Arbeitsmarkt: Zahl jener Erwerbstätigen erstmals seither 2020 minimal gesunken
Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland trotz der schwachen Konjunktur nahezu gleich geblieben. Im Durchschnitt gab es mit 46 Millionen arbeitenden Menschen etwa 5.000 Erwerbstätige weniger als 2024, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Obwohl der Rückgang damit minimal ausfiel, war die Zahl erstmals seit 2020 wieder rückläufig. Mit Ausnahme des ersten Jahres der Coronapandemie war die Zahl der Erwerbstätigen seit 2006 durchgängig gewachsen und hatte 2024 den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht.
„Ursächlich für diese Beschäftigungsentwicklung waren im Jahr 2025 die konjunkturelle Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt und – wie bereits in den Vorjahren – die immer stärkeren Effekte des demografischen Wandels“, teilten die Wiesbadener Statistiker mit. Für das Ausscheiden geburtenstarker Jahrgänge aus dem Beruf rückten demnach weniger junge Erwerbstätige nach.
Je nach Wirtschaftsbereich fielen die Entwicklungen dabei sehr unterschiedlich aus. So verzeichnete die Industrie mit 143.000 Erwerbstätigen einen Rückgang von fast zwei Prozent auf 7,9 Millionen Beschäftigte. Im Baugewerbe ging die Zahl der Beschäftigten um 23.000 auf 2,6 Millionen zurück. In der Land- und Forstwirtschaft setzte sich der seit Jahren bestehende Rückgang fort, dort sank die Zahl um 0,5 Prozent auf 562.000.
Zuwanderung und mehr arbeitende Frauen
Einen Zuwachs gab es hingegen im Dienstleistungssektor, der mit 164.000 zusätzlichen Beschäftigten ein Plus von 0,5 Prozent auf 34,9 Millionen Personen verzeichnete. Besonders stark war der Zuwachs im öffentlichen Dienst sowie im Bereich Bildung und Erziehung, wo 205.000 Menschen mehr arbeiteten als im Vorjahr.
Dem demografisch bedingten Rückgang bei der Gesamtzahl der Erwerbstätigen standen den Angaben der Statistiker zufolge andere Faktoren entgegen, die „stützend“ gewirkt hätten. So hätten die Nettozuwanderung von Arbeitskräften sowie „eine gestiegene Erwerbsbeteiligung der inländischen Bevölkerung“ den Arbeitsmarkt stabilisiert, teilten die Statistiker mit. Letzteres gehe darauf zurück, dass sich ältere Personen und Frauen stärker am Arbeitsmarkt beteiligten.
Dennoch belastet die wirtschaftliche Stagnation der vergangenen Jahre den Arbeitsmarkt – vor allem Menschen, die auf Arbeitssuche sind. Derzeit sei die Chance für Arbeitslose, einen Job zu finden, „so niedrig wie nie zuvor“, sagte Ende Dezember die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles. Arbeitssuchende seien derzeit gezwungen, für eine Stelle mehr Kompromisse einzugehen, etwa hinsichtlich des Wohnorts sowie des Berufsfelds.