Arabische Halbinsel: Saudi-Arabien berichtet von Luftangriff im Südjemen

Eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hat nach eigenen Angaben einen Luftangriff im Süden des Jemen durchgeführt. Ziel waren demnach zwei Schiffe im Hafen von Mukalla. Ein Sprecher der Koalition sagte, die Schiffe seien aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gekommen, um Waffen an jemenitische Separatisten zu liefern, die bereits den Süden des Jemen in Teilen kontrollieren. 

„Angesichts der Gefahr und Eskalation, die von diesen Waffen ausgeht und
die Sicherheit und Stabilität bedrohen, führten die Luftstreitkräfte
der Koalition heute Morgen eine begrenzte Militäraktion aus, bei der
Waffen und Kampffahrzeuge ins Visier genommen wurden, die von den beiden
Schiffen im Hafen von Mukalla abgeladen wurden“, teilte das saudi-arabische Militär mit.

Laut der Koalition soll es bei dem Angriff keine Opfer gegeben haben,
berichteten saudische Staatsmedien. Eine Bestätigung dafür liegt nicht vor. Welche weiteren Länder an dem Luftangriff beteiligt waren, war zunächst unklar. Die Separatisten hatten kürzlich einen Großteil der Provinzen Hadramaut
und Mahra erobert, darunter wichtige Ölanlagen und das Grenzgebiet zum
Oman. Mukalla liegt in Hadramaut.

Regierung soll Unterstützung erbeten haben

Nach saudischen Angaben sollen die Luftschläge auf Bitte des Vorsitzenden von Jemens Präsidialrat, Raschad al-Alimi, durchgeführt worden sein. Zuvor hatte die Militärkoalition eine „Militäroperation“ im Jemen angekündigt und Zivilisten dazu aufgerufen, den Hafen von Mukalla sofort zu verlassen, meldete die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA. 

Die Militärkoalition hatte Separatisten im Südjemen gedroht, dass sie die jemenitische Regierung in jeder militärischen Konfrontation unterstützen werde. Am Freitag waren bei Luftangriffen Stellungen der Separatisten im Jemen angegriffen worden, die Saudi-Arabien zugeschrieben wurden. Nach den Angriffen rief die Regierung im Jemen die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition auf, ihre Streitkräfte in der Provinz Hadramaut zu unterstützen.

Notstand ausgerufen

Wegen des Vorrückens von Separatisten rief der Präsidialrat im Jemen
den Notstand aus. Zudem beendete er den Sicherheitspakt mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Das Gemeinsame Verteidigungsabkommen mit
den Vereinigten Arabischen Emiraten ist hiermit aufgekündigt“, schrieb der Präsidialrat. In einem gesonderten Dekret ordnete er
einen 90-tägigen Notstand an, zu dem auch eine 72-stündige Luft-, See-
und Landblockade gehören soll.

Auch im von den Separatisten kontrollierten Süden des Jemen gilt ein Notstand. Die Vertreter des sogenannten Südlichen Übergangsrats (STC) kündigten zudem eine 72-stündige Sperrung aller
Grenzübergänge in das von ihnen kontrollierte Gebiet im Südjemen sowie der dortigen
Flug- und Meereshäfen an. 

Inwieweit die Notstandsdeklaration im Präsidialrat von Islamisten und Separatisten gemeinsam geäußert wurde, ist unklar. Formal sind die islamistischen Kräfte im Norden des Jemen und die Separatisten im Süden Teil der jemenitischen Regierung, innerhalb derer jedoch ein Machtkampf besteht.

Separatisten nehmen Gebiete ein

Die separatistische Bewegung Südlicher Übergangsrat (STC) hatte
kürzlich große Teile von Hadramaut sowie angrenzende Gebiete im Süden des Jemen eingenommen. 

Dabei
verdrängte der STC dort Truppen der gegnerischen Seite. Diese gehörten dem jemenitischen Regierungslager an und stehen islamistischen Kräften nahe, welche in der Vergangenheit von Saudi-Arabien
unterstützt wurden. Die Huthi-Miliz kontrolliert jedoch faktisch bisher neben der Provinz Sanaa vor allem die bevölkerungsreichsten Provinzen im Norden des Landes. Huthi-Miliz und jemenitische Regierung bekämpfen sich bereits seit Jahren. Auch Israel flog bereits Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen.

Beide Seiten – STC und Islamisten – sind formal Teil der
international anerkannten Regierung, stehen jedoch in Rivalität zueinander. Der
STC kämpft seit Jahrzehnten für einen unabhängigen Staat im Südjemen. Er wird
dabei von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt.

Der Norden wird dagegen von der proiranischen Huthi-Miliz kontrolliert, welche ihren Einflussbereich weiter ausbauen wollen. Sie werden vom Iran unterstützt. Die jemenitische Regierung wiederum wird von Saudi-Arabien unterstützt. Der Jemen ist seit mehr als einem Jahrzehnt damit faktisch
gespalten – und befindet sich im Dauerkonflikt.