Art Cologne uff Mallorca: Die Kölner sind reif zum Besten von die Insel
Manche Händler, die auf der Messe im Palau de Congressos unterwegs sind, gehen auf Nummer sicher. Sie schauen sich den Neustart der Art Cologne Palma Mallorca erst einmal an, bevor sie vielleicht im nächsten Jahr selbst teilnehmen. Was sie begutachten können, bestätigt wohl ihre Erwartungen: den schwer zu toppenden Lifestyle-Faktor mit Dachterrasse und Meeresblick und ein schwankendes Niveau der Kojen unter den 88 Ausstellern. Es gibt aber auch Gehaltvolles und vielversprechende jüngere Galerien.
Der zweite Anlauf auf den Balearen
Vor zweieinhalb Jahren sei die Inselregierung auf die Kölnmesse mit dem Wunsch nach einer kontinuierlichen Zusammenarbeit zugekommen, sagt Daniel Hug, Direktor der Art Cologne, im Gespräch mit der F.A.Z. Daraufhin seien zunächst drei Ausgaben und für die ersten beiden ein fester Mietpreis im modernistischen Kongresspalast vereinbart worden. „Wir sind hier definitiv erwünscht“, stellt Hug mit Nachdruck fest. Das war bei dem ersten Versuch eines Kölner Kunstmarkts auf Mallorca 2007 nicht der Fall, der denn auch eine Eintagsfliege blieb – obwohl die Messe wirtschaftlich angeblich besser war als ihr Ruf. Er habe damals bestens verkauft, sagt etwa der Münsteraner Galerist Mike Karstens, der auch jetzt wieder unter den Ausstellern in Palma ist.

Als er 2008 ins Amt gekommen sei, bemerkt Hug, habe er sich zuerst um die damals kriselnde Muttermesse am Rhein kümmern wollen und die Ausdehnung nach Spanien deshalb aufgegeben. Im Vorlauf der jetzigen Art Cologne Palma seien 350 Galerien angeschrieben worden; rund 180 hätten Interesse signalisiert. Eine Auswahljury habe diese Anzahl um die Hälfte reduziert. Teilnehmer der Kölner Hausmesse erhielten den Vorzug. Eine Ergänzung steuert Walter Gehlen, Leiter der Messe Art Düsseldorf, bei: Auch bei ihm habe die Insel auf den Balearen seinerzeit vorgefühlt, bestätigt er der F.A.Z., er habe aber abgewinkt: kein Bedarf. So hat sich Palma nun im Terminkalender vor die Art Düsseldorf geschoben, die kommende Woche ansteht.

Zur Gastfreundschaft der Galerienallianz Art Palma Contemporani zählte die Forderung, dass sämtliche zwölf Mitglieder teilnehmen können. Dieser Wunsch war offenbar nicht verhandelbar und ist nicht durchweg vorteilhaft für das Angebot. Ausnahmen bilden die ehemalige Kölner Galerie Kewenig, die seit Langem auf Mallorca angesiedelt ist, oder die 1969 gegründete Galerie Pelaires, die in ihren noblen Räumen in der Altstadt neue Bilder von Markus Oehlen zeigt.

Beide befinden sich in fußläufiger Nähe zum Es Baluard Museum für Gegenwartskunst, das sich mit sehenswerten Ausstellungen von Fiona Rae und Jannis Kounellis empfiehlt. Unterdessen lud der Zürcher Galerist Damian Grieder am Vorabend der Eröffnung in sein Privathaus mit einer Pop-up-Ausstellung von Christian Jankowski. Mit solchen Events kann Mallorca punkten.Vielleicht spielen der deutsch-spanischen Messe auch die Unsicherheit im Nahen Osten in die Karten, derentwegen die Art Dubai verschoben wurde.
Es kann nicht überraschen, dass eine gewisse Gefälligkeit in den Angeboten dominiert. Eine Reihe von Ausstellern übertreibt es aber mit arg gedrängten, kunterbunten Ständen. Dabei muss farbenfroh nicht banal bedeuten, wie die pointillistische, kugelförmige Optical Art in der Malerei von Kuno Gonschior belegt, die das Kabinett K (Hannover) zu Preisen bis 50.000 Euro anbietet, oder auch die quasi-okkulte Ornamentik von Alexandra Tretter bei Jacky Strenz (Frankfurt). Einen konzentrierten Stand schlägt Artenueve aus dem südspanischen Murcia mit Monochromien von Manuel M. Romero auf, die, in rauer Manier gemalt, ebenso autonom wie zeitgenössisch wirken (bis 14.000 Euro). Kaum mehr als eine Wand bespielt Darren Flook (London) mit Polaroids der britischen Künstlerin Jemima Stehli, die um 2003 in feministischen Performances ihren Körper entblößte (je 2850).

Das verwinkelte Kongresszentrum ist fürwahr kein langweiliger Raumkasten, wie man ihn von anderen Messen kennt. Man muss ihn als Chance begreifen, bietet er doch eine denkbare Vielfalt an möglichen Standgrößen und immer wieder betörende Ausblicke nach draußen. Das Ambiente unterscheidet sich somit grundlegend und vorteilhaft von dem wenig einladenden Flair, das 2007 beim ersten Anlauf auf dem Flughafen vorherrschte.

Auf die räumlichen Gegebenheiten reagiert die Galerie Florit Florit (Palma), indem sie eine rot-weiße Abstraktion der Kanadierin Beth Letain unter eine Treppe klemmt, wo sich das kraftvolle Bild zu behaupten weiß. Daneben hat Judith Hopf bei Deborah Schamoni (München) einen schönen Auftritt mit einem Reisekoffer aus Ziegelsteinen und großen Zeichnungen mit Palmblättern: „Endless Trees“ (8000 bis 18.000).

Mara Projects aus Tirana und London versucht sich an einer nomadischen Galerie, kapriziert auf Off-Spaces und Messen wie demnächst beim Basler Social Club. In Palma zeigt sie schemenhafte Bilder von Ermir Zhinipotoku mit Szenen aus dem Kosovo (bis 6000).
Bei Temnikova & Kasela (Tallinn) sind glasierte Keramiken des estländischen Shootingstars Kris Lemsalu zu Preisen bis 8500 Euro im Angebot. Eine Rarität aus dem Werk Pablo Picassos hat Dierking (Zürich) mit einem „Tête“ von 1965 zu bieten: eine unsignierte, mit klumpigem Sand versehene Collage, die mehr nach spanischem Informel aussieht als nach einem Kopf. Der dürfte fraglos zu den höchstdotierten Arbeiten der Messe zählen (Preis auf Anfrage).
Für eine optimale Ausnutzung der Architektur brauche es mehr als eine Ausgabe, macht Messeleiter Hug für den zweiten Anlauf geltend. Dafür wird er auch einen Zuwachs an namhaften Ausstellern aus Deutschland, Europa und Übersee benötigen. Immerhin, ein Anfang ist gemacht mit Van Horn, ruttkowski;68 und Nagel/Draxler aus dem Rheinland, mit Eigen + Art sowie Bastian aus Berlin – Letzterer, passend zum Standort, mit einer Suite „Picasso und die mediterrane Welt“. Am Abend der Eröffnung war von vielen Ausstellern zu hören, sie wünschten sich mehr spanische und europäische Sammler an ihren Ständen. Nicht nur am Ballermann, auch auf der Art Cologne Palma Mallorca spricht man Deutsch.
Art Cologne Palma Mallorca, Palau de Congressos, bis 12. April, Eintritt 25 Euro
Source: faz.net