Angriff aufwärts Khamenei: Wie Israel und Amerika Irans Obersten Pilot töteten
„Wir kannten Teheran wie Jerusalem“, sagte ein israelischer Geheimdienstmitarbeiter. Er äußerte sich in der „Financial Times“ über die Hintergründe des tödlichen Luftangriffs auf Irans Obersten Führer, Ali Khamenei. Am Morgen des 28. Februar, um 9.40 Uhr Ortszeit, schlugen Dutzende Geschosse im „Haus der Führung“ mitten in der iranischen Hauptstadt Teheran ein. Sie hinterließen graue Trümmerhaufen. Khamenei, der sich dort mit ranghohen Getreuen getroffen hatte, war Geschichte.
Die israelischen Kampfflugzeuge waren laut übereinstimmenden Berichten schon etwas länger in der Luft gewesen. Unterstützt von Cyberangriffen und kinetischen Attacken auf die iranische Flugabwehr, schlugen sie zu.
Dem Angriff war offenbar ein Täuschungsmanöver vorausgegangen, wie der Sender BBC unter Berufung auf einen israelischen Regierungsvertreter berichtete. Das Militär lancierte Fotos und Informationen, die darauf hindeuteten, dass ranghohe israelische Kommandeure ihr Hauptquartier zum Schabbatessen verließen, dem traditionellen Abendessen am Freitagabend. Doch sie verbrachten das Wochenende nicht zu Hause, sondern kehrten heimlich zurück, um den Angriff zu planen. Einige hätten sogar Verkleidungen genutzt, um keinen Verdacht zu erregen.
Sie kannten die Wege von Khameneis Fahrer
Der Schlag gegen den iranischen Staatschef war ein spektakuläres Beispiel dafür, wie tief Iran und sein Regime von den Geheimdiensten seiner Feinde durchdrungen waren und sind. Und wie groß die technischen Möglichkeiten sind. Laut dem Bericht der „Financial Times“ hatte der israelische Geheimdienst über Jahre Zugriff auf die Verkehrskameras von Teheran. Das war eine Quelle riesiger Datenmengen, die es mithilfe ausgefeilter Algorithmen und Auswertungen erlaubten, Ziele zu identifizieren. So konnten etwa Bewegungsmuster von Vertretern iranischer Sicherheitskräfte erstellt werden – unter anderen der Leibwächter und Fahrer Khameneis.

Israelische und amerikanische Geheimdienste konnten offenbar mit großer Sicherheit bestätigen, dass sich einige der höchsten Militär- und Geheimdienstvertreter Irans am Samstagmorgen bei Tageslicht an einem oberirdischen Ort versammeln würden. Sie wussten, dass sogar Khamenei, von dem man annahm, er bewege sich von einem geheimen Untergrundversteck zum nächsten, sich in seiner Residenz aufhalten werde.
Die „New York Times“ berichtete, der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA habe Informationen über das Treffen erhalten und herausgefunden, dass Khamenei daran teilnehmen werde. Diese Erkenntnisse seien mit der israelischen Seite geteilt worden. Israel und die USA hätten daraufhin ihre Angriffspläne kurzfristig angepasst. Eigentlich hatten sie in der Nacht angreifen wollen, nicht am helllichten Tag.
„Eine einmalige Gelegenheit“
„Wir haben eine einmalige Gelegenheit mit hochwertigen Informationen genutzt – und zwar in Echtzeit“, sagte ein israelischer Militärsprecher in den Tagen nach dem Angriff. Israel war laut „Financial Times“ außerdem in der Lage, Mobiltelefone in der Umgebung von Khameneis Residenz auf unauffällige Weise zu blockieren. Hätte jemand die Leibgarde des Obersten Führers warnen wollen, hätte er womöglich nur ein Besetztzeichen bekommen.

Der Angriff auf den Obersten Führer Irans war über Monate geplant worden. Das Vorhaben, Khamenei zu töten, hatte Israel nach den Worten von Verteidigungsminister Israel Katz schon im November gefasst. Er sagte im Fernsehen, die Möglichkeit eines solchen Schlages sei in sehr kleinem Kreis besprochen worden. Eigentlich hätte dieser jedoch erst Monate später stattfinden sollen. Aber im Zuge der Massenproteste im Iran, so Katz weiter, seien Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump über die Angelegenheit ins Gespräch gekommen.
Dass Israel einen Schlag dieser Tragweite überhaupt erwog, könnte damit zusammenhängen, dass Iran und seine verbündeten Milizen ihre Abschreckungsfähigkeit verloren haben. Gleichzeitig ist Israels Risikobereitschaft gestiegen. Bis zum September 2024 galt etwa ein tödlicher Angriff auf den Anführer der libanesischen Hizbullah lange als undenkbar. Dann erbebte Beirut unter dem Einschlag Dutzender bunkerbrechender Bomben, und Hassan Nasrallah wurde getötet.
Der Krieg gegen die Hizbullah hatte die Überlegenheit des israelischen Geheimdienstes schon zuvor eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Tausende Funkempfänger waren als Ergebnis einer Aktion des Mossads in den Händen von Kadern und Kämpfern der Miliz detoniert. Ein wichtiger Hizbullah-Kommandeur nach dem anderen wurde ausgeschaltet. Das iranische Militär wurde im Zwölftagekrieg mit Israel im Juni 2025 ebenfalls hart getroffen. Es hätte Khamenei eine Warnung sein können.
Source: faz.net