Erstmals seit 2022 ist die Zahl der erfassten Straftaten in Deutschland zurückgegangen – um fast sechs Prozent. Das zeigt die heute vorgestellte Polizeiliche Kriminalstatistik. Bei Sexualdelikten gab es dagegen einen Anstieg.
Im Jahr 2025 ist die Zahl der erfassten Straftaten in Deutschland leicht zurückgegangen – erstmals seit 2022. Rund 5,5 Millionen Verbrechen registrierte die Polizei laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS). Das ist ein Rückgang um 5,6 Prozent. Ein Grund sei die Cannabis-Teillegalisierung, sagte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung der PKS.
Auch die Zahl der Gewaltverbrechen ging demnach leicht auf 212.300 zurück. Ein Minus von 2,3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024. Einen Rückgang (-6,5 Prozent) gab es auch bei Diebstählen.
Mehr Vergewaltigungen
Mehr Straftaten (14.454, +8,5 Prozent) registrierte die Polizei dagegen bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff im besonders schweren Fall. Laut BKA sind die Tatverdächtigen bei Vergewaltigungen überwiegend Freunde oder Bekannte sowie (ehemalige) Partner und zu 98,6 Prozent männlich. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, sagte, der Anstieg sei vermutlich auch auf eine gestiegene Anzeigebereitschaft zurückzuführen.
Zudem zeigt die Statistik: Bei Erwerb, Besitz und Herstellung jugendpornographischer Inhalte gibt es deutlich mehr Fälle.
Auch bei Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen zeigt die PKS einen Anstieg um 6,5 Prozent.
Mehr erfasste Straftaten weist die PKS im Bereichen Wohnungseinbruchdiebstahl und bei Computer- und Leistungsbetrug aus.
Dobrindt will mehr Befugnisse für die Polizei
Dobrindt kündigte an, die Ermittlungsbefugnisse der Polizei deutlich ausbauen zu wollen. Vor allem die Analyse großer Datenmengen mithilfe Künstlicher Intelligenz soll ermöglicht werden.
Die PKS gibt einen Überblick über die Entwicklung von Straftaten, die der Polizei bekannt werden, sowie über Entwicklungen in ausgewählten Kriminalitätsbereichen. Nicht erfasst werden dagegen Verkehrsdelikte oder Finanz- und Steuerdelikte.
Die Auswertung der PKS im vergangenen Jahr hatte einen Anstieg der Gewaltdelikte gezeigt. Mit mehr als 217.000 Gewalttaten bundesweit wurde der höchste Stand seit 2007 erreicht.
Was die PKS nicht erfasst
Die PKS steht seit vielen Jahren in der Kritik, denn sie erfasst nur das sogenannte „Hellfeld“ der Kriminalität, also nur die angezeigten Taten. Kriminologen sagen: Taten aus dem Bereich sexuelle Belästigung oder sexuelle Gewalt gegen Kinder werden von den Opfern aus Scham oder aufgrund von Abhängigkeitsverhältnissen oft entweder gar nicht oder erst Jahre später zur Anzeige gebracht. Damit fehlen diese „Dunkelfeldtaten“ in der PKS.
Eine weitere Schwäche der PKS: Die Statistik zeigt lediglich die erfassten Straftaten, nicht die Verurteilungen. Dies kann irreführend sein, denn insgesamt werden nur ungefähr 30 Prozent aller Tatverdächtigen auch verurteilt.
Source: tagesschau.de