Die schwarze und, nach Puristenmeinung, auch einzig wahre Soulmusik hatte mit Aretha Franklins „Respect“ 1967 einen ihrer wirkungsmächtigsten Schlachtrufe, der diesen von Otis Redding geschriebenen und auch zuerst gesungenen Titel nicht nur feministisch umdeutete, sondern recht eigentlich zu einer Aufforderung ethnischer Selbstermächtigung machte. Als solche wurde er sofort und auf breiter Ebene verstanden. Ein weißes Gegenstück dazu gab es im Jahr darauf: Dave Masons „Feelin’ Alright?“, zuerst erschienen auf der zweiten, titellosen Traffic-Platte.
Das Lied brauchte eine gewisse Inkubationszeit, bis es als solches auch gehört wurde. Masons eigene, mit biegsamer Intonation bestrittene Interpretation war zwar, wie fast alles, was er für Traffic schrieb, ein makelloses, verspieltes Popstück; aber erst in Joe Cockers machtvoller Version auf dessen Debüt „With A Little Help From My Friends“ (1969) entfaltete es seine Kraft und gilt seither tatsächlich als die weiße Soul-Hymne schlechthin, unzählige Male nachgesungen, selbst die absolute Rockprominenz betrachtete es als Ehrensache, sich mit dieser Nummer abzugeben.
Dann ging er auf Wanderschaft
Mason gab bei Traffic den Counterpart zum ganz an Ray Charles ausgerichteten Soul-Willen Steve Winwoods und diesem als Komponisten ebenbürtig. Schon bei dieser so einflussreichen Band ließ Mason einen Hang zum ruhelosen Einzelgängertum erkennen. Nach seinem Volltreffer mit „Feelin’ Alright?“ ging er auf Wanderschaft und machte sich bei anderen nützlich, produzierte das Family-Debüt „Music In A Dolls House“ (1968), spielte mit Delany & Bonnie, Derek and the Dominos, dem Cocker-Clan, auf George Harrisons Dreifachalbum „All Things Must Pass“ (1970) und mit ganz vielen anderen – alles Kollaborationen jedenfalls, die Masons Gespür für so etwas wie Meilensteine erkennen ließ.
Dieses lebte er auf seinen eigenen Veröffentlichungen nur bedingt aus. Dafür war wahrscheinlich seine Stimme nicht spektakulär genug, er selbst zu sehr am reinen Musikantentum interessiert. Gleichwohl sind seine Früh-Siebziger-Soloplatten durchweg Meisterwerke. Das vielsagend betitelte Debüt „Alone Together“ (1970) enthielt in Gestalt von „Only You Know And I Know“ sowie dem dann von Jimmy Cliff so ausdrucksstark interpretierten „Can’t Stop Worrying, Can’t Stop Loving You“ weitere Standards des soulorientierten Rock. Darauf machte er mit Cass Elliot von The Mamas & The Papas so überraschende wie fabelhafte gemeinsame Sache und bewies damit endgültig, dass er in der britischen wie in der amerikanischen Popmusik heimisch war und auch etwas galt.
Mason blieb unermüdlich, kam bei Columbia/CBS unter und war bei der Prominenz immer ein gern gesehener Gast(spieler). Nun ist David „Dave“ Mason, diese unauffällige Schlüsselfigur, kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag gestorben.
Source: faz.net