Marktbericht: Deutsche Telekom erwägt Verschmelzung mit T-Mobile US


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Stand: 22.04.2026 • 13:51 Uhr

Nach Medienberichten erwägt die Telekom mit ihrer US-Tochter T-Mobile US zu fusionieren – zu einem der größten Telekommunikations-Konzerne der Welt. Die Anleger scheinen aber eher skeptisch, denn es bleiben mehr Fragen als Antworten.

Das DAX-Schwergewicht Telekom und die US-Tochter US Mobile erwägen nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zu fusionieren. Dabei könnte einer der größten Telekommunikations-Konzerne der Welt entstehen. Eine Vereinbarung sei aber noch keine beschlossene Sache. Die Gespräche könnten auch noch scheitern. Die Agentur beruft sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Der deutsche Konzern habe über eine Idee diskutiert, bei der eine neue Holdinggesellschaft Gebote für Aktien beider Unternehmen abgeben würde. Ein solcher Schritt wäre eines der größten öffentlichen Übernahmegeschäft aller Zeiten, hieß es weiter. T-Mobile sprach von Spekulationen, die Telekom äußerte sich bisher nicht.

Keine Euphorie an der Börse

Die Nachricht sorgt bei den Anlegerinnen und Anlegern nicht für größere Euphorie, im Gegenteil. Nach anfänglichen Kursgewinnen drehte die Stimmung schnell. Die T-Aktie steht mit einem Minus von rund vier Prozent deutlich am DAX-Ende – nachdem sie zuvor schon unter Druck war. Noch Ende Februar, bei der Bekanntgabe der Zahlen des vierten Quartals 2025, wurden an der Börse für eine Aktie knapp 34 Euro bezahlt, aktuell sind es weniger als 28 Euro.

Zuletzt waren am Markt Sorgen aufgekommen, dass der Wettbewerbsdruck in den USA als wichtigem und lukrativem Markt zunehmen könnte. Sowohl Verizon als auch AT&T, die beiden großen US-Konkurrenten, hatten verstärkte Bemühungen angekündigt.

Mehr Fragen als Antworten

Neben der Bundesregierung wären auch die Bundesnetzagentur und die US-Regierung im Boot, wenn es um eine Fusion geht. Der deutsche Staat ist mit 14 Prozent an der Telekom beteiligt. Ein gleich großes Aktienpaket liegt bei der Staatsbank KfW.

Die Telekom stieg im Jahr 2000 mit der Übernahme von Voicestream in den US-Markt ein. Aktuell hält sie mit rund 53 Prozent mehr als die Hälfte der Anteile an dem in T-Mobile umbenannten Mobilfunker. Bei einem Zusammenschluss entstünde der gemessen am Börsenwert weltgrößte Telekom-Konzern mit einer Marktkapitalisierung von derzeit mehr als 384 Milliarden Dollar. Eine solche Transaktion würde die Zustimmung der Bundesregierung erfordern.

Mögliche Ziele: Höhere Bewertung und leichterer Kapitalzugang

Mit dem Zusammenschluss will die Telekom nach Ansicht der Expertinnen und Experten von JPMorgan den Bewertungsabschlag der Telekom im Vergleich zur US-Tochter beseitigen und mehr Mittel für Zukäufe zur Verfügung zu haben, schrieb Analyst Akhil Dattani in seiner Einschätzung. Der Experte beließ seine Einstufung für die T-Aktie bei „Overweight“ mit einem Kursziel von 40 Euro. Ein Zusammengehen des Telekommunikationskonzerns mit seiner in den USA börsennotierten Tochter T-Mobile US würde die Investoren überraschen und zunächst mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben, schrieb Akhil Dattani in einer am Mittwoch vorliegenden Einschätzung.

Im Blick steht dabei die angestrebte Holdingstruktur, in die die Aktien eingebracht werden sollen. Die neue Holdinggesellschaft könnte nach dem Vorbild der Fusion von Praxair und Linde in einem europäischen Land, also auf „neutralem Boden“, angesiedelt werden. Mit einem solchen Schritt könnte das Unternehmen eventuell einfacher an Kapital komme, neue Aktien für grenzüberschreitende Zukäufe in Europa und den USA ausgeben oder Werte durch anschließende Abspaltungen und Börsengänge einzelner Bereiche freisetzen, so die Analysten der Deutschen Bank.

DAX gibt Anfangsgewinne wieder ab

Am frühen Nachmittag hat der DAX seine Gewinne aus der Eröffnung wieder abgegeben und notiert leicht im Minus. Das Tageshoch lag bei 24.399 Punkten. Am Vortag hatte der Index um 0,6 Prozent tiefer bei 24.271 Punkten geschlossen. Die Schwäche der T-Aktie lastet dabei auch auf dem Gesamtmarkt, denn sie ist im DAX hoch gewichtet. Mit einer Börsenbewertung von rund 135 Milliarden Euro gehört sie hinter SAP und Siemens zu den Spitzenreitern im deutschen Leitindex.

Dass US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe mit dem Iran am Vortag überraschend einseitig für verlängert erklärte, nahmen Anlegerinnen und Anleger zur Kenntnis. Ein Kurstreiber war es nicht, auch weil die US-Seeblockade iranischer Häfen wohl fortgesetzt wird. Eine erneute Eskalation bleibe damit jederzeit möglich, kommentierte Marktexperte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. Anleger nähmen die Nachricht über eine Verlängerung der Waffenruhe mit viel Skepsis und Vorbehalten auf.

Source: tagesschau.de