Hohe Preise: Supermärkte sind nicht an allem Schuld

Für viele Menschen ist der Gang in den Supermarkt kein Vergnügen. Das gilt gerade für einkommensschwache Menschen, die einen besonders hohen Anteil ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Um satte 37 Prozent stiegen deren Preise seit 2019. Der Anstieg der Nominallöhne fiel geringer aus. Der Ansturm bei den Tafeln kurz nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs zeigte die Dramatik dieser sozialen Frage.

Mittlerweile fallen die Preissteigerungen der Lebensmittel nicht mehr so drastisch aus. Doch angesichts des Konfliktes in Iran könnte sich die Lage wieder verschlimmern. Die grundsätzliche Frage der vergangenen Jahre bleibt aber unbeantwortet: Rechtfertigen die zwischenzeitlich enorm hohen Energie- und Rohstoffkosten Nahrungsmittelpreise in diesem Ausmaß? Und waren Hersteller und Supermärkte zu gierig?

Nach Ansicht von Kritikern ist die hohe Marktkonzentration der Supermärkte und Discounter zu hoch. Die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland), Rewe (mit Penny), Edeka (Netto) sowie Aldi Nord und Süd kamen zusammen 2024 auf einen Anteil von 87,5 Prozent. Da liegt der Verdacht nahe, dass es die „großen Vier“ übertrieben haben.

Widersprüchlichkeit der deutschen Debatte

Doch so einfach ist es nicht. Zum einen sind die konkreten Gewinnmargen für die einzelnen Bereiche eine Art „Blackbox“. Aufgrund fehlender Transparenz ist vieles ungewiss. Zum anderen ist Deutschland im EU-weiten Vergleich trotz der jüngsten Preissprünge immer noch das Land, in dem die Menschen gemessen am verfügbaren Einkommen am wenigsten für Lebensmittel ausgeben.

Leidtragende sind oft kleine Landwirte, die bei derart niedrigen Preisen nur schwer profitabel wirtschaften können. Und darin liegt auch die Widersprüchlichkeit der deutschen Debatte: Hierzulande wünschen sich die Menschen die Idylle von kleinen Bauernhöfen, wollen aber bloß keinen Cent zu viel an der Supermarktkasse ausgeben.

Die Politik sollte den Landwirten helfen, die Kosten zu senken und effizienter zu wirtschaften. Subventionen, die Masse statt Klasse fördern, sind fehlgeleitet. Eine Zerschlagung der Supermarktketten, wie sie manche fordern, hilft niemandem. Stattdessen braucht es eine adäquate Unterstützung einkommensschwacher Menschen seitens des Staates. Die hohen Lebensmittelpreise sind vor allem ein sozialpolitisches Problem.

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