Rüstungsaffine Investoren haben in dieser Woche einen neuen Namen auf dem Kurszettel gefunden: Der Prager Colt CZ Group SE, ein Spezialist für Kleinwaffen und Munition, wird nun nicht mehr nur an seiner Prager Stammbörse gelistet, sondern auch an der Amsterdamer Euronext. Die hat damit neben Airbus, der griechischen Theon und dem Prager SCG Group den vierten Rüstungswert im Angebot.
Radek Musil, CEO der Colt CZ Group, geht es bei der Zweitnotierung vor allem darum, „unsere Sichtbarkeit bei internationalen Investoren zu erweitern, die Liquidität unserer Aktien zu erhöhen und so die Attraktivität der Colt CZ-Aktie zu stärken“.
15 Prozent Plus seit Ankündigung der Zweitnotierung
Im vergangenen Jahr hatte Colt umgerechnet 960 Millionen Euro umgesetzt und einen Gewinn nach Steuern von 82 Millionen Euro erwirtschaftet. Für die Gesellschaft war die Notierung ein Erfolg. Allein seit der Bekanntgabe am 10. März legte der Aktienkurs um 15 Prozent zu – in einem vom Irankrieg durchgeschüttelten Markt.
Diesen Marktumständen war geschuldet, dass die im Zuge der Zweitnotierung ebenfalls angekündigte Kapitalerhöhung für Zukäufe, Investitionen und Schuldenabbau erst einmal ausblieb. Nun heißt es, man werde dies „zu einem späteren Zeitpunkt unter Bedingungen durchführen, die sowohl für das Unternehmen als auch unsere Aktionäre optimal sind“.
Das Label „Verteidigung“ ist kein Garant für Kursgewinne
So viel Vorsicht muss sein. Denn nicht jeder Newcomer aus dem Rüstungsbereich verdreifacht seinen Kurs binnen 15 Monaten, wie der seit Februar 2024 in Amsterdam gehandelte Rüstungsoptikspezialist Theon aus Athen, oder verdoppelt ihn, wie der Panzergetriebespezialist Renk seit seinem Debüt in Frankfurt im Februar vor zwei Jahren.
Das Label „Verteidigung“ ist kein Garant für Kursgewinne. Manchmal geht der Aktienkurs auch gleich südwärts, wie beim deutschen Marinespezialisten Gabler oder dem Rüstungszulieferer Vincorion, die sich in diesem März in Frankfurt am Main aufs Parkett getraut und Kursverluste eingefahren hatten. Gleiches gilt für den vielfach größeren Prager Rüstungskonzern CSG, dessen IPO in Amsterdam den Pistolenbauern von Colt offenkundig als Vorbild diente.
CSG war am 27. Januar an die Amsterdamer Börse gegangen. Bis dahin hatte der vor allem in der Herstellung von groß- und kleinkalibriger Munition sowie schweren Fahrzeugen tätige Konzern allein dem Unternehmer Michal Strnad gehört. Das Interesse an der Aktie war groß. Der Eröffnungskurs von 32,90 Euro lag weit über dem Emissionspreis von 25 Euro je Aktie, zu dem sich große internationale Investmentfonds Pakete gesichert hatten. Die Emission spülte 3,3 Milliarden Euro in Strnads Kasse, von denen 750 an CSG weitergereicht wurden.
Verlust von 33 Prozent in zweieinhalb Monaten
Für die Investoren war der größte Börsengang eines Rüstungsunternehmens hingegen kein so gutes Geschäft. Zwar legte die Aktie in den ersten Tagen bis auf Kurse um 35 Euro zu, verlor seither aber stetig an Wert. Zuletzt notierte sie um die 22 Euro. Für Anleger, die seit dem ersten Börsentag dabei sind, entspricht das einem (Buch-)Verlust von 33 Prozent.
Dabei ist es offenbar nicht allein das zuletzt schwache Marktumfeld, das der Aktie so zusetzt. Der Vergleich mit anderen börsennotierten Rüstungswerten zeigt, dass in der fraglichen Zeit keiner so schlecht abschneidet wie CSG. Der allgemeine Aufschwung nicht nur der Rüstungsaktien in den vergangenen Tagen ging auch weitgehend an ihr vorbei.
Korruptionsermittlungen als Negativtrigger
Dem Kursgeschehen nicht förderlich sind auch die Ermittlungen in einem möglichen Korruptionsfall gegen die spanische CSG-Gesellschaft Fábrica de Municiones de Granada (FMG) durch die NATO-Beschaffungsagentur NSPA. Die schloss FMG bis zum Abschluss der Untersuchung von allen NATO-Ausschreibungen aus. Der Prager Mutterkonzern weist jegliches Fehlverhalten zurück und nennt die wirtschaftlichen Folgen unbedeutend.
Besonders schlecht waren am Markt die Jahreszahlen 2025 aufgenommen worden. Dabei fiel der Umsatz mit 6,7 Milliarden Euro um 71 Prozent höher aus als im Vorjahr, der Nettogewinn stieg um 35 Prozent auf 872 Millionen Euro und der Auftragsbestand auf 15 Milliarden Euro.
Das seien zwar starke Ergebnisse, die nur im Bereich der Kleinkalibermunition nicht ganz überzeugt hätten. Aber der Ausblick habe den Anlegern missfallen, sagte XTB-Analyst Tomáš Cverna der tschechischen Agentur ČTK. Zudem hätte die Ausübung einer Verkaufsoption durch einen bedeutenden Minderheitsaktionär den Kurs belastet. Das war Ende März. Seither ist der Kurs weiter gefallen.
Analysten raten bei Kursen unter Emissionspreis zum Kauf
Sind das nun Kaufkurse? Unbedingt, folgt man Analysten. Berenberg gab Ende März eine Kaufempfehlung mit Kursziel 34 Euro ab. Die Investmentbank Jefferies sieht das Kursziel bei 35 Euro, J.P. Morgan nennt die Marke von 40 Euro. Aber Jefferies und J.P. Morgan haben den Börsengang begleitet. Einschlägige Internetseiten wollen noch mehr professionelle Kaufempfehlungen gezählt haben.
Die hinter dem CSG-Börsengang stehende Story sei intakt. „Kurzfristige Kursentwicklungen der Aktien verändern weder unsere zugrunde liegende Performance noch unsere Strategie“, heißt es bei J.P. Morgan. Die Notwendigkeit zur Aufrüstung bestehe fort, selbst wenn die laufenden Kriege am Golf und der Ukraine beendet würden.
Denn die Depots seien leer und müssten über den Stand von vor dem Überfall auf die Ukraine aufgefüllt werden. Das sichere Beschäftigung und Einkommen bis weit ins nächste Jahrzehnt. Zudem werde die wachsende Entfremdung Amerikas von Europa die Europäer dazu zwingen, noch mehr Geld für Verteidigung auszugeben. Als Spezialist für Artilleriemunition hätten die Tschechen im „Beinahe-Duopol“ mit Rheinmetall auch deshalb große Chancen.
CSG will das Marktgeschehen nicht kommentieren. Nur so viel: Man habe „seit dem Börsengang Finanzergebnisse erzielt, die die im IPO-Prospekt für Investoren vorgelegten Verpflichtungen erfüllt oder übertroffen haben“. CSG werde sich „weiterhin darauf konzentrieren, langfristigen Wert durch weiteres Wachstum des Unternehmens zu schaffen“.
Source: faz.net