Anhörung Hillary Clintons: „Das sollen Sie meinen Ehemann fragen“

Die stundenlange Befragung Hillary Clintons war gerade zu Ende, da verwies James Comer schon auf den nächsten Tag. Man habe „viele Fragen an ihren Ehemann“, sagte der republikanische Vorsitzende des Kontrollausschusses im Repräsentantenhaus. Die frühere Außenministerin habe mehr als ein Dutzend Mal gesagt, „das müssen Sie meinen Ehemann fragen“. Bill Clintons Anhörung werde also noch länger, sagte Comer voraus. Hillary Clintons dauerte laut Medienberichten sechs bis sieben Stunden.
Dass der Ausschussvorsitzende gleich in die Zukunft blickte, mag auch daran gelegen haben, dass die mit Spannung erwartete Vorladung am Donnerstag offenbar nichts Neues über die Beziehung der Clintons zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein oder dessen Komplizin Ghislaine Maxwell ans Tageslicht brachte.
Hillary Clinton blieb bei ihren bisherigen Aussagen: Sie habe Epstein nie getroffen, seine Insel nie besucht, sei nie mit seinem Flugzeug geflogen und habe nichts von seinen Verbrechen gewusst. Maxwell sei eine flüchtige Bekannte gewesen. Das habe sie an diesem Tag mehrfach zu Protokoll gegeben, sagte Clinton nach der nicht öffentlichen Anhörung in ihrem Heimatort Chappaqua in New York. Außerdem sei sie am Ende zu Ufos und einer Verschwörungstheorie befragt worden. Laut einer auf X veröffentlichten Stellungnahme hatte Clinton in ihrem Eröffnungsstatement vor dem Ausschuss gesagt, es handele sich bei der Vorladung um „parteipolitisches Theater“, das eine Beleidigung für die Amerikaner sei.
Foto Hillary Clintons veröffentlicht
Ihre Aussage stand am Donnerstag offenbar für einen Moment auf der Kippe. Das Ehepaar hatte im Streit um die Vorladung zunächst eine öffentliche Befragung gefordert, die aber vom Ausschuss abgelehnt wurde. Am Donnerstag dann gab die MAGA-Abgeordnete Lauren Boebert ein Foto Hillary Clintons in der Anhörung an einen rechtskonservativen Podcaster weiter. Der veröffentlichte die Aufnahme mit der Bemerkung, Clinton sehe „nicht glücklich“ aus. Die frühere Außenministerin bezeichnete den Vorfall später als „sehr ärgerlich“. Sie habe sich jedoch dazu entschlossen, trotzdem weiter auszusagen und jede Frage nach bestem Wissen beantwortet.
Der Ausschussvorsitzende Comer hatte am Morgen hervorgehoben, es handele sich bei der Anhörung nicht um eine „parteipolitische Hexenjagd“. Der Schritt werde von beiden Parteien unterstützt. Einige Demokraten des Gremiums nutzten den Auftritt Clintons jedoch für heftige Kritik an der Regierung. Der ranghöchste Demokrat, Robert Garcia, sagte gegenüber Journalisten, man rede „mit den falschen Leuten“. Es werde zunehmend klarer, dass die Fragen sich an das Weiße Haus und das Justizministerium richten müssten.
So sei es „zutiefst besorgniserregend“, dass in den Epstein-Akten Dokumente zurückgehalten worden seien, die Donald Trump belasteten. Der Präsident selbst müsse „unmittelbar“ vor dem Ausschuss aussagen, schließlich komme er so häufig in den Epstein-Akten vor. Es gilt jedoch als äußerst unwahrscheinlich, dass es jemals zu einer Vorladung oder gar Befragung Trumps kommen wird. Bill Clintons geplante Aussage war die erste eines früheren Präsidenten vor einem Kongressausschuss seit mehr als vierzig Jahren.
Das Justizministerium gab am Donnerstag bekannt, man untersuche, warum in den Epstein-Akten Dokumente fehlen, in denen Trump sexueller Übergriffe beschuldigt wird. In einer Stellungnahme hieß es, sollte sich herausstellen, dass eine Datei „fälschlicherweise“ nicht veröffentlicht worden sei, werde man das „selbstverständlich“ nachholen. Amerikanische Medien hatten zuvor berichtet, es fehlten mindestens drei Protokolle von Gesprächen des FBI mit einer Frau, die Trump vorwirft, sie als Minderjährige sexuell genötigt zu haben.
Source: faz.net