Anna Prizkau: „Ich glaube nicht an Therapie“

Eigentlich wollten wir in den Zoo, um Flamingos zu sehen. Schließlich besucht die Protagonistin in Anna Prizkaus Roman Frauen im Sanatorium regelmäßig einen Flamingo, um ihm ihre Familiengeschichte zu erzählen: von den Affären des Vaters, der Krankheit der Mutter, der eigenen Unfähigkeit zum Glück. Ein Flamingo ziert auch das Buchcover, das auf TikTok oft gelobt wird, was Prizkau fast zu stören scheint. Denn sie will Inhalt statt Oberfläche, Tiefe statt Small Talk. Deswegen reden wir, während wir an diesem Montagmorgen im Oktober durch den Berliner Zoo gehen, auch direkt über den Nahen Osten. Erst am Vortag ist Prizkau aus Tel Aviv zurückgekommen. Die Kleidung, die sie trägt, ist noch feucht vom Waschen nach der Reise. Sie hat dort Freunde besucht und war am Strand. Ständig habe jemand dabei die Bombenwarnungen auf dem Handy geprüft. Während sie das erzählt, sucht sie in ihrem Portemonnaie nach Kleingeld für Futter im Streichelzoo und wühlt durch Euros, Schekel und Münzen der ukrainischen Währung Hrywnja. Gleich, so versichert sie, könnten wir intellektuelle Sachen besprechen. „Literatur und so, versprochen!“