Angriff hinaus Iran: Geht den Amerikanern künftig die Munition aus?

Der amerikanische Präsident Donald Trump geht davon aus, dass der Krieg gegen Iran vier Wochen dauern könnte. Doch bestimmte Munition könnte wohl schon früher zur Neige gehen. Das „Wall Street Journal“ berichtet, dass die USA versuchten, iranische Raketen und Drohnen in den entsprechenden Depots zu zerstören, bevor ihnen selbst die Abfangraketen ausgingen. Auch der Bestand an Tomahawk-Marschflugkörpern, die Washington derzeit einsetzt, soll aufgrund früherer Konflikte stark eingeschränkt sein.
Seit Samstagmorgen greifen die Vereinigten Staaten zusammen mit Israel Hunderte Ziele in Iran an: darunter Luftverteidigungssysteme, Kommandozentralen oder Raketenstellungen. Teheran reagiert mit zahlreichen Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel und arabische Staaten mit US-Militärpräsenz. Washington hatte zuvor zusätzliche Flugabwehr in die Region verlegt.
Auch wenn viele iranische Geschosse abgefangen werden konnten, kam es zu Einschlägen. So soll der wichtige amerikanische Marinestützpunkt in Bahrain durch iranische Drohnen beschädigt worden sein. Das US-Militär erklärte am Wochenende, dass die Schäden an seinen Einrichtungen minimal gewesen seien. Aber Warnungen, dass die Luftverteidigungsmunition bei einem andauernden Konflikt knapp werden könnte, gab es schon vor Kriegsbeginn.
So soll unter anderem Dan Caine, Generalstabschef und ranghöchster Militäroffizier, gegenüber dem Weißen Haus Bedenken hinsichtlich des Mangels an Abfangraketen geäußert haben. Die USA haben im Zwölftagekrieg gegen Iran 2025 oder bei Einsätzen gegen die jemenitischen Huthi ihre Luftverteidigung stark beansprucht. Das gilt insbesondere für Patriot- und THAAD-Systeme sowie für Standard Missiles (SM), die für die Abwehr iranischer ballistischer Raketen zentral sind. Schon gegen Ende des Zwölftagekriegs wurde die Munition offenbar knapp; die USA sollen ein Viertel ihrer THAAD-Abfangraketen verschossen haben. THAAD zählt zu den modernsten Verteidigungssystemen der Vereinigten Staaten.
„Anhaltende Angriffe würden die US-Raketenabwehr schnell belasten“
Auch die Unterstützung Israels und die Lieferungen an die Ukraine reduzierten das amerikanische Arsenal. Zudem benötigen die USA ihre Luftverteidigung auch an anderen strategischen Standorten. Der genaue Bestand an Abfangraketen ist geheim. Trump widersprach Berichten über mögliche Engpässe: Sein Generalstabschef sei der Meinung, „dass dieser Krieg leicht zu gewinnen sein wird“.
Amerikanische Analysten sehen das im Falle eines längeren Kriegs anders. Kelly Grieco von der Denkfabrik Stimson Center in Washington stellte diese Rechnung auf der Plattform X auf: Sollten die USA die Hälfte ihres Arsenals in den Nahen Osten verlegt haben, würde ihnen die THAAD-Munition bei einer hohen Feuerrate in ungefähr zehn Tagen ausgehen, bei SM-3-Abfangraketen wäre das in rund zwei Wochen der Fall.
Warnungen gibt es schon länger
„Anhaltende Angriffe würden die US-Raketenabwehr schnell belasten“, schrieb sie. Fachleute warnen schon seit Längerem, dass die USA mehr Abfangraketen einsetzten, als neue produziert würden; die Industrie könne mit dem Tempo nicht mithalten.
Zwar verfügen auch die Israelis über moderne Luftverteidigungssysteme. Aber deren Munition ist seit dem Zwölftagekrieg offenbar ebenfalls stark dezimiert. Ein amerikanischer Regierungsvertreter sagte dem „Wall Street Journal“, dass die Zahl an Arrow-3-Abfangraketen, die zur Abwehr ballistischer Raketen eingesetzt werden, nach wie vor niedrig sei.
Es ist unklar, wie lange Teheran seine Vergeltungskampagne in dieser Intensität aufrechterhalten kann. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass Iran sein Raketenarsenal seit dem Zwölftagekrieg wieder massiv ausgebaut hat. In der Nacht zum Montag trat auch die verbündete Hizbullah-Miliz in Libanon mit Raketen- und Drohnenangriffen gegen Israel in den Krieg ein.
Darüber hinaus ist auch die Munition für amerikanische Offensivwaffen begrenzt – gerade bei den Marschflugkörpern. Becca Wasser vom Center for a New American Security erklärte, dass die Trump-Regierung ihre Tomahawks zuletzt in einem „außergewöhnlichen Tempo“ eingesetzt habe: darunter bei früheren Operationen gegen Iran und die Huthi oder beim Militärschlag in Nigeria an Weihnachten. Kurz vor dem Irankrieg sagten Militärvertreter der „New York Times“, dass die Vereinigten Staaten nicht über die erforderliche Munition für eine längere Militärintervention in der Region verfügten.
Washington greift in seiner Luftkampagne vor diesem Hintergrund offenbar auch auf neue Waffensysteme zurück. So kamen zum ersten Mal weitreichende Kamikazedrohnen des Typs Lucas (Low-Cost Uncrewed Combat Attack System) und eine zuvor nicht bekannte Variante des Tomahawks zum Einsatz. Trump gibt sich jedenfalls unbeirrt: „Wir haben riesige Mengen an Munition.“
Source: faz.net