München: Kardinal Marx erlaubt Segnung queerer Paare

Stand: 21.04.2026 • 20:51 Uhr

Als erster Kardinal in Deutschland lässt Reinhard Marx die Segnung homosexueller Paare für das Erzbistum München und Freising zu. Das hat er Pfarrern, Seelsorgerinnen und Seelsorgern in einem Schreiben mitgeteilt.

Von BR24 Redaktion

Für progressive Katholiken ist es ein logischer Schritt in einer modernen Gesellschaft – für konservative Kräfte kommt es einer Selbstaufgabe gleich: kirchliche Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare. Kardinal Reinhard Marx macht jetzt für sein Erzbistum München-Freising ernst, er erlaubt die Segnung ganz offiziell.

In einem aktuellen Schreiben an die Seelsorgerinnen und Seelsorger in seinem Verantwortungsbereich empfiehlt er eine entsprechende Handreichung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) „als Grundlage pastoralen Handelns“, wie das Erzbistum auf Anfrage mitteilt.

Bisher handelten Priester in einer rechtlichen Grauzone

Vor ziemlich genau einem Jahr hatten DBK und das ZdK – die Vertretung der sogenannten Laien, der Gläubigen in den Gemeinden – die Handreichung verabschiedet. „Die Kirche bringt Paaren, die in Liebe verbunden sind, Anerkennung entgegen und bietet ihnen Begleitung an“, heißt es in dem Papier.

Das Neue daran: Zwar hatten auch vorher immer schon einzelne katholische Priester schwule oder lesbische Paare gesegnet, aber sie bewegten sich dabei in einer kirchenrechtlichen Grauzone. Das ist jetzt anders. Der Segen hat gleichsam den Segen von oben. Voraussetzung ist, dass der jeweilige Ortsbischof die Handreichung der DBK in Kraft setzt. Denn jeder Bischof regiert sein Bistum weitgehend unabhängig.

Queerpastoral in München seit 2024 ausgebaut

So können auch geschiedene und wiederverheiratete Katholiken den Segen künftig empfangen, wenn der Ortsbischof sein Einverständnis gibt. Ebenso wie für gleichgeschlechtliche Paare ist auch für sie eine kirchliche Hochzeit tabu – denn die Ehe ist in der katholischen Kirche allein Mann und Frau vorbehalten, und man hat dabei auch nur einen Versuch frei. Begründung: „Was Gott zusammenfügt, soll der Mensch nicht scheiden.“ So steht’s in der Bibel.

Segensfeiern für queere Paare wurden im Erzbistum München und Freising schon bisher toleriert. Zudem wurde „das seelsorgliche und pastorale Angebot für queere Menschen“ seit Ende 2024 durch 16 Ansprechpartner ausgeweitet, heißt es auf der Homepage der Queerpastoral.

Konservative Bischöfe stellen sich quer

Umgesetzt wird die vor einem Jahr verabschiedete Handreichung bereits im Bistum Limburg, wo der frühere DBK-Vorsitzende Georg Bätzing Chef ist. Auch im Bistum Trier und im Bistum Rottenburg-Stuttgart können sich Paare segnen lassen.

Ganz anders ist die Situation dort, wo konservative Bischöfe das Sagen haben, etwa in den Bistümern Köln, Regensburg und Passau.

Die Würzburger „Tagespost“, die zuerst über das Schreiben von Marx berichtet hatte und als Sprachrohr erzkonservativer Katholiken gilt, nennt die Segensfeiern „eine deutsche Provokation“, die „den Maßgaben des Vatikans klar zuwiderläuft“.

Schwuler Priester lobt Sprung über den Schatten

Der progressive und offen schwule Münchner Priester Wolfgang Rothe hat schon 2021 im Rahmen von „#liebegewinnt“ öffentlich und demonstrativ schwule und lesbische Paare gesegnet. Es war eine deutschlandweit orchestrierte Protestaktion liberaler Geistlicher gegen das damals von der Glaubenskongregation im Vatikan ausgesprochene, noch kategorischere Verbot, homosexuelle Paare zu segnen.

„Das ist für die katholische Kirche nichts weniger als ein Sprung über den eigenen Schatten und ein wenn auch kleiner, so doch epochaler Fortschritt“, sagt Rothe der Deutschen Presse-Agentur über Marx‘ Schritt. Es könne aber nur der Anfang sein, betont Rothe: „Die Diskriminierung all dieser Menschen innerhalb der katholischen Kirche ist damit zwar noch längst nicht beseitigt, aber sie ist geringer geworden.“

Warum zögern so viele Bischöfe noch?

Was aber ist der Grund dafür, dass viele Bischöfe die Handreichung ihrer eigenen Konferenz in ihrem jeweiligen Bistum bisher noch nicht umgesetzt haben? Warum das Zögern? Offiziell gibt es darauf keine richtige Antwort, doch dahinter dürfte stehen, dass viele erst noch warten wollen, wie sich Papst Leo XIV. in diesen Fragen positioniert. Es gibt bisher keinen Hinweis darauf, dass er die Lehre der Kirche in Fragen der Sexualmoral anpassen will.

Mit Informationen von dpa und epd.

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Quelle: BR24 im Radio 21.04.2026 – 14:45 Uhr

Source: tagesschau.de