz und dem Schutz aller ihrer Mitglieder verpflichtet hat.
Allerdings bleibt die britische nukleare Abschreckung gegenwärtig erstens auf seegestützte strategische Atomraketen beschränkt und zweitens vollständig von der Nutzung amerikanischer Technologie abhängig. Die vier britischen Atom-U-Boote sind mit amerikanischen Trident-Sprengköpfen bestückt, die in den Vereinigten Staaten produziert und gewartet werden.
Die – autonom produzierten – taktischen Atomwaffen, die von Flugzeugen aus ins Ziel geschickt werden können, hat Großbritannien nach dem Ende des Kalten Krieges abgerüstet. Dennoch sagte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass es „denktheoretisch“ möglich wäre, britische Atomwaffen von Flugzeugen der Bundeswehr transportieren zu lassen.
Eine neue luftgestützte nukleare Komponente soll nach dem Willen der Labour-Regierung zwar wieder aufgebaut werden, doch wird sie gleich in zweifacher Weise von einer Zusammenarbeit mit den USA abhängen. Die Regierung kündigte an, sie werde zwölf amerikanische Kampfflugzeuge des Typs F-35A beschaffen, die dann auch – amerikanische – Atomwaffen tragen können, um auf diese Weise künftig zur Nuklearmission der NATO beizutragen. Verteidigungsminister John Healey sagte, dies verkörpere die britische Haltung „NATO zuerst“. Er wies zugleich darauf hin, dass die britische Rüstungsindustrie an der Produktion der F-35 einen hohen Anteil habe.
Es bleibt ungewiss, ob das Zukunftsprojekt GCAP, das die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs gemeinsam mit Italien und Japan vorsieht, auch eine nukleare Fähigkeit enthalten soll. London treibt das Vorhaben unter der Bezeichnung Tempest voran, es soll von 2035 an die Eurofighter der Royal Air Force ablösen, die im britischen Sprachgebrauch als Typhoon bekannt sind.
Source: faz.net