Um den Jugendschutz im Internet zu verbessern, hat die EU eine App zur Altersverifizierung entwickelt. Sie soll anonym, nicht nachverfolgbar und auf allen Geräten nutzbar sein – und schon bald in allen 27 Mitgliedsstaaten verfügbar.
Die EU-Kommission will Kinder im Internet künftig besser schützen und setzt dabei auf eine europaweite App für die Altersverifikation. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte in Brüssel an, die App sei technisch fertig und werde bald für Bürgerinnen und Bürger in den 27 EU-Ländern verfügbar sein.
Sorge um Sicherheit von Kindern im Netz
Hintergrund sind wachsende Sorgen um die Sicherheit von Kindern im Netz. Die Bildschirmzeit hat nach Angaben der EU-Kommission ein Rekordniveau erreicht. Kinder stünden zunehmend unter dem Einfluss suchtfördernder Plattform-Designs wie endlosem Scrollen oder stark personalisierten Inhalten. „Je mehr Zeit Kinder online verbringen, desto größer ist das Risiko, dass sie schädlichen oder illegalen Inhalten ausgesetzt sind“, erklärte von der Leyen.
Die App soll Pornoseiten oder Online-Netzwerke wie Tiktok, Instagram und Youtube für Kinder sperren können. Das Prinzip: Wer die App herunterlädt, muss sich ausweisen, zum Beispiel über einen Personalausweis, einen Reisepass oder eine Bankennummer. Die App speichert das Geburtsdatum. Wird dann eine Website mit einer Altersbeschränkung aufgerufen, gibt die App den Zugriff frei oder sperrt die Website, wenn der Nutzer zu jung ist. Die App soll an Online-Plattformen nur die Information weitergeben, ob ein Nutzer alt genug ist.
App ähnlich wie digitales Covid-Zertifikat
Die App sei vollständig anonym, nicht nachverfolgbar und auf allen Geräten nutzbar, sagte von der Leyen. Zudem sei der Quellcode offen zugänglich. Online-Plattformen hätten durch die App keine Ausrede mehr. Die App orientiert sich laut Kommission am Modell des digitalen Covid-Zertifikats, das während der Pandemie innerhalb weniger Monate entwickelt wurde und international breite Anwendung fand.
Einen konkreten Zeitpunkt, wann die App auf den Markt kommt, nannte die Kommission nicht.
In der Theorie gelten für die meisten Online-Netzwerke bereits Altersbeschränkungen. Tiktok, Instagram und Snapchat etwa sind laut Nutzungsbedingungen in der EU ab 13 Jahren erlaubt, Youtube und Tumblr ab 16 Jahren. Porno-Webseiten sind ab 18 Jahren erlaubt. Nutzerinnen und Nutzer müssen bei ihrer Anmeldung aber lediglich ein entsprechendes Geburtsdatum angeben, eine tatsächliche Kontrolle gibt es bislang nicht. Die Kommission hat mehreren Plattformen deshalb bereits mangelnden Jugendschutz und damit einen Verstoß gegen das EU-Gesetz für digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) vorgeworfen.
Expertenkommission entwirft Empfehlungen für Deutschland
In Deutschland arbeitet eine von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Expertenkommission an konkreten Handlungsempfehlungen zum „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“. Die Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen.
Source: tagesschau.de