Die Einigung zwischen den USA und Iran auf eine vorerst zweiwöchige Waffenruhe sorgt unter Anlegern rund um den Globus für große Erleichterung. Der deutsche Leitindex Dax legte zum Handelsstart am Mittwoch um beinahe fünf Prozent auf mehr als 24.000 Punkte zu. Kurz darauf ließ er wieder etwas nach. Der M-Dax mit den mittelgroßen deutschen Werten zog um rund 5,1 Prozent auf 30.191 Zähler an. Für den Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx ging es um 4,4 Prozent aufwärts und ließ dann etwas nach.
Auch an den Börsen in Paris, Mailand und London legten die Aktienkurse zu.
In Paris kletterte der Index CAC 40 nach einem etwas verhaltenerem Start um 3,7 Prozent, an der Börse in Mailand ging es ebenfalls um rund vier Prozent hoch. In London stiegen die Kurse um 2,5 Prozent.
Die Rohölpreise fielen demgegenüber deutlich. Die Terminkontrakte für die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) gaben um 15 Prozent nach, die Nordseesorte Brent fiel ebenfalls um 15 Prozent in Richtung 90 Dollar je Barrel (159 Liter). Damit liegen die Preise allerdings weiterhin ein gutes Stück über den Niveaus von vor dem Ausbruch des Krieges am 28. Februar.
In einem Beitrag auf seinem Portal Truth Social hatte Trump geschrieben, er werde die Angriffe auf Iran für zwei Wochen aussetzen. Und dies, sofern Teheran der „vollständigen, unverzüglichen und sicheren Öffnung“ der Straße von Hormus zustimme.
Manche Fachleute zeigen sich deshalb auch noch vorsichtig. In der Straße von Hormus stauten sich derzeit mehr als 800 Schiffe, darunter mehr als 400 Öl- und Ölprodukttanker, dies schrieben die Analysten der LBBW am Mittwoch in einer ersten Einschätzung. „In Normalzeiten passieren rund 135 Schiffe täglich die Meerenge. Die Wiederaufnahme des Verkehrs wird selbst bei zügiger Umsetzung nur schrittweise erfolgen“, schrieben sie weiter. Aus ihrer Sicht bliebe damit das Risiko für Lieferkettenstörungen und zwischenzeitliche Engpässe an den Energie- und Gütermärkten bestehen.
Vorerst Optimismus an den Börsen
„Wichtig für die Märkte war die Ankündigung, dass die Straße von Hormus unter bestimmten Einschränkungen wieder geöffnet wird. Allerdings bedeutet die Feuerpause noch kein Ende des Krieges“, schrieb auch Chefmarktanalyst Christian Henke von IG Markets. Am Freitag starteten in Islamabad die ersten Verhandlungen zwischen den USA und Iran. „Und die Chancen auf einen Frieden stehen gar nicht mal so schlecht, denn beide Konfliktparteien sind an einer Einigung interessiert“, schrieb er weiter. Beide Seiten hätten ein wirtschaftliches Interesse an einer Einigung.
„Wenn man berücksichtigt, dass die zweiwöchige Feuerpause länger ist als das ursprünglich für den ersten Angriff angesetzte Zeitfenster von zehn Tagen, erscheint es plausibel, dass das Schlimmste des Konflikts nun hinter uns liegen könnte“, sagte Matt Simpson, Chefanalyst beim Finanzdienstleister Stone X. „Die Anleger können sich später mit den komplexeren Fragen befassen. Vorerst haben sie grünes Licht für eine Rally.“
Im Dax legte der Energietechnikkonzern Siemens Energy um mehr als 10 Prozent zum Vortag zu und führte damit den Leitindex an, gefolgt vom Halbleiterhersteller Infineon, der um rund 9,5 Prozent stärker tendierte. Auch Siemens, Heidelberg Materials und die Commerzbank legten jeweils um rund neun Prozent zu. Zu den Verlierern zählten unter anderem die Deutsche Börse, der Chemiehändler Brenntag, sowie die Versorger Eon und RWE.
Im Mittelwerte-Index M-Dax zählten der Reiseveranstalter Tui und die Lufthansa mit einem Plus von jeweils rund elf Prozent zu den größten Gewinnern. Angeführt wurde der Index vom Stahlkonzern Salzgitter, der sogar mehr als 19 Prozent in die Höhe schoss.
Asien legt vor
An den Aktienmärkten in Asien hatte die Meldung zur Waffenruhe ebenfalls für heftige Kurssprünge gesorgt. Japans Leitindex Nikkei 225 schloss 5,5 Prozent stärker auf 56.384 Punkten und damit auf dem Niveau von Anfang März. An der Börse in Seoul sprang das südkoreanische Börsenbarometer Kospi zwischenzeitlich um mehr als sieben Prozent nach oben.
Die großen Volkswirtschaften in Asien sind in besonderem Maße von der Blockade der Straße von Hormus betroffen, weil sie ihre Energie zu einem großen Teil durch diese Meerenge aus dem Nahen Osten beziehen. Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, erhält fast 90 Prozent seiner Ölimporte aus dieser Region und hat, wie viele andere Industrienationen, bereits damit begonnen, seine Notreserven zu öffnen. In Südkorea haben mehrere Konzerne wie die Hyundai Motor Group und Korean Air Notfall- und Energiesparprogramme eingeleitet, um Engpässen in der Energieversorgung vorzubeugen.
Dort legten die Aktienkurse durch die Bank kräftig zu. Die Schwergewichte Samsung Electronics und Hyundai verteuerten sich zwischenzeitlich um jeweils mehr als sieben Prozent. Der Kurs der Korea Electric Power Company sprang zwischenzeitlich sogar um elf Prozent nach oben. Die beiden größten Konzerne aus Taiwan, wo wegen der Energiekrise schon Stromengpässe drohten, konnten ebenfalls stark zulegen: Die Kurse von TSMC und Foxconn stiegen zeitweise um jeweils fünf Prozent.
Aktien, Gold und australischer Dollar im Aufwärtskurs
In Australien titelte die „Financial Review“ mit „Kaufen, kaufen, kaufen“. Nach Verkündung der Waffenruhe waren die Investoren zurück an den Finanzmärkten und schickten Aktien, Gold und den australischen Dollar auf Aufwärtskurs. Der S&P ASX 200 schloss mit 8951,80 Punkten 2,56 Prozent höher. Trump habe mal wieder einen „ultimativen TACO“ hingelegt, eine der 180-Grad-Kehrtwenden, für die der amerikanische Präsident berüchtigt ist: „Und die Märkte fressen ihn.“ Die Börsianer hätten den „Bluff“ Trumps erkannt, schreibt die „Financial Review“. Der Präsident belle mehr, als dass er beiße. Wenn Trump das nächste Mal auf Truth Social zu fluchen anfange, würden die Händler wissen: „Er ist auf dem Rückzug, und das Schlimmste ist vorbei.“ Ein Verhandler müsse irgendwann auch einmal liefern. Und genau das sei bei Trump nicht ausgemacht.
Ein Regierungssprecher in Tokio nannte die Einigung zwischen Trump und Iran am Mittwoch eine „gute Bewegung“ und sagte, Japan rechne mit einer baldigen dauerhaften Lösung des Konflikts. Die Regierung um Ministerpräsidentin Sanae Takaichi war eine der wenigen, die im Laufe des Kriegs direkt mit der iranischen Führung gesprochen hatte, um eine Öffnung der Meerenge auf diplomatischem Wege zu erreichen. Noch am Dienstag hatte Takaichi im Parlament bekräftigt, dass sie zwischen Trump und dem iranischen Präsidenten vermitteln wolle.
Die chinesischen Aktienmärkte hatten durch die Irankrise weniger stark eingebüßt als andere asiatische Märkte. Darum verbuchten sie am Mittwochmorgen zunächst auch ein geringeres Plus. Der CSI-300-Index, der die wichtigsten Aktien auf dem chinesischen Festland abbildet, zog um 3,4 Prozent an. Der Hang Seng der Sonderverwaltungsregion Hongkong lag mit 3,2 Prozent im Plus.
Weniger Schwankungen in China
Die Reaktionen fielen weitgehend spiegelbildlich zu den vorherigen Rückgängen durch die Eskalation aus. Zu den größten Profiteuren zählten die staatlichen chinesischen Fluglinien, die zuvor stark eingebüßt hatten. Die Aktien von Air China, China Eastern und China Southern lagen zeitweise um sechs bis zehn Prozent im Plus. Chinesische Ölkonzerne wie Petrochina und China National Offshore Oil Corporation büßten dagegen zwischenzeitlich zwei bis drei Prozent ein. Für die Fluglinien treibt ein hoher Ölpreis die Treibstoffkosten, die sie aufgrund von Überkapazitäten und Konkurrenz durch die chinesische Bahn schlecht an Kunden weitergeben konnten. Die chinesischen Ölkonzerne profitierten dagegen von höheren Preisen für ihre Produkte.
China war in dem Konflikt als Vermittler aufgetreten und soll kurz vor Auslaufen der von Trump gesetzten Frist in letzter Minute interveniert haben. Daraufhin habe Iran dem pakistanischen Vorschlag für einen Waffenstillstand zugestimmt, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf drei iranische Regierungsvertreter.
In Südostasien reagierten die Börsen unterschiedlich auf die Nachrichten. Der Singapurer Aktienindex STI lag zwar zwischenzeitlich leicht im Plus, doch von Euphorie über den Waffenstillstand war im Finanzzentrum wenig zu spüren. Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan hatte die Märkte am Vortag gewarnt, sie hätten „das Worst-Case-Szenario noch nicht eingepreist“, sprich seien zu naiv angesichts der realen Bedrohung durch die Kriegslust Trumps.
In Indonesien ist die Stimmung schon positiver, wo der Jakarta Composite Index am Vormittag zwischenzeitlich zeitweise um 2,5 Prozent stieg. In Thailand, das Anfang der Woche damit Schlagzeilen gemacht hatte, dass die Polizei für die Fahrt zum Tatort vorab Benzingeld verlangt, stieg der SET-Index leicht um 0,7 Prozent.
Deutliche Freude über die Waffenruhe herrscht hingegen an Indiens Märkten. Der Mumbaier Aktienindex Sensex stieg in den ersten Handelsstunden um fast vier Prozent. Da konnte auch die Stimmung nicht trüben, dass die Zentralbank gerade ihre Wachstumsprognose für Indiens Wirtschaft gesenkt hatte – und vor höherer Inflation gewarnt.