Teheran kündigt an, den Seeweg für Schiffe wieder zu öffnen. Das ist ein erster Schritt Richtung Stabilisierung. Doch die USA setzen ihre Blockade fort, weil sie eine Einigung über das Atomprogramm erzwingen wollen. Trumps Wortwahl gegenüber Israel ist ungewöhnlich.
Der Iran hat am Freitag bekannt gegeben, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. „Im Einklang mit der Waffenruhe im Libanon wird die Passage für alle Handelsschiffe durch die Straße von Hormus für die verbleibende Dauer der Waffenruhe vollständig freigegeben“, erklärte Außenminister Abbas Araghchi auf der Plattform X. Schiffe könnten sich auf der „koordinierten Route bewegen, wie bereits von den iranischen Behörden angekündigt“.
Die Waffenruhe zwischen Israel und Libanon trat in der Nacht zum Freitag in Kraft und soll zunächst zehn Tage gelten. US-Präsident Donald Trump reagierte umgehend auf die Bekanntgabe des Iran. „Die Straße von Hormus ist komplett offen und wartet auf Business“, verkündete Trump auf seiner Plattform Truth Social. Aber weiter sind viele Fragen offen.
Hat Trump jetzt sein Ziel erreicht?
Der US-Präsident begrüßte Teherans Schritt überschwänglich, erklärte aber im selben Atemzug, dass die Seeblockade durch die US-Marine bestehen bliebe. „Die Seeblockade bleibt in vollem Umfang in Kraft und wirksam, soweit sie sich ausschließlich auf Iran bezieht, und zwar so lange, bis unsere Transaktion mit Iran zu 100 % abgeschlossen ist. Dieser Prozess sollte sehr schnell verlaufen, da die meisten Punkte bereits ausgehandelt sind.“
Am vergangenen Wochenende waren von Vizepräsident J.D. Vance geführte Verhandlungen mit dem Iran gescheitert. Nach 21 Stunden Gesprächen reiste die US-Delegation mit leeren Händen aus Pakistan ab. Als Reaktion darauf hatte Trump vergangenen Montag die US-Blockade in Kraft gesetzt. US-Kriegsminister Pete Hegseth drohte dem Iran am Donnerstag erneut, dass die Kampfangriffe jeden Moment wieder beginnen könnten, sollten die Mullahs keinem Friedensabkommen zustimmen.
So hält Washington die Drohkulisse aufrecht. Zwar mag der Iran jetzt angesichts der schweren wirtschaftlichen Schäden mit der Öffnung der Meerenge auf Washington zugehen, und das mit der zwischen Israel und Libanons Regierung ausgehandelten Waffenruhe begründen. Und Trump hatte bereits erklärt, die „Verhandlungen laufen wie geschmiert“, eine Verlängerung der am Dienstag auslaufenden US-Waffenruhe sei vielleicht gar nicht nötig. Der Republikaner erwog sogar, selbst nach Pakistan zu abschließenden Gesprächen zu reisen – so nah wähnt er sich an einem Durchbruch.
Allerdings sind die Kernpunkte für eine Einigung weiter offen. Berichten zufolge vor allem beim Thema Urananreicherung. US-Medienberichten zufolge fordern die USA eine 20-jährige Pause der iranischen Urananreicherung, während Teheran vorschlägt, seine nuklearen Aktivitäten für fünf Jahre auszusetzen.
Der iranische Außenministeriumssprecher betonte, Teheran beharre darauf, „dass der Iran die Anreicherung entsprechend seinem Bedarf fortsetzen können sollte“. „Das Ausmaß und die Art der Anreicherung“ seien aber „verhandelbar“.
Wie ist die Reaktion in den USA, Israel und Europa?
Iran-Falken wie Lindsey Graham reagierten am Freitag auffallend kritisch. Der US-Senator, der Einfluss auf Trumps Entscheidung für den Krieg gehabt haben soll, sieht Trump jetzt offenbar zu viele Kompromisse Richtung Teheran machen. „Jegliche Sanktionslockerung muss dadurch verdient werden, dass Iran die vernünftigen Forderungen von Präsident Trump vollständig und ohne Einschränkungen akzeptiert“, schrieb Graham auf X.
Zuvor hatte das Portal Axios gemeldet, dass die USA erwägen, 20 Milliarden US-Dollar an eingefrorenen iranischen Geldern freizugeben, im Austausch für die Bestände des Landes an angereichertem Uran. Unterhändler beider Seiten würden sich voraussichtlich an diesem Wochenende zu einer weiteren Gesprächsrunde treffen. Trump postete am Freitagnachmittag aber, „kein Geld“ werde „den Besitzer wechseln“.
Bei einer Konferenz in Paris forderte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), die Hormus-Öffnung müsse „zuverlässig“ und „dauerhaft“ sein. Die iranische Ankündigung bezeichnete Merz als „gute Nachricht“. „Aber dies muss in vollkommener Übereinstimmung mit dem internationalen Seerecht so ausgestaltet werden, dass es keinerlei Einschränkungen gibt“, fügte der Bundeskanzler hinzu.
Unter Führung von Briten und Franzosen soll nach Ende des Krieges eine multinationale Mission zur Sicherung der Straße von Hormus eingesetzt werden. Deutschland hat sich dazu bereit gezeigt, diese durch Minenräumung und die Seeaufklärung zu unterstützen.
Israels Premier Benjamin Netanjahu erklärte, dass er der Waffenruhe mit dem Libanon „auf Anfrage von Präsident Trump“ zugestimmt habe. Für Netanjahu ist dies eine Niederlage, wie in einem verklausulierten Statement des israelischen Regierungschefs deutlich wird. Israel habe durch seine jüngsten Angriffe auf den Libanon eine „tiefe Sicherheitspufferzone“ an seiner Nordgrenze geschaffen, die die unmittelbare Bedrohung wie etwa einen Einmarsch der Hisbollah verhindere. Aber die Ausschaltung der Hisbollah sei weiter sein Ziel. „In einer Hand halten wir eine Waffe, die andere Hand ist für Frieden ausgestreckt.“
Trump wandte sich in einem weiteren Post mit ungewöhnlich deutlichen Worten an Netanjahu. Er habe Israel „verboten“, weiter den Libanon zu bombardieren. „Genug ist genug!“, schrieb der US-Präsident.
Wie reagieren die Märkte?
Binnen zehn Minuten nach Irans Bekanntgabe, die Meerenge zu öffnen, sank der Ölpreis auf dem Weltmarkt bereits um zehn Prozent und sank auf unter 90 US-Dollar. Die Ankündigung hat die Sorge vor Lieferengpässen gemindert. Derweil gingen die Aktienkurse nach oben, der Dollar verlor gegenüber dem Euro.
Experten warnen aber davor, dass es Wochen dauern könnte, bis sich der Welthandel vom Hormus-Schock erholt und zur alten Normalität zurückgekehrt ist. Und das auch nur, wenn die USA und der Iran sich tatsächlich auf ein Abkommen einigen können, die US-Marine ihre Seeblockade aufgibt und sich die Lage in der Region nachhaltig stabilisiert.
Stefanie Bolzen berichtet für WELT seit 2023 als US-Korrespondentin aus Washington, D.C. Zuvor war sie Korrespondentin in London und Brüssel.
Source: welt.de