Anschläge in den USA: Nahostkrieg an dieser Heimatfront

In Sicherheitskreisen war gewarnt worden, dass der Nahostkrieg auch die Gefährdungslage in Amerika verändere. Am Donnerstag raste nun ein 41 Jahre alter Mann mit seinem Lastwagen in der Nähe von Detroit im Bundesstaat Michigan in eine Synagoge. Bei einem Schusswechsel mit Sicherheitsleuten wurde er getötet. 140 Schüler und die Lehrer einer Vorschule der „Tempel Israel“-Synagoge in West Bloomfield Township wurden in Sicherheit gebracht. Eine Sicherheitskraft wurde verletzt. Das Gebäude geriet in Brand.
Die Behörden sprachen von „einer gezielten Gewalttat gegen die jüdische Gemeinde“. Wegen der schweren Brandverletzungen am Leichnam konnten die Behörden zunächst keine Angaben zum Täter machen. Später am Donnerstagabend wurde er aber identifiziert: Es handelt sich um den 41 Jahre alten Ayman Mohamad G., einen im Libanon geborenen Mann mit amerikanischer Staatsangehörigkeit.
Offiziell heißt es, die Ermittlungen zum Tatmotiv liefen noch. Der Sender CNN hatte aber unter Berufung auf Polizeikreise berichtet, der Täter habe vor der Gewalttat anderen erzählt, er habe Familienangehörige im Libanon bei den jüngsten israelischen Luftangriffen verloren. Auch hieß es, in dem Laster habe sich offenbar Sprengstoff befunden.
Präsident Donald Trump sprach von einer „schrecklichen Sache“ und nannte es „absolut unglaublich, dass solche Dinge passieren“. Die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, verurteilte den Angriff scharf: „Die jüdische Gemeinde von Michigan sollte in Frieden leben und ihren Glauben ausüben können“, sagte sie. Auch der israelische Außenminister Gideon Saar äußerte sich: Er sei schockiert über den Angriff. Die israelische Regierung stehe in Kontakt mit der jüdischen Gemeinde und den örtlichen Behörden. „Antisemitismus darf niemals wieder sein hässliches Haupt erheben“, sagte Saar.
FBI ermittelt auch in Virginia wegen Terrorverdachts
Die Reformsynagoge Temple Israel ist mit 12.000 Mitgliedern eine der größten in den Vereinigten Staaten. Neben einer Vorschule befindet sich auch eine Religionsschule in dem Gebäudekomplex. West Bloomfield Township hat 65.000 Einwohner; ein Viertel von ihnen ist jüdisch. Im Großraum Detroit, vor allem in Dearborn, leben auch viele arabisch-stämmige Amerikaner, vor allem aus dem Libanon, Syrien, dem Irak und den palästinensischen Gebieten.
Das FBI ermittelt zudem nach den tödlichen Schüssen an einer Universität im Bundesstaat Virginia wegen Terrorverdachts. Das teilte FBI-Direktor Kash Patel mit. Bei dem Angriff am Donnerstag in der Old Dominion-Universität in Norfolk wurde ein Militärausbilder getötet. Zwei Studenten wurden verletzt. Der Angreifer, ein ehemaliges Mitglied der Nationalgarde, wurde von Studenten „überwältigt“ und starb ebenfalls.
Patel teilte mit, der Schütze habe „dank einer Gruppe mutiger Studenten gestoppt werden können, die eingeschritten sind und ihn überwältigt haben“. Das habe „zweifellos Leben gerettet“, ebenso wie das rasche Eingreifen der Polizei. FBI-Beamtin Dominique Evans sagte später mit Bezug auf die Studenten: „Ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll, aber es ist ihnen gelungen, die Bedrohung auszuschalten.“ Der Angreifer sei nicht erschossen worden, fügte sie hinzu. Zur genauen Todesursache machte sie keine Angaben.
Nach FBI-Angaben hatte er wegen Unterstützung der Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Gefängnis gesessen. Es handle sich bei dem mutmaßlichen Schützen um Mohammed Bailor J. Der Mann hatte 2016 gestanden, den „Islamischen Staat“ unterstützt zu haben, und war 2017 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. 2024 kam er wieder frei. Evans sagte weiter, J., der bei seiner Tat „Allahu Akbar“ gerufen habe, habe versucht, einen „Terroranschlag ähnlich dem in Fort Hood, Texas“ zu verüben.
Im November 2009 waren dort zwölf Soldaten und ein Zivilist erschossen sowie 30 Soldaten verletzt worden. Der Täter, Armeepsychiater Nidal H., feuerte nach eigenen Angaben auf seine Kameraden, weil diese in Afghanistan Krieg gegen Muslime führten.
Source: faz.net