Asien und Pazifik: Johann Wadephul will Partnerschaften im Indopazifik ausdehnen
Außenminister Johann Wadephul (CDU) ist zu einer Reise nach Südostasien und in die Pazifik-Region aufgebrochen. Dabei will er unter anderem bestehende Partnerschaften im Indopazifik ausbauen sowie neue Allianzen schmieden. Vor seiner Reise sagte der CDU-Politiker, in einer Zeit, in der das Recht des Stärkeren die Stärke des Rechts zu ersetzen drohe, müsse Deutschland sein weltweites Netz robuster Partnerschaften entlang seiner Kerninteressen stärken.
Wadephul reist in den kommenden Tagen nach Singapur, Neuseeland, in das polynesische Königreich Tonga im Südpazifik, nach Australien und in das östlich von Malaysia gelegene muslimische Sultanat Brunei. Alle fünf Länder seien durch das Interesse an einer stabilen internationalen Ordnung und den Einsatz für Multilateralismus miteinander verbunden, sagte der Minister. Er verwies zudem auf die strategische Bedeutung der Region für Rohstoffe, Lieferketten und die Freiheit der Seewege.
Die wirtschaftliche Dynamik und Innovationskraft der Zukunftsregion Indopazifik seien bis nach Berlin oder Brüssel zu spüren, sagte Wadephul – aber ebenso die geoökonomischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen, mit denen viele Länder dort umgehen müssten. Beides habe Einfluss auch auf Deutschland.
Wadephul begründete die Reise mit der veränderten internationalen Lage. Er verwies auf die US-Machtpolitik und auf eine aus seiner Sicht zunehmend aggressiv auftretende chinesische Regierung. Zugleich sagte er – ohne China direkt zu nennen –, was etwa in der Straße von Taiwan oder im Südchinesischen Meer geschehe, habe weltweite Auswirkungen.
Fokus auf Multilateralismus, Lieferketten und Zusammenarbeit mit Asean
Deutschland teile mit allen fünf Besuchsländern das Interesse an einer stabilen internationalen Ordnung und engagiere sich gemeinsam mit ihnen für den Multilateralismus, sagte Wadephul. „Wir setzen uns gemeinsam für klare Regeln im internationalen Miteinander ein – gerade dann, wenn diese unter Druck geraten, sei es in Europa oder im Indopazifik“, sagte er.
Wadephul strebt eine Intensivierung der Beziehungen zu den Staaten des Verbands Südostasiatischer Nationen (Asean) und dem 1971 gegründeten Pacific Island Forum an. In Asean hat Brunei derzeit die Federführung für die Beziehungen mit der EU. Die Bundesregierung hatte sich nach eigenen Angaben bereits 2020 zum Ziel gesetzt, zu einer Stärkung des 1967 gegründeten Verbunds beizutragen, dessen Mitglieder sich zu friedlicher Konfliktbeilegung und einem auf dem Völkerrecht basierenden multilateralen System bekennen.
Der Minister verwies außerdem auf die Rolle der Region bei der wirtschaftlichen Absicherung Deutschlands. Der Indopazifik sei wichtig, um die Beschaffung strategisch wichtiger Rohstoffe breiter aufzustellen, Abhängigkeiten in kritischen Bereichen zu reduzieren und Lieferketten zu diversifizieren. Der Ausbau von Wirtschaftsbeziehungen, die auf freiem Handel, Wettbewerb und Fairness aufbauten, liege im wechselseitigen Interesse. Für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie die deutsche sei dies von herausragender Bedeutung, zugleich aber auch für aufstrebende Partner im Asean-Raum. Im Indopazifik entscheide sich maßgeblich, wie sicher die Freiheit der Seewege, globaler Lieferketten und damit die weltweite Wirtschaftsentwicklung bleibe, sagte Wadephul.
UN-Sicherheitsrat, Klimafonds und Jubiläen in der Pazifik-Region
Wadephul kündigte an, während der Reise auch für die deutsche Kandidatur für einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat ab 2027 zu werben. Zudem verwies das Auswärtige Amt auf weitere Vorhaben in der Pazifik-Region. Demnach begehen Deutschland und Tonga 50 Jahre diplomatische Beziehungen und 150 Jahre Freundschaftsvertrag. Außerdem wolle Deutschland diplomatische Beziehungen mit dem Inselstaat Niue aufnehmen und strategischer Partner der Regionalorganisation Pacific Islands Forum werden, zu deren Klimafonds Deutschland beiträgt. Der Klimawandel sei für die pazifischen Inselstaaten eine existenzielle Bedrohung und damit im Kern eine Frage der Sicherheit, hieß es.
Singapur bezeichnete Wadephul als wichtigen Knotenpunkt globaler Infrastruktur und als Tor in die Welt. Mit Australien und Neuseeland verbinde Deutschland und Europa ein gemeinsames Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie, zudem werde die sicherheitspolitische Zusammenarbeit enger. Das wirtschaftliche Potenzial, etwa im Bereich Rohstoffe, solle stärker genutzt werden. Neuseeland und die EU seien seit 2024 zudem durch ein Freihandelsabkommen verbunden; das Land sei zugleich ein wichtiger wissenschaftlicher Kooperationspartner mit Blick auf die Antarktis.
In unsicheren Zeiten gehe es darum, ein sicheres Netz globaler Partnerschaften zu knüpfen und zukunftsfest zu machen, sagte der Bundesminister. Freiheit, Wohlstand und Sicherheit entschieden sich nicht allein in Europa, sondern im weltweiten Zusammenspiel.