Angriff aufwärts Iran: Großbritannien verteidigt sich gegen Trumps Schadenfreude
Die britische Regierung hat sich gegen neue Vorwürfe des amerikanischen Präsidenten Donald Trump verteidigt, sie habe den Vereinigten Staaten zu Beginn des amerikanisch-israelischen Angriffs auf Iran nicht beigestanden. Außenministerin Yvette Cooper sagte am Wochenende dem Sender BBC, es sei „gar nicht im britischen nationalen Interesse, automatisch mit den USA einer Meinung zu sein“.
Zuvor höhnte Trump auf der Plattform Truth Social: „Das Vereinigte Königreich, unser einstiger großer Verbündeter, vielleicht sogar der größte von allen, erwägt nun ernsthaft, zwei Flugzeugträger in den Nahen Osten zu entsenden.“ Und weiter: „Das ist o.k., Premierminister Starmer, wir brauchen die nicht mehr – aber wir werden uns das merken. Wir brauchen keine Leute, die in Kriege eintreten, die wir schon gewonnen haben.“
Wie London sein Umdenken begründet
Schon am Dienstag erklärte Trump, der gegenwärtige britische Premierminister Keir Starmer sei „nicht Churchill“.
Hintergrund der Ausfälle Trumps ist, dass das Vereinigte Königreich vor dem Angriff auf Iran eine Anfrage aus Washington, ob Stützpunkte im britischen Hoheitsgebiet genutzt werden könnten, abschlägig beschieden hatte. Knapp zwei Tage später erlaubte London deren Nutzung dann doch, nachdem Iran die mit Großbritannien befreundeten Golfstaaten angegriffen hatte.
Außenministerin Cooper sagte dazu, Großbritannien habe es ursprünglich für richtig gehalten, diplomatische Wege zu beschreiten, um den Konflikt mit Iran zu lösen. Aber nachdem die „ruchlose Art“ der iranischen Gegenattacken offenbar geworden sei, habe sich die Regierung „dafür entschieden, anders zu antworten“.
Erinnerungen an den zweiten Golfkrieg
Die verzögerte britische Reaktion ist wesentlich von der Erinnerung an den zweiten Golfkrieg bestimmt. Vor mehr als 20 Jahren überzeugte der damalige amerikanische Präsident George W. Bush den damaligen britischen Premierminister Tony Blair, an Amerikas Seite in den Krieg gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein zu ziehen, obwohl viele andere Nationen die völkerrechtlichen Voraussetzungen dafür als nicht ausreichend ansahen. Cooper sagte jetzt, es sei „wichtig, Schlüsse zu ziehen“ daraus, was damals falsch gewesen sei.
Die Führerin der oppositionellen Konservativen, Kemi Badenoch, hatte die Haltung Starmers und seiner Regierung kritisiert und geäußert, London hätte die Nutzung seiner Stützpunkte nicht verweigern dürfen. Außerdem müssten die britischen Streitkräfte nun an der Seite Amerikas aktiv die iranischen Raketenstellungen bekämpfen, statt mit den Flugzeugen der Royal Air Force nur beim Abfangen iranischer Raketen behilflich zu sein. Starmer warf Badenoch vor, sie spiele „politische Spiele“ und schade „Britannien auf der Weltbühne“ damit.
Großbritannien hat in den vergangenen Wochen und Tagen Kampfflugzeuge nach Qatar und Zypern verlegt und auch zwei Drohnenabwehrhubschrauber auf dem britischen Stützpunkt auf Zypern stationiert. Ein britischer Zerstörer soll dort „in den nächsten Wochen“ eintreffen. Die BBC meldete jetzt, auch der britische Flugzeugträger HMS Prince of Wales sei unterdessen in eine Fünf-Tage-Bereitschaft versetzt worden.
Source: faz.net