Angriffe in Golfregion: TUI holt Urlauber von Kleinflughafen in jener Wüste ab
Im Zuge der Rückholaktion für Urlauber aus der Golfregion gelangen Flugzeuge zu Orten, an denen sie im Regelbetrieb nie vorbeikommen. Der Reisekonzern TUI hat bis Montagnachmittag sechsmal den kaum bekannten Flughafen von Al-Ain, einer Stadt um eine Wüstenoase im südlichen Grenzgebiet der Vereinigten Arabischen Emirate, angesteuert.
Damit ist die Airlinesparte des Reisekonzerns der einzige europäische Anbieter, der seit Beginn der Angriffe in der Region für Rückholflüge nach Deutschland mit eigenen Flugzeugen das Staatsgebiet der Vereinigten Arabischen Emirate erreicht hat. Von den Großflughäfen in Dubai und Abu Dhabi heben fast ausschließlich Flugzeuge der dort beheimateten Gesellschaften Emirates und Etihad, die einen reduzierten Flugplan aufgelegt haben, gen Europa ab. In Doha ist der Betrieb von Qatar Airways wegen behördlicher Vorgaben noch rudimentär.
Der Luftfahrtdatendienstleister Cirium zählte für Montag nur zehn Starts in Doha, aber 159 in Dubai. Tausende Urlauber werden zu Rückholflügen mit Bussen über knapp 500 Kilometer nach Maskat im Oman oder sogar über rund 1000 Kilometer ins saudische Riad gebracht. Der Flughafen von Al-Ain ist rund 100 Kilometer von Dubai entfernt.
Der Vorstandschef der Deutschen Lufthansa, Carsten Spohr, hatte am vergangenen Freitag zur Bilanzvorlage auf die Frage, ob der Konzern Flüge aus den Emiraten erwäge, gesagt: „Bei uns geht Sicherheit vor. Und nur weil andere fliegen, fliegen wir noch lange nicht.“ Am Montag teilte Lufthansa mit, ihren Flugstopp für Dubai und Abu Dhabi bis mindestens zum kommenden Sonntag zu verlängern. In Dubai war am Samstag der Notbetrieb nach einem Drohneneinschlag am Flughafen kurzzeitig unterbrochen, Flugzeuge des Lufthansa-Konzerns waren bislang für Rückholungen in Maskat und in Riad.
„Wir machen nur einen sehr kurzen Bodenstopp“
In Al-Ain listet das Portal Flightradar24 neben den TUI-Flügen nur Landungen von Air India Express und Air Cairo. Der Flughafen dort ist eher mit einem deutschen Regionalflughafen vergleichbar. Nach Flughafenangaben wird auch außerhalb von Krisenzeiten nur eine sechsstellige Zahl an Passagieren im Jahr abgefertigt, es gibt dort zehn Check-in-Schalter, aber eine Startbahn mit vier Kilometern Länge, genug für alle Passagierflugzeugtypen.
Die TUI-Rückholflüge, über die der Konzern im Vorfeld nichts hatte verlauten lassen, wurden nach Angaben eines Sprechers minutiös geplant. „Wir machen nur einen sehr kurzen Bodenstopp“, erklärte der Sprecher auf F.A.Z.-Anfrage. Zum Tanken wird auf dem Hin- und dem Rückweg in Heraklion auf Kreta zwischengelandet.

Für die Wahl des Airports hat nach TUI-Angaben gesprochen, dass für den Weg dorthin keine zeitintensiven Grenzkontrollen nötig sind und kurzfristig keine Visa beschafft werden müssen. Zudem stoße der Flughafen von Maskat im Oman, der in der Größe mit dem Airport von Hamburg vergleichbar ist und staatliche Rückholflüge abwickeln muss, aktuell an Kapazitätsgrenzen. Flüge von Al-Ain müssen anders als von Dubai auch nicht den gesamten Luftraum der Emirate durchqueren, nach 30 Kilometern haben Flugzeuge den Oman erreicht.
Da die deutsche TUI-Fly-Flotte, die die Golfregion nicht bedient, aktuell mit regulären Flügen ausgelastet ist, setzte der Konzern zwei Flugzeuge seines britischen Ablegers ein. Einzelreisende hatten für die Flüge – drei nach Hannover, einer nach Köln und zwei ins britische Manchester – keine Möglichkeit, Tickets zu buchen. „Die Behörden in den Emiraten haben ganz exakt festgeschrieben, dass nur Repatriierungsflüge für Pauschalreisende erlaubt sind“, sagte der TUI-Sprecher.

Insgesamt haben die Rückholaktionen nach einem zögerlichen Anlauf Fahrt aufgenommen. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) sind Tausende Urlauber heimgekehrt, am Beginn der Krise hatte der DRV von 30.000 festsitzenden Urlaubern gesprochen. Das in Abu Dhabi festliegende TUI-Kreuzfahrtschiff haben nach Konzernangaben inzwischen mehr als 80 Prozent der Passagiere verlassen.
Angespannter ist die Lage auf dem zweiten TUI-Schiff, das in Doha liegt, zumal es wieder Angriffe auf Qatar gab. Von Doha waren aber keine Rückflüge möglich. Das Branchenfachmagazin „FVW“ berichtete, dass der Unmut unter Gästen zunehme. TUI hatte am Wochenende erste Betroffene mit einem Flug der Gesellschaft Saudia über Riad ausgeflogen, für Dienstag waren zwei weitere Flüge angekündigt.
Für Pauschalurlauber sind die Sonderflüge kostenlos, sie müssen aber den zugewiesenen Flug nehmen. Einzelreisende, die die bislang vier staatlichen Rückholflüge des Auswärtigen Amts genutzt haben, werden eine Rechnung erhalten. In der Corona-Pandemie waren Klagen von Betroffenen, die Rückholungen nicht selbst zahlen wollten, gescheitert.