Anleger aufgepasst!: Gefährliche Kredite

Es gibt unter Finanzmarktkennern einen Reflex, der besonders in unruhigen Zeiten um sich greift: In allen Fehlentwicklungen, die sich an den Märkten beobachten lassen, wird dann gleich die Keimzelle für die nächste Finanzkrise vermutet. Das hat mit den traumatischen Erfahrungen vieler Investoren in der letzten großen Krise im Jahr 2008 zu tun. Damals wurde lange ignoriert, dass der weltweite Markt für Immobilienkredite in schwere Unordnung geraten war. Von dessen Zusammenbruch, der 2008 in der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers gipfelte, hat sich die Finanzwelt jahrelang nicht erholt.
Es verwundert darum nicht, dass viele Fachleute sensibel reagieren, wenn von einem bislang wenig beachteten Feld der Geldanlage plötzlich schlechte Nachrichten kommen. Das Stichwort lautet „Private Credit“. Dahinter verbirgt sich ein besonders in den Vereinigten Staaten bekanntes Geschäftsmodell: Fonds vergeben Darlehen an Unternehmen, die auf anderem Wege keine oder nicht ausreichend hohe Kredite erhalten.
Der Lohn, den Investoren für dieses äußerst riskante Geschäft erhalten, sind hohe Renditen. Der Nachteil, der mit dieser Form der Anlage einhergeht, wird in diesen Tagen offensichtlich: Wenn zu viele Anleger gleichzeitig an ihr Geld wollen, geraten die Fonds in Schwierigkeiten. In den USA sind auch bekannte Anbieter wie Blackrock davon betroffen.
Dies ist eine ungesunde Entwicklung, aber zugleich noch ein ziemliches Nischenphänomen. Dass es die Dimension der Finanzkrise erreicht, ist – Stand heute – unwahrscheinlich. Anleger hierzulande sollten vor allem eine Lehre daraus ziehen: Auch Anbieter wie Trade Republic sind darum bemüht, ihnen diese sogenannten „Private Markets“ als Anlagegelegenheit schmackhaft zu machen. Darauf sollten sich Anleger nicht einlassen. Die Chance, dass die Sache schiefgeht, ist groß.
Source: faz.net