Der börsennotierte Sicherheitsdienstleister SDM Group aus München steckt offenbar in einer Krise. Drei zu der Firmengruppe gehörende Unternehmen haben laut Ad-hoc-Mitteilungen vom Donnerstag beschlossen, Insolvenzanträge zu stellen. So wollen die Muttergesellschaft SDM SE, die Gruppengesellschaft Industrie- und Werkschutz Mundt sowie die Tochtergesellschaft SDM Sicherheitsdienste München die Eröffnung von Insolvenzverfahren bei den zuständigen Amtsgerichten beantragen.
Der Aktienkurs der SDM SE brach daraufhin von 64 Cent auf bis zu vier Cent fast vollständig ein. Das Unternehmen war im Jahr 2021 an die Börse gegangen. Erst im Februar wurde das Grundkapital von 3,8 auf knapp 4,2 Millionen Euro erhöht. Die Gruppe beschäftigt 600 Mitarbeiter und setzt stark auf Technologie, um die Effizienz zu steigern.
Private Sicherheitsbranche wächst wegen zunehmender Bedrohungen
Die Nachfrage nach Sicherheitsdienstleistungen ist gestiegen, weil sich Sabotageaktionen und Cyberangriffe auf Unternehmen und öffentliche Einrichtungen mehren. Die SDM-Gruppe bietet etwa Werkschutz und Objektschutz, Revier- und Streifendienste, Wert- und Transportfahrten sowie eine Notruf-Leitstelle.
Gewachsen ist das Unternehmen durch Übernahmen und die gezielte Integration etablierter Sicherheitsanbieter in dem stark fragmentierten Markt der privaten Wachdienste. Die Zentralisierung von Personal, IT, Buchhaltung, Disposition und Schulungen von Mitarbeitern soll die Effizienz und Qualität steigern. Eine zentrale Beschaffung von Ausrüstung, Fahrzeugen und Software für die Gesellschaften der Gruppe soll Kosten sparen.
Im aktuellen Geschäftsbericht für das erste Halbjahr 2025 bezeichnet SDM den Geschäftsverlauf des Jahres 2024 als enttäuschend. In den Monaten Januar bis Juni 2025 konnte das Unternehmen wegen einer Ausweitung des Vertriebs den Umsatz immerhin auf über 22 Millionen Euro steigern. Allerdings erhöhte sich auch der Materialaufwand, der vor allem aus dem Einsatz von Subunternehmern resultiert. In den Ad-hoc-Mitteilungen gibt SDM keine näheren Begründungen für die Insolvenzanträge an.
Einsatz im Hambacher Forst für den Großkunden RWE
Um die Führung der SDM-Gruppe wird schon länger gerungen. So wurde auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Juli 2025 der komplette Aufsichtsrat ausgetauscht. Nach Einschätzung von Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) haben sich schon länger Probleme bei der SDM-Gruppe abgezeichnet. Der Volkswirt hat die drei letzten Hauptversammlungen für die SDK beobachtet.
Laut Bauer war der kreditfinanzierte Kauf der Sicherheitsfirma Industrie- und Werkschutz Mundt (IWSM) ziemlich teuer, obwohl die Gesellschaft nicht komplett übernommen worden sei und sich daher nicht unter alleiniger Kontrolle von SDM befinde. Das Tochterunternehmen mit Standorten in Frechen und Würselen im Bundesland Nordrhein-Westfalen trage einen wesentlichen Teil zum SDM-Umsatz bei.
Ein Großkunde sei der Energiekonzern RWE, der Mundt mit dem Schutz des umstrittenen Braunkohleabbaus im Hambacher Forst beauftragt habe. „Daher schwanken die Umsätze stark, je nachdem, ob es gerade Protestaktionen im Hambacher Forst gibt oder nicht“, sagte Bauer der F.A.Z. Zudem sei der Wettbewerb in der Sicherheitsbranche sehr intensiv, auch weil kleinere und lokale Anbieter es zum Teil mit Arbeitsschutz und Auflagen nicht so genau nähmen und daher billiger seien.