Arbeitsplatzsicherung: VW will solange bis zu 15.000 Autos im Jahr zertrennen

Der Volkswagen-Konzern zieht in seiner Autofabrik in Zwickau den beschlossenen Umbau durch: Der Stellenabbau ist in vollem Gang, nun sollen neue Aufgaben den Strukturbruch zumindest teilweise abfedern. Wie VW am Mittwoch auf einer Pressekonferenz an dem traditionsreichen Automobilstandort im nördlich gelegenen Stadtteil Mosel mitteilte, werden dort bald nicht mehr nur Autos gebaut, sondern auch alte Fahrzeuge zerlegt, um daraus Rohstoffe zu gewinnen.

Der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft sichere Arbeitsplätze und sei strategisch wichtig, sagte der Konzernmanager Andreas Walingen: „Damit wird Volkswagen unabhängiger vom weltweiten Rohstoffhandel, verringert den CO₂-Fußabdruck der Fahrzeuge und schafft neue Geschäftsmodelle.“ Zwickau solle als Pilotwerk dienen, bevor das Modell auf weitere Standorte übertragen werde.

Die erste Reaktion der Gewerkschaft IG Metall fiel positiv aus. „Mit dieser Investition setzt Volkswagen in Zwickau eine Vereinbarung aus dem Tarifvertrag um. Ich begrüße diesen Startschuss als einen wichtigen Schritt zur Sicherung von Arbeitsplätzen“, sagte Jan Otto, Bezirksleiter der IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen. Jetzt werde es darauf ankommen, dem Einstieg in die Kreislaufwirtschaft weitere umfangreiche Investitionen im Werk Zwickau folgen zu lassen, forderte Otto.

Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen

Das Werk in Sachsen gehört zu den größten Verlierern des Sparprogramms, das der Konzern vor gut einem Jahr beschlossen hat. Derzeit arbeiten am Standort Zwickau noch rund 8000 Menschen bei VW – einschließlich befristet Beschäftigter waren es zeitweise mehr als 10.000. In diesem Jahr sollen weitere 500 Stellen in der Fabrik wegfallen, und danach dürfte der Abbau noch weitergehen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach der Vereinbarung mit der IG Metall ausgeschlossen, VW muss den Stellenabbau deshalb über sozialverträgliche Instrumente wie Abfindungen und Altersteilzeit organisieren.

Dass der Standort zu viel Personal hat, liegt an der schwachen Nachfrage nach Elektroautos. Ein Problem, auf das VW auch mit einer Neuverteilung seiner Modelle auf die Werke in Deutschland reagiert. Zwickau, das als erstes Werk innerhalb des VW-Konzerns komplett auf die Produktion von Elektrowagen umstellte, hat den elektrischen Stadtgeländewagen ID.4 an den Standort in Emden verloren, über die Kompaktwagen Cupra Born und ID.3 wird noch gesprochen.

Im vergangenen Jahr liefen etwas mehr als 200.000 Elektrowagen in Zwickau vom Band. Die Kapazität des Standorts liegt bei gut 300.000 Fahrzeugen. Den Einstieg in das Recycling von Verbrenner- und Elektroautos lässt sich der Konzern nun bis zu 90 Millionen Euro kosten. Sachsen steuert weitere 10,7 Millionen Euro an Subventionen bei. Dirk Panter (SPD), der Wirtschaftsminister von Sachsen gab sich am Mittwoch zuversichtlich, dass dadurch neue Wertschöpfung entsteht. „Die Diversifizierung des Standortes Zwickau stärkt somit die Zukunftsfähigkeit dieser sächsischen Automobil-Region“, sagte der Minister.

VW-Standorte in Sachsen stehen unter Druck

Die Politik im Bundesland versucht schon lange, einen Kahlschlag an den sächsischen VW-Standorten zu verhindern. Im Motorenwerk von VW in Chemnitz, in dem jedes Jahr mehr als 700.000 Motoren für Verbrenner gebaut werden, arbeiten knapp 2000 Beschäftigte. In der Gläsernen Manufaktur von VW in Dresden ist die Automobilproduktion mit zuletzt noch etwas mehr als 200 Beschäftigten zum Jahresende ausgelaufen.

Die AfD, die nach jüngsten Umfragen in der Gunst der Wählern in Sachsen vorne liegt, erhöht den Druck, indem sie die Stimmung in der Bevölkerung aufgreift und den Schwenk zur Elektromobilität scharf kritisiert. Auch am Mittwoch erschienen Vertreter der AfD am Werk in Zwickau, offenbar in der Absicht, an der Veranstaltung teilzunehmen. Vorausgegangen war dem Vernehmen nach eine Einladung des sächsischen Wirtschaftsministeriums an Landtagsabgeordnete aller Parteien – letztlich fand die Veranstaltung jedoch ohne Parlamentarier statt.

Nach Angaben von VW sollen noch dieses Jahr im ersten Schritt etwa 500 Vorserienfahrzeuge zerlegt werden, um die Arbeit zu erproben. Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Standort dann bis zu 15.000 Autos im Jahr recyceln, heißt es. Dabei gehe es um Kunststoffe von Bauteilen oder um Rohstoffe aus den Batterien von Elektroautos. Durch den Aufbau der Kreislaufwirtschaft will VW 200 Arbeitsplätze erhalten. Die Einigung mit der IG Metall sah allerdings vor, dass etwa 1000 Jobs mit neuen Aufgaben geschaffen würden. Die Gewerkschaft will Zwickau zum „zentralen Standort für Kreislaufwirtschaft im VW-Konzern“ ausbauen. Das umfasse die gesamte Wertschöpfungskette, „von der Entwicklung bis zur Steuerung der Recycling-Prozesse“, sagte Otto.