Neues Kontrollgremium: Nathalie Wapplers Rat

Die Schweizer Zeitung „Blick“ nannte sie die „erfolgreichste Frau“ des Schweizer Fernsehens, und die „Aargauer Zeitung“ attestierte ihr, „dass es immer um die Sache, nicht um ihre Person geht“. Nathalie Wappler, die scheidende Direktorin des Schweizer Fernsehens SRF, wurde zur Vorsitzenden des Medienrats und Jeanette Hofmann, Politikwissenschaftlerin und Professorin für Internetpolitik an der FU Berlin, zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Die gebürtige Schweizerin Wappler studierte an der Universität Konstanz Geschichte, Politik und Germanistik. Ihre Laufbahn startete die heute Achtundfünfzigjährige als Redakteurin bei 3sat, danach war sie beim WDR und beim ZDF tätig. Von 2005 an arbeitete sie beim Schweizer Fernsehen als Redakteurin, Redaktionsleiterin und Kulturchefin. Hier führte sie Fernseh-, Radio- und Onlineredaktionen zusammen, modernisierte das Radio SRF 2 Kultur und entwickelte Film- und Serienstrategien.

2016 holte die MDR-Intendantin Karola Wille sie als Programmdirektorin nach Halle, wo sie die Bereiche Kultur, Jugend, Bildung und Wissen, das TV-, Radio- und Onlineprogramm sowie die Klangkörper verantwortete. Nach gut zwei Jahren kehrte Wappler als Direktorin zum Schweizer Radio und Fernsehen zurück. Wie der „Spiegel“ andeutete, erfolgte der Abschied auch, weil sie kaum Spielraum für nachhaltige Reformen beim MDR sah.

Differenzen mit der Generaldirektorin der SRG

Wappler war neben ihrer Tätigkeit als Direktorin auch stellvertretende Generaldirektorin der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG). Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) ist das größte elektronische Medienhaus der Deutschschweiz mit 3000 Mitarbeitern. Die siebenjährige Amtszeit beim SRF war von zahlreichen Reform- und Sparanstrengungen geprägt. Mehrere Sendungen wurden gestrichen, bei einigen Formaten die Sendezeit gekürzt. Kurz vor ihrer Kündigung im September 2025 hatte sie noch den Abbau von 66 Stellen verkündet. Insgesamt muss die SRG bis 2029 rund 300 Millionen Euro einsparen und voraussichtlich 900 Vollzeitstellen streichen. Wie Schweizer Zeitungen berichten, soll Wapplers Ausscheiden auch auf grundlegenden Differenzen mit der Generaldirektorin der SRG, Susanne Wille, basieren.

Der Medienrat, der jetzt unter dem Vorsitz von Wappler seine Arbeit aufnimmt, ergänzt die Aufsichtsgremien innerhalb der deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Er soll sich auf eine Leistungsanalyse des Angebots konzentrieren. Als übergeordnetes Kontrollgremium soll der Medienrat die ARD, das ZDF und das Deutschlandradio in den Blick nehmen. Nach Vorgabe des Medienstaatsvertrags wird in einem Bericht die Auftragserfüllung analysiert und Impulse für dessen Weiterentwicklung formuliert. Der Medienrat hat keine regulatorische oder Aufsichtsfunktion, sondern versteht sich, nach eigenen Angaben, als bewertende und empfehlende Instanz. Es besteht für die öffentlich-rechtlichen Anstalten keine Pflicht, die Vorschläge umzusetzen.

Nach ihrer Wahl erklärte Wappler: „Unsere Ambition und unser Auftrag ist es, die Transformation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch unabhängige Expertise und strategische Impulse zu begleiten, Debatten anzustoßen und einen Beitrag zur Qualitätssicherung zu leisten.“

Das Gremium besteht aus sechs Sachverständigen aus den Bereichen Medienwirtschaft, Medienmanagement, Kommunikationswissenschaft, Informations- und Rundfunktechnologie und Medienrecht. Ihm gehören weiterhin Anne Bartsch, Professorin für Empirische Kommunikations- und Medienforschung an der Universität Leipzig, Alexander Kühnle, Professor für Medienwirtschaft und Finanzmanagement und Rektor der Hochschule der Medien Stuttgart, Peter Müller, ehemaliger Verfassungsrichter und Ministerpräsident a.D. des Saarlands, Annika Sehl, Inhaberin des Lehrstuhls für Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, an.

Source: faz.net