Singapur kündigt härtere Strafen unter Mobbing an Schulen an

Stand: 22.04.2026 • 10:27 Uhr

Mobbing unter Schülern ist ein zunehmendes Problem, auch in Singapur. Der Stadtstaat zieht Konsequenzen: Wer andere mobbt, kann dort künftig sogar mit Stockschlägen bestraft werden. Das Konzept setzt aber vor allem auf Prävention.

Eine Gruppe Jungs tritt und schubst einen Mitschüler in einer Mülltonne herum – bis diese umfällt. Ein Video von diesem Vorfall wurde in den Sozialen Medien geteilt. Darunter stehen viele erzürnte Kommentare die fordern, dass die Schüler hoffentlich angemessen bestraft werden.

Ab dem kommenden Jahr drohen ihnen in Singapur über alle öffentlichen Schulen hinweg härtere Strafen: Bei wiederholtem Mobbing bis zu 14 Tage Nachsitzen, der Verweis von der Schule und sogar bis zu drei Schläge mit dem Stock.

Mobbing an Singapurs Schulen nimmt zu

Ziel sei, die Regeln und Strafen an Singapurs Schulen zu vereinheitlichen, erklärt Singapurs Bildungsminister Desmond Lee. Das Bildungsministerium werde eng mit den Schulen zusammenarbeiten und klare Protokolle und Regeln bereitstellen, einschließlich strengerer Maßnahmen bei der Bekämpfung von Mobbing, sagt er.

Anlass ist eine einjährige Untersuchung des Bildungsministeriums. Laut dieser sind die Mobbing-Fälle an Schulen über die vergangenen fünf Jahre häufiger geworden. In den lokalen Medien gibt es immer wieder Berichte über Mobbing-Fälle. Von rassistischen Kommentaren, über Morddrohungen bis hin zu Körperverletzung. Einige Mobbing-Fälle führten dazu, dass sich Schüler das Leben nahmen.

Härtere Strafen sollen abschrecken

Schläge mit dem Stock drohen Jungen ab der 5. Klasse, Mädchen sind ausgenommen. Das empfinden einige in dem Stadtstaat als ungerecht. Psychologen äußern zudem die Sorge, dass körperliche Bestrafung nicht helfe, sondern nur zu mehr Aggression führe, statt zum Nachdenken über das eigene Verhalten.

Tan Chen Kee berät im Auftrag des Bildungsministeriums Singapurer Schulen bei der Umsetzung der neuen Regeln. Sie erzählt in einer Online-Diskussion: „Wir sollten keine Etiketten wie ‚das ist der Mobber‘ oder ‚das ist das Opfer‘ vergeben. Stattdessen sollten wir den Kindern helfen, die jeweils andere Perspektive einzunehmen.“

„Die Werte schon zu Hause vermitteln“

Das Bildungsministerium betont, man wolle nicht nur härtere Strafen einführen, sondern auch Prävention und Aufklärung fördern. Schüler sollen zum Beispiel in Rollenspielen lernen, wie sie bei Mobbing von Mitschülern eingreifen, statt zuzuschauen. Lehrer sollen weitergebildet und Fälle online leichter gemeldet werden können. Für all das stellt das Ministerium den Schulen Geld zur Verfügung, um beispielsweise zusätzliches Personal einzustellen.

Auch Eltern sollen in Zukunft bei Mobbing-Fällen noch enger eingebunden werden. Mutter Adeline Yong begrüßt das im Gespräch mit dem Nachrichtensender Channel News Asia: „Ich denke, es ist gut, die Ursache herauszufinden und mit der Schule zu sprechen, denn wir sind ja nicht vor Ort in der Schule.“ Aus ihrer Sicht entscheidend sei Vertrauen. „Wenn man Vertrauen zur Schule hat, spricht man mit den Lehrern, arbeitet mit ihnen zusammen und findet heraus, was passiert ist. Erst wenn man die Ursache kennt, kann man eine Lösung finden.“

Ein Vater ergänzt: „Wir müssen die Werte schon zu Hause vermitteln. Anstatt nur neben dem Kind zu sitzen und zu fragen: ‚Hast du deine Hausaufgaben gemacht?‘ könnte man fragen ‚wie war dein Tag? Wie hast du dich gefühlt? Wie war es mit deinen Freunden?'“ In solchen ehrlichen Gesprächen könnten wichtige Dinge zur Sprache kommen, denkt der Vater. „Zum Beispiel, dass ein Freund heute etwas gesagt hat, das vielleicht schon in Richtung Mobbing ging.“

Kinder sollen aus ihrem Verhalten lernen

Damit Eltern und betroffene Schüler sich sicher fühlen, sollen die Schulen mit ihnen das weitere Vorgehen besprechen: angefangen von einem Sitzplatzwechsel in Klassenzimmer, weg von den mobbenden Klassenkameraden, über einen Buddy an der Seite in der Schule oder jemanden, der das Kind nach Hause begleitet.

Die Parlamentsabgeordnete Elysa Chen, zuständig für Bildungsfragen, gibt jedoch auch zu bedenken: „Wir sprechen hier nicht von abgebrühten kriminellen Mafia-Bossen. Es handelt sich um zehn- oder elfjährige Kinder, die noch lernen und ihren Weg im Leben suchen. Deshalb halte ich die rehabilitativen Elemente unseres Ansatzes für deutlich hilfreicher für sie.“

Also, dass Kinder aus ihrem Verhalten lernen, sich wieder annähern, ihre sozialen Fähigkeiten weiterentwickeln. Stockschläge sollen nur eingesetzt werden, wenn andere Maßnahmen nicht helfen.

Source: tagesschau.de