Mehr Pleiten qua in Finanzkrise: Was geschieht mit insolventen Unternehmen?

Durch die deutsche Wirtschaft rollt eine Insolvenzwelle, die nicht abebbt. Für die Monate Januar, Februar und März 2026 zählt das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) 4573 Firmeninsolvenzen. Dies ist der höchste Stand seit dem dritten Quartal 2005. Die Zahl der zahlungsunfähigen Personen- und Kapitalgesellschaften ist aktuell sogar noch höher als während des Finanzkrisenjahrs 2009.

Der Restrukturierungsfachmann Tobias Moser sieht darin eine gefährliche Entwicklung. „Der Druck verlagert sich in die Breite der Wirtschaft“, sagt er. Genau dies sei typisch für eine fortgeschrittene wirtschaftliche Schwächephase. Viele Unternehmen kämpfen laut Moser mit steigenden Kosten, schwacher Nachfrage und fehlender Preissetzungsmacht. Das bedeutet, sie können die immer höheren Kosten für Rohstoffe, Energie oder Personal nicht an ihre Kunden weiterreichen.

Besonders betroffen sind laut Moser Gastronomie, Logistik und der Bau. Unter den aktuell wegen des Irankriegs stark gestiegenen Ölpreisen leiden vor allem transportintensive und energiehungrige Branchen sowie Teile der Autozulieferindustrie. Jüngstes Beispiel ist der stark internationalisierte Traditionsbetrieb Erich Jaeger, ein Zulieferer von Steckverbindern für Anhänger von Traktoren, Lastern und Autos mit 1000 Mitarbeitern an elf Standorten rund um die Welt. Das fast 100 Jahre alte Unternehmen aus Friedberg in der Wetterau ist wegen der geopolitischen Konflikte in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht.

Eine Zahlungsunfähigkeit ist eine bedrohliche Situation

Eine Insolvenz ist eine schwere Krise für das betroffene Unternehmen. Sie muss aber nicht das Ende des Betriebs sein. Wenn die Fortführung realistisch ist, versuchen erfahrene Insolvenzverwalter, das Unternehmen zu stabilisieren und das Geschäft am Laufen zu halten. In dieser kritischen Situation geht es zunächst darum, dass Kunden, Lieferanten und Fachkräfte an Bord bleiben, damit der Betrieb weitergehen kann. Wenn das gelingt, ist es einfacher, neue Geldgeber zu finden, die in das insolvente Unternehmen einsteigen oder zumindest Teile davon übernehmen.

Eine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ist eine lebensbedrohliche Situation für jedes Unternehmen. Auch grundsätzlich gesunde Geschäftsmodelle können wegen eines kurzfristigen Geldmangels in eine solche Notsituation kommen. Wenn die finanzielle Durststrecke überwunden ist, können sie aber wieder durchstarten.

Ein aktuelles Beispiel ist die Insolvenz des Schweinezüchters Porky aus Jessen in Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen beschäftigt eine überschaubare Zahl von 50 Mitarbeitern, mästet aber 30.000 Schweine, davon 4000 Zuchtsauen. Es handelt sich also um einen landwirtschaftlichen Großbetrieb mit eigenen Agrarflächen und mehreren Standorten. Auslöser der Insolvenz war laut einer Pressemitteilung der Handelskonflikt mit China, der zu Strafzöllen auf Schweinefleisch und zu erheblichen Einbußen im Exportgeschäft führte.

Hinzu kam demnach ein Preisverfall auf dem heimischen Markt, der unter anderem durch die verstärkte Einfuhr von spanischem Schweinefleisch, etwa Serranoschinken, entstand. In dieser Situation fehlte Porky offenbar genau das, was Restrukturierungsfachmann Moser von der Beratung MR Corporate Solutions als Preissetzungsmacht bezeichnet, also die Fähigkeit, steigende Kosten an die Kunden weiterzureichen. So konnte Porky im Januar und Februar gerade einmal 60 Prozent seiner Herstellkosten decken.

Mastbetrieb Porky insolvent: Ferkel stehen in einer Box in einer Schweinezuchtanlagedpa

Trotz der aktuellen Turbulenzen ist der Kern des Unternehmens nach Einschätzung des zum Insolvenzverwalter bestellten Rechtsanwalts Joachim Voigt-Salus gesund. Er ist daher zuversichtlich, eine tragfähige Lösung für die Fortführung des Schweinemastbetriebs zu finden. Es gebe auch schon mögliche Investoren, die Interesse an Porky signalisiert hätten. Die Sanierungsberatung Centuros spricht mit den Investoren und steuert den M&A-Prozess für einen Verkauf von Porky.

Ein Verkauf an Investoren könnte auch einen großen Teil der ostdeutschen Ladenkette Groschen-Markt retten. Der Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann von der Kanzlei Brinkmann & Partner äußerte sich in einer Mitteilung Ende März zuversichtlich, durch einen Investorenprozess 31 der 40 Filialen und drei Viertel der Arbeitsplätze in den Filialen erhalten zu können. Das Unternehmen beschäftigt 190 Mitarbeiter, davon 170 in den Filialen. Zu den interessierten Investoren gehören namhafte deutsche Einzelhändler. Diese wollen an den Groschen-Markt-Standorten jeweils ihre eigenen Konzepte umsetzen, sodass der Markenname daher wohl verschwinden dürfte.

Manchmal lebt nach einer Insolvenz aber auch nur die Marke weiter, wie im Fall der Modekette Esprit oder aktuell des Hemdenherstellers Eterna. Dieser hatte im Dezember 2025 Insolvenz angemeldet und will den Betrieb bis zum Sommer 2026 einstellen. Konkurrent Olymp hat sich daher die Markenrechte an Eterna gesichert, sodass zumindest der traditionsreiche Name eine Zukunft haben dürfte.

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