Neuer Chef: Ist die Apple-Aktie ausgereizt?

Im jüngsten Quartalsbericht konnte Apple einen Nettogewinn von 42 Milliarden Dollar nach Steuern ausweisen. Das sind 14 Milliarden Dollar Reingewinn im Monat oder fast 500 Millionen Dollar am Tag. Von jedem Dollar, den Apple einnimmt, bleiben 30 Prozent Reingewinn. Das ist eine herausragende Marge für ein Unternehmen in einem Massenmarkt, der durch rege Konkurrenz gekennzeichnet ist.

Solche Margen gelten als Verdienst von Tim Cook. Als er im Jahr 2011 die Geschicke des Konzerns übernehmen musste, als Gründer und Visionär Steve Jobs im Alter von 56 Jahren seinem Krebsleiden erlag, war das iPhone vier Jahre auf dem Markt und das iPad eineinhalb Jahre.

15 Jahre später sind es immer noch diese beiden Produkte, die Wohl und Wehe des Konzerns bestimmen, vor allem das iPhone. Für 85 Milliarden Dollar wurden im Weihnachtsquartal iPhones verkauft – ein Umsatzanteil von knapp 60 Prozent. Das iPad folgt mit sechs Prozent Umsatzanteil auf Platz zwei. Hinzu kommen noch die Serviceeinnahmen. Knapp dahinter liegen die MacBooks und die deutlich weniger umsatzstarken weiteren Produkte wie die Apple Watch oder Airpods.

Effiziente Gewinnmaschine reicht nur noch zu Platz drei

Es gilt als grandiose Leistung von Cook, das iPhone als Ikone der Smartphones erhalten oder gar ausgebaut zu haben und gleichzeitig die Produktionsprozesse derart effizient zu gestalten, dass auch nach vielen Jahren noch sehr hohe Gewinnmargen möglich sind.

Mit John Ternus übernimmt nun ein Hardwarespezialist, der zu Apples Geburtsstunde vor 50 Jahren gerade einmal elf Monate alt war. Sein halbes Leben hat Ternus im Konzern verbracht, kennt alle Abläufe und Entwicklungen auf das Genaueste. Das Stichwort „Kontinuität“ ist daher dasjenige, das in den meisten Analysen zum Wechsel an der Spitze des derzeit drittwertvollsten Unternehmens der Welt verwendet wurde.

Das Adjektiv „drittwertvollste“ ist wichtig. Denn es sagt einiges über die Dynamik der vergangenen Jahre aus. Im Jahr 2018 war Apple das erste US-Unternehmen, das die Bewertungsschwelle von einer Billion Dollar überwand. 2020 war es das erste US-Unternehmen, das die zwei Billionen Dollar schaffte, und im Jahr 2022 folgte die Marke von drei Billionen Dollar als erster Konzern der Welt überhaupt.

In Sachen Innovation haben andere die Nase vorn

Die Vier-Billionen-Marke fiel für Apple im Herbst 2025, doch hier war Apple schon nicht mehr der „First Mover“. Nvidia war schneller und schaffte mittlerweile sogar schon die Marke von fünf Billionen Dollar. Auch Alphabet liegt derzeit knapp vor Apple. Der Cook-Abschied kostete Apple rund drei Prozent an Börsenwert auf 267 Dollar je Aktie.

Die moderate Kursreaktion der Börse bestätigt den Gedanken der Kontinuität, zeigt aber auch, dass mit dem Wechsel keine neue Kursphantasie ausgelöst wird. Apple ist eine sehr verlässliche Geldmaschine – aber eben eine, die mit bestehenden und etablierten Produkten punktet, nicht mit überraschenden Neuerungen.

Wenn es um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) geht, werden andere Namen zuerst genannt: Nvidia allen voran, aber eben auch Alphabet, dessen Kunde im KI-Bereich Apple mangels eigener Entwicklungen werden musste. Deswegen muss die Apple-Aktie keine schlechte Wahl sein. Der Blick auf die Rangliste der wertvollsten Unternehmen der Welt zeigt, dass mit Nvidia und Alphabet zwar zwei Aktien mit nur vier bis fünf Prozent Abstand zum jeweiligen Hoch nahe ihrem Zenit stehen. Mit Microsoft, Meta oder Tesla befinden sich aber auch andere der glorreichen Sieben mit 16 Prozent (Meta), 22 Prozent (Tesla) und 23 Prozent (Microsoft) unterhalb der Kurshochs der vergangenen zwölf Monate und finden damit Zweifel am künftigen Geschäftserfolg Ausdruck. Apple liegt mit knapp acht Prozent dazwischen.

Analysten verhalten optimistisch

Geht es um die Kursraketen der Zukunft, werden eher Titel wie der südkoreanische Halbleiterhersteller SK Hynix genannt oder TSMC. Samsung ist seit Jahresanfang um mehr als 80 Prozent im Kurs gesprungen. Solche Bewegungen werden Apple nicht mehr zugetraut.

Die Aktienanalysten bestätigten jedoch ihre Einschätzungen zur Apple-Aktie. Kernstrategie und Vision des Unternehmens würden wohl beibehalten, hieß es zum Beispiel von Morgan Stanley. 40 Analysten raten derzeit zum Kauf der Aktie, 16 empfehlen ein „Halten“, und zwei würden verkaufen. Die genannten Kursziele geben im Durchschnitt ein Potential von 13 Prozent für ein Jahr an. Das ist moderat positiv, aber nichts, was im Markt herausragt.

Sinnbildlich für diese solide Halten-Position im Depot ist der Blick von Warren Buffett auf die Aktie. Er äußerte sich zum Monatswechsel in einem CNBC-Interview dazu. Mehr als 100 Milliarden Dollar Gewinn habe seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway mit Apple bisher gemacht. Bis zur Jahresmitte 2024 wurde jedoch mehr als die Hälfte der Aktien verkauft – zu früh, wie Buffett im Nachhinein weiß. Kaufen würde er derzeit jedoch nicht. Dazu brauche es eine weitere Schwächephase des Papiers. Mit 228 Millionen Apple-Aktien (Stand Ende Dezember) im Wert von rund 50 Milliarden Euro gehört Berkshire weiter zu den großen Apple-Aktionären. Zwischenzeitlich hatte die Aktie das Portfolio von Berkshire jedoch dominiert.

Buffett, der den Vorstandsvorsitz seines Unternehmens zu Jahresbeginn im Alter von 95 Jahren abgegeben hat, ist derzeit aber nicht nur mit Blick auf Apple zurückhaltend. Berkshire sitzt auf liquiden Mitteln in Rekordhöhe von mehr als 370 Milliarden Dollar und ist seit einigen Quartalen netto ein Aktienverkäufer.

Auch unter deutschen Anlegern hat sich Apple zu einer festen Größe entwickelt. Die Zeiten, in denen diese Aktie die meistgehandelte war, sind jedoch vorbei. Hier sind Aktien mit KI-Bezug eher gefragt. Als Trendsetter taugt Apple schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Der Nimbus als starke Marke mit verlässlich sehr hohen Gewinnen ist allerdings intakt und wird am Markt auch nach dem Chefwechsel bekräftigt – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Source: faz.net