Waffenhersteller: Heckler & Koch nimmt neue Märkte ins Visier

Deutschlands größter Hersteller von Handfeuerwaffen, Heckler & Koch, streckt die Fühler nach Rumänien und Südkorea aus, um bei erwarteten Ausschreibungen für ein neues Sturmgewehr der Streitkräfte der beiden Länder mitmischen zu können. In Südkorea wurde kürzlich mit dem dortigen Handwaffenhersteller SNT Motiv eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit unterzeichnet. Vorstandschef Jens Bodo Koch sagte nun bei einer Videokonferenz anlässlich der Bilanzvorlage, man hoffe, das beste Angebot machen zu können, um den Auftrag zu gewinnen. In Rumänien gründete das deutsche Unternehmen schon vor längerer Zeit eine Tochtergesellschaft. „Hier geht es dann um lokale Produktion, wenn die Ausschreibung kommt.“

Koch machte deutlich, dass das Unternehmen an der Grüne-Länder-Strategie festhalte, der zufolge nur demokratische und nicht korrupte EU- und NATO-Staaten beliefert werden sollen. Bei entsprechenden Anfragen werde man immer mit der deutschen Politik sprechen, welche Länder in die Strategie passten. In Großbritannien investierte Heckler & Koch mit Sitz im schwäbischen Oberndorf im vergangenen Jahr etwa 20 Millionen Euro und kaufte dort unter anderem seinen bisherigen Ersatzteilproduzenten. Unterdessen startete der Mittelständler gleichfalls mit der Herstellung von besonders präziser Spezialmunition für Polizeieinsatzkräfte. Es handele sich aber um geringe Stückzahlen, so der Vorstandschef. Nach Unternehmensangaben soll nach erfolgreichen Erprobungen von 2027 der Verkauf eines Granatmaschinenwerfers zur Drohnenabwehr starten.

Krisen sorgen für exzellente Kennzahlen

Koch sagte, das Unternehmen habe klar die Strategie auf die Infanterie, also Soldaten, die zu Fuß kämpfen, und die Polizei ausgerichtet. Der Waffenproduzent machte 2025 vor dem Hintergrund der russischen Bedrohung deutlich mehr Geschäft. Die Erlöse kletterten im vergangenen Jahr um 14,4 Prozent auf 393 Millionen Euro. Der Gewinn unter dem Strich erhöhte sich um ein Viertel auf 39,5 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte um 7,6 Prozent auf 67,9 Millionen Euro zu. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Lag der Auftragseingang 2024 noch bei 426,2 Millionen Euro, so war dieser Wert ein Jahr später mit 802 Millionen Euro fast doppelt so hoch. Ein Firmenhöchstwert. „Die globale Sicherheitslage bleibt angespannt“, wurde Koch in einer Mitteilung zitiert.

Das Management hatte in der Vergangenheit viel Geld in die Automatisierung und den Ausbau der Kapazitäten am Stammsitz im Nordschwarzwald gesteckt. Es rechnet künftig mit einer erhöhten Produktivität. „Der Ausbau unserer Kapazitäten und die Weiterentwicklung unserer Produktionsprozesse sichern unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig.“ Die Firma mit einer Eigenkapitalquote von etwas mehr als 32 Prozent arbeite stabil und profitabel. Heckler & Koch hat im Zeitraum 2019 bis 2024 rund 100 Millionen Euro investiert, von 2025 bis 2028 sollen 235 Millionen Euro investiert werden.

Große Bedeutung der USA und der Bundeswehr

Das Unternehmen zählte Ende vergangenen Jahres 1340 Mitarbeiter. Das waren 84 mehr als 2024. Der Personalaufbau soll weitergehen, 2028 sollen es etwa 1600 Beschäftigte sein, wie Finanzvorstand Andreas Schnautz mitteilte. Derzeit arbeiten etwa 85 Prozent des Personals in Deutschland und damit vor allem am Stammsitz in Oberndorf. In den USA sind die Schwaben gleichfalls vertreten und betreiben dort ein Montagewerk. Der Markt ist von besonderer Bedeutung, weil dort Privatleute H-&-K-Waffen kaufen dürfen. Der Umsatzanteil der USA liegt den Angaben zufolge bei etwa einem Viertel der Gesamterlöse. In Europa hingegen ist der Anteil der zivilen Verkäufe sehr gering. Zu den Konkurrenten gehören Beretta aus Italien und der zur tschechischen CZ-Gruppe gehörende US-Waffenhersteller Colt sowie Haenel aus Thüringen.

Hauptkunde des Waffenherstellers in Deutschland ist die Bundeswehr. Sie erhält aktuell schrittweise 80.000 neue Sturmgewehre. Es könnten deutlich mehr werden: Ein Rahmenvertrag ermöglicht Bestellungen von bis zu 250.000 Exemplaren. Mit den neuen Waffen wird das in die Jahre gekommene G36 als Bundeswehr-Standardgewehr abgelöst, das ebenfalls von Heckler & Koch hergestellt worden war.

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