„Tatort: Innere Angelegenheiten“: Mauschelei c/o jener Bereitschaftspolizei


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Der Schwarzwald-„Tatort: Innere Angelegenheiten“ mit Tobler und Berg handelt von Loyalität, Ressentiments und Moral innerhalb der Polizei.

Im neuen „Tatort: Innere Angelegenheiten“ (19. April, 20:15 Uhr im Ersten) spielt sich das ganze Drama in nur einer einzigen Nacht ab. In einem Freiburger Nachtclub wurde das Mitglied einer Rockergruppe erschlagen, offenbar von einem Intensivtäter mit Migrationshintergrund. Das hetzt die rivalisierenden Gruppen weiter gegeneinander auf. Aber dann ist da ja auch noch eine dritte Gruppe: die Bereitschaftspolizisten, die als erstes am Tatort waren – und es jetzt offenbar gar nicht eilig haben, auf ihre Dienststelle zurückzukommen. Können Franziska Tobler (Eva Löbau, 53) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner, 57) wortwörtlich Licht ins Dunkel bringen?

Darum geht es im „Tatort: Innere Angelegenheiten“

Im Nebenraum eines Freiburger Clubs ist ein Mann zu Tode gekommen. Der mutmaßliche Täter ist auch schon verhaftet worden: Ramin Taremi (Omid Memar), der erst vor einem Jahr aus dem Knast entlassen wurde und eine jahrelange Fehde mit dem Opfer hatte.

Friedemann Berg und Franziska Tobler teilen sich auf, um die Lage zu durchblicken. Während Berg den Verdächtigen auf dem Präsidium verhört, versucht Tobler mit Kollegin Laura (Nairi Hadodo) die Situation im Club unter Kontrolle zu halten. Denn die Rockergang des Opfers will sich mit Taremis Clan aus der migrantischen Community anlegen. Beide Ermittler stoßen auf Verschwiegenheit und müssen feststellen, dass die Lage nicht so klar ist, wie sie scheint.

Währenddessen befinden sich die sechs Bereitschaftspolizisten, die den Toten gefunden haben, auf dem Rückweg zu ihrer Dienststelle. Doch irgendetwas scheinen sie verschleiern zu wollen. Was ist wirklich im Club geschehen – und was kommt davon ins Einsatzprotokoll? Unter einer Brücke eskaliert die Situation zwischen den Gesetzeshütern und Gewissenskonflikte treffen auf skrupellosen Egoismus.

Lohnt sich das Einschalten?

Absolut. Der neue Schwarzwald-„Tatort“ ist so vermeintlich simpel wie spannend: Die Handlung beschränkt sich auf nur eine einzige Nacht und drei Handlungsorte. Parallel verfolgt man Berg beim Verhör, Tobler vor Ort im Club zwischen den Fronten und die sechsköpfige Polizeieinheit bei ihrem Konflikt unter einer Brücke irgendwo in Freiburg im Breisgau. Diese Struktur tut der Spannung keinen Abbruch, denn obwohl der Zuschauer einen Wissensvorsprung gegenüber den Ermittlern hat, bleibt genau das Richtige noch im Dunkeln.

Apropos Dunkelheit: Wer sich sonst über die graue Grundoptik beim „Tatort“ beschwert, hat hier wieder viel zu meckern. Denn Licht bekommt man in diesem Film nicht zu sehen. Die Dunkelheit aller drei Handlungsorte gibt die düstere Situation aber hervorragend wieder und lädt zu Metaphern über eine Wahrheit ein, die nur nach und nach ans Licht kommt. Entstanden sind die Aufnahmen auch tatsächlich überwiegend in 24 Drehnächten.

Aber „Innere Angelegenheiten“ bietet noch viel mehr: Es ist ein clever zugespitztes Drama über das Selbstverständnis von Polizisten, Rassismus innerhalb der Institution sowie eine Loyalität zueinander, die alles andere zu überstrahlen scheint. Der toxische Zusammenhalt der Polizei wurde schon oft zum Gegenstand von Krimis und öffentlicher Kritik gleichermaßen: Polizisten als vermeintlich geschlossene Einheit, die Angelegenheiten lieber intern klärt, in der es aber auch Mobbing und Druck gibt. Die sechs Polizisten-Darsteller Andreas Anke, Mouataz Alshaltouh, Anna Bardavelidze, Ben Felipe, Lasse Lehmann und Caroline Hellwig als Gesetzeshüter aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, mit verschiedenen moralischen Vorstellungen und Karrierezielen, schaffen es, diese Dynamik in einem konzentrierten Kammerspiel auf den Punkt zu bringen. Und zeigen, wie viel Mut es erfordert, in einer Gruppe für sich einzustehen.

Dazu sind Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner als Tobler und Berg stark wie immer. Nachdem beide sich wegen der Tode geliebter Menschen zuletzt in Ausnahmesituationen befanden und es in ihrer Zusammenarbeit kriselte, scheinen die Kommissare sich endlich wieder anzunähern. Allerdings sieht man sie wegen der getrennten Handlungsorte in ihrem 17. Film leider nicht direkt zusammen. Das ändert sich hoffentlich im bereits abgedrehten nächsten Fall „Shareting“, der voraussichtlich 2027 gesendet wird.

SpotOnNews

Source: stern.de