Anna Netrebko: Kulturbürger drinnen, Buhrufer im Freien

Um kurz nach halb sieben abends liegt eine meteorologische
Unsicherheit über der Stadt Berlin. Gerade ist, wie schon mehrmals an dem Tag,
ein Regen niedergegangen, als gelte es, alle Sünden der Welt wegzuwaschen. Nun
stehen am Gendarmenmarkt vor einem der drei Eingänge zum Open-Air-Konzert von
Anna Netrebko, das am Abend zuvor wegen sündenwegwaschenden Regens verschoben
werden musste, vielleicht 50 Protestierende und rufen: „Keine Bühne für
Putins Unterstützerin.“ 

Der Ukraine-Solidaritätsverein Vitsche hat zu dem Protest
aufgerufen, an allen drei Zugängen zu dem Konzert sollen sich Demonstrierende
vor den Absperrungen versammeln. Die russisch-österreichische Sopranistin
Netrebko tritt an diesem Abend gemeinsam mit dem aserbaidschanischen Tenor
Yusif Eyvazov auf, die beiden waren privat mal ein Paar und sind es nicht mehr,
nur noch künstlerisch Partner. Gegen Eyvazov gibt es keine Sprechchöre.