Angriff gen Iran: Trump will in die Geschichtsbücher eingehen
Dass es Donald Trump darum geht, Geschichte zu schreiben, machte er gleich am Anfang seiner Videoansprache deutlich, die nach Beginn der Militärschläge gegen Iran veröffentlicht wurde. Der Präsident erinnerte an die Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft 1979 in Teheran nach der iranischen Revolution, an die beispiellose Demütigung Amerikas, die sich tief ins nationale Bewusstsein eingegraben hat.
Seit viereinhalb Jahrzehnten verbreitet das Mullah-Regime Tod und Terror in der Welt. Amerikaner sind dabei immer wieder zum Ziel geworden. Er, Trump, so die Botschaft, will dem Regime nun ein Ende setzen, auch wenn er den belasteten Begriff vom Regimewechsel meidet. Gelingt ihm das, würde sich nicht nur die gesamte Region des Nahen Ostens verändern. Auch die Großmächte China und Russland, die einen weiteren Verbündeten verlören, wären getroffen. Trump wäre der Eintrag in den Geschichtsbüchern sicher: als Interventionist.
Es wird keine Besatzung geben
Es gab in Teilen der amerikanischen Regierung durchaus Bedenken gegen ein militärisches Vorgehen, vor allem weil Washington in einen langwierigen Konflikt verwickelt werden könnte. Am Ende schob Trump diese beiseite. Er setzte auf seinen Außenminister und Nationalen Sicherheitsberater Marco Rubio, der in den vergangenen Monaten nicht zuletzt aufgrund der erfolgreichen Intervention in Venezuela immer einflussreicher geworden ist.
In Rubios Nationalem Sicherheitsrat wurde seit Monaten an Plänen für einen Schlag gegen die Mullahs in Teheran gearbeitet. Wie in Caracas soll das Regime enthauptet werden. Nicht mit einer Gefangennahme des Obersten Führers Ali Khamenei und des Präsidenten Massud Peseschkian, sondern durch gezielte Militärschläge, welche die israelischen Streitkräfte ausführen, womöglich weil sie in diesem Fall über bessere nachrichtendienstliche Erkenntnisse verfügen.
Trump forderte die iranischen Sicherheitskräfte, darunter die Revolutionsgarden, auf, die Waffen niederzulegen. Dann werde ihnen Immunität gewährt. Auch das folgt dem Rubio-Plan: Es gilt, die Fehler des Irakkriegs zu vermeiden. Es wird keine Besatzung geben. Trump ermutigt die iranische Bevölkerung, die Staatsgewalt zu übernehmen, wenn die Luftschläge aufhören. Womöglich setzt Washington nach einem Ende der Kampfhandlungen zwischenzeitlich darauf, mit jenen Kräften des Sicherheitsapparats zu kooperieren, die sich vom Regime abwenden.

Im israelisch-iranischen Zwölftagekrieg im vergangenen Sommer waren mehrere Kommandeure der Revolutionsgarden und des regulären Militärs ausgeschaltet worden. Sie sind seither durch jüngere ersetzt worden. Mit einigen von ihnen glaubt Washington kooperieren zu können. Noch ist unklar, wie erfolgreich die bisherigen Luftschläge der amerikanischen und israelischen Streitkräfte waren.
Trump geht mit dem Krieg auch ein innenpolitisches Risiko ein. Die Operation gegen Nicolás Maduro in Caracas wurde dem Präsidenten in seiner tendenziell isolationistischen MAGA-Bewegung verziehen: Sie war begrenzt und operativ erfolgreich. Zudem gehört Venezuela zur westlichen Hemisphäre. An seiner Basis findet Trumps Anspruch amerikanischer Hegemonie auf dem Doppelkontinent durchaus Widerhall. Der Irankrieg ist anderer Art. Unwägbarer, gefährlicher und in einer Weltgegend, in der Amerika zuletzt seine „ewigen Kriege“ führte, gegen die Trump 2016 seine Bewegung mobilisiert hatte.
Vizepräsident J.D. Vance war der lauteste Bedenkenträger in der Trump-Regierung. Fürs Erste ist er, Trumps Kronprinz, überstimmt worden. Rubio, der ebenfalls Ambitionen mit Blick auf 2028 hat, hat sich durchgesetzt. Geht das Wagnis schief, wird er freilich den Preis zahlen. Der Präsident würde ihn fallen lassen. Das könnte Vance’ Kalkül sein. Trump selbst baute in seiner Videoansprache vor: Es könnte amerikanische Opfer geben. So etwas passiere in einem Krieg. Doch die Mission sei eine edle.
Source: faz.net