Macron-Initiative wird konkret: Merz nimmt an Beratungen zu Hormus-Mission teil

Macron-Initiative wird konkretMerz nimmt an Beratungen zu Hormus-Mission teil

15.04.2026, 16:46 Uhr

Die Fregatte „Hessen“ käme für einen Einsatz in Frage. (Foto: picture alliance / SULUPRESS.DE)

Kurz nach Beginn des Krieges in Nahost erklärt Frankreichs Staatschef Macron, sich für die Sicherung der wichtigen Seepassage in der Region einzusetzen. Das Vorhaben kommt offenbar gut voran. Ende der Woche könnte eine Entscheidung fallen – auch für die Bundeswehr.

Deutschland erwägt offenbar, sich einem möglichen internationalen Einsatz zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus anzuschließen. Bundeskanzler Friedrich Merz wird dazu am Freitag nach Paris reisen und an entsprechenden Beratungen teilnehmen, wie mehrere Medien berichten. Zu den Gesprächen haben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premier Keir Starmer eingeladen. Merz hatte bislang erklärt, Deutschland werde „in geeigneter Weise“ dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten.

Macron wirbt bereits seit Anfang März – und damit kurz nach Beginn des Krieges in Nahost – für einen internationalen Einsatz an der Straße von Hormus nach dem Ende der Kampfhandlungen in der Region. Die Gespräche in Paris sollen am Freitagnachmittag beginnen. Macron und Starmer wollen sie gemeinsam von Paris aus leiten. Die meisten Teilnehmer würden per Videokonferenz zugeschaltet, hieß es weiter.

Das französische Präsidialamt hatte unlängst erklärt, an den Gesprächen würden Staaten teilnehmen, „die sich an unserer Seite an einer multilateralen und rein defensiven Mission beteiligen wollen“. Ziel sei es, die freie Schifffahrt durch die Meerenge wiederherzustellen, „sobald die Sicherheitsbedingungen dies erlauben“.

Ein Sprecher Starmers hatte gesagt, das Treffen soll „die Arbeiten an einem koordinierten, unabhängigen und multinationalen Plan zum Schutz der internationalen Schifffahrt nach Beendigung des Konflikts vorantreiben“. Laut dem britischen Premier sind mehr als 40 Staaten eingeladen worden. Frankreichs Außenminister Jean-Noel Barrot sagte, an vorbereitenden Beratungen hätten „mehrere Dutzend Länder“ teilgenommen.

US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag nach US-iranischen Gesprächen in Pakistan zunächst eine bevorstehende Freigabe der Straße von Hormus verkündet. Einen Tag später verkündete er jedoch eine US-Blockade der Meerenge für alle Schiffe, die iranische Häfen ansteuern. Diese trat am Montag in Kraft.

Seit Beginn des Iran-Kriegs ist die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports abgewickelt werden, de facto gesperrt. Die Blockade hat weltweit die Preise für Öl und Flüssiggas in die Höhe getrieben.

Der Minenjäger „Bad Bevensen“ gehört zur Frankenthal-Klasse. (Foto: picture alliance / SULUPRESS.DE)

Unabhängig vom Ausgang der Gespräche könnte sich die deutsche Marine bei der Sicherung des Luftraums und insbesondere beim Schutz vor Seeminen beteiligen. In der „Minenkriegsführung auf See“ zählt Deutschland neben Belgien und den Niederlanden laut Marine-Experte Hartwig Ross zu den führenden Nationen. Die deutsche Marine setzt dabei auf ein System aus insgesamt zehn Minen-Jagdbooten der sogenannten Frankenthal-Klasse sowie unbemannten Booten und Unterwasserdrohnen.

Zudem kämen Flugabwehrfregatten zum Schutz von Handelsschiffen in Frage. Deutschland verfügt dafür über drei Fregatten der sogenannten Sachsen-Klasse, die nach Bundeswehr-Angaben „besonders durch ihre weitreichenden Luftverteidigungsfähigkeiten zum Schutz von Schiffen gegen multidimensionale Angriffe geeignet“ sind.

Für einen möglichen deutschen Einsatz in der Straße von Hormus braucht es neben der Abstimmung mit den Partnerstaaten und gegebenenfalls einem internationalen Mandat auch eine Zustimmung des Bundestags.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP/rts

Source: n-tv.de