Während Israel um Soldaten und Terroropfer trauert, droht Netanjahu Iran

Stand: 21.04.2026 • 17:01 Uhr

Seit Montagabend trauert Israel um gefallene Soldaten und Terror-Opfer – der Memorial Day verlief trotz angespannter Lage weitgehend ruhig. Premier und Verteidigungsminister drohten unterdessen erneut Iran.

Bei den Trauerreden am nationalen Gedenktag stehen in Israel normalerweise die Angehörigen der gefallenen Soldaten und Opfer von Terroranschlägen im Fokus. Es geht um Erinnerung und Ruhe. Doch in Kriegszeiten wie jetzt nutzen Israels rechte Regierungspolitiker die Reden auch für Drohungen.

Israels Premier Benjamin Netanjahu zog auf der offiziellen Gedenkfeier auf dem Herzlberg in Jerusalem gar einen Vergleich zum Holocaust. Er verglich die unterirdischen Atomanlagen im Iran mit Konzentrationslagern: „Das Ayatollah-Regime in Iran hatte eine weitere Shoa geplant. Es plante, uns mit Atombomben und tausenden ballistischen Raketen zu zerstören. Hätten wir nicht gegen diese existentielle Bedrohung gehandelt, dann hätten sich vielleicht Natanz, Fordow und Isfahan zu den Namen der Todeslager des Holocaust, Auschwitz, Majdanek und Treblinka, hinzugefügt“, so Netanjahu.

Drohungen und Kriegsrhetorik

Der Premier sorgte damit ebenso für Aufregung wie mit der Erklärung, seine Regierung habe alle Geiseln aus Gaza zurückgebracht. Ein Teilnehmer rief dazwischen, dass einige Geiseln in den Tunneln der Hamas gestorben sind. Verteidigungsminister Israel Katz drohte vor allem der Terrororganisation Hisbollah im Libanon. Er und Netanjahu hätten das Militär während der Waffenruhe angewiesen, im Südlibanon aus der Luft und am Boden anzugreifen, um die Soldaten dort zu schützen, so Katz.

Hisbollah-Chef Naim Qassem droht Katz direkt: „Er wird mit dem Verlust von Häusern und Territorium bezahlen, so wie die Hamas in Gaza. Bis er seinen Kopf verlieren wird, so wie seine Vorgänger und die ganzen Köpfe der Achse des Bösen, die zusammen am Boden der Hölle schmoren. Wer seine Hand gegen Israel erhebt, dem wird sie abgeschlagen.“

Offizielle Veranstaltungen werden von vielen Israelis gemieden

Katz ist für seine martialische Kriegsrhetorik bekannt. Viele Menschen im Land meiden die staatlichen Gedenkzeremonien am Trauertag und am darauffolgenden Unabhängigkeitstag, besuchen alternative Veranstaltungen oder gedenken im Familienkreis. Andere wie Chaya Hexter aus Jerusalem, die ihren Sohn Yakir vor zwei Jahren verlor, möchten über ihren Sohn, der Soldat in Gaza war, öffentlich reden. Und warum er gestorben ist.

Der ARD sagte sie: „Er war zweimal als Reservist in Gaza, meldete sich freiwillig, er hätte dort nicht kämpfen müssen. Beim zweiten Einsatz in Chan Yunis wurde er im Kampf mit der Hamas getötet am 8. Januar 2024. Er ist losgezogen, um die Hamas-Tyrannen zu bekämpfen. Sie sind der verlängerte Arm Irans. Israel kämpft gegen das Böse in der Welt. Wir schützen die westlichen Werte. Dafür ist Yakir in den Krieg gezogen.“

Menschen in Israel gedenken gefallener Soldaten am Jom haZikaron.

Dialog unter Eltern, die ihre Kinder verloren haben

Ayala Metzger ist die Schweigertochter des von der Hamas in Geiselhaft getöteten 80-jährigen Yoram Metzger, der am 7. Oktober von der Hamas nach Gaza entführt, dort fünf Monate überlebte und dann getötet wurde. Statt Krieg setzt sie auf Dialog, schloss sich dem Parents Circle an, einer Elternbewegung an, der Israelis und Palästinenser angehören. Sie alle haben einen Angehörigen durch Gewalt oder Terror verloren.

Auf einer alternativen Gedenkzeremonie in Tel Aviv sagte Metzger: „Damit sein Tod nicht umsonst war, werde ich dafür kämpfen, hier eine Realität zu schaffen, die ein sicheres Leben für alle ermöglicht. Das Bild, das hilft mir, weiterzumachen ist: Eine Welt, in der beide Völker die Existenz des anderen anerkennen. Die tolerant, im Dialog – und gleichberechtigte Partner sind. Statt einen ewigen Krieg zu kämpfen, widmen sie sich dem Wiederaufbau statt der Zerstörung.“

Dem Trauertag folgt nun direkt der Unabhängigkeitstag, der an die Staatsgründung Israels im Jahr 1948 erinnert.

Source: tagesschau.de