Ausgerechnet zum Höhepunkt der 100-Jahr-Feier der Deutschen Lufthansa eskaliert der Arbeitskampf. Wenn an diesem Mittwoch Bundeskanzler Friedrich Merz im Hangar One, dem neuen Besucherzentrum neben der Konzernzentrale am Frankfurter Flughafen, sprechen wird, könnten draußen streikende Flugbegleiter lärmend vorbeiziehen. Und das, nachdem die Piloten schon zwei Tage für erhebliche Einschränkungen gesorgt haben, nachdem wiederum die Flugbegleiter vergangene Woche vielen Osterurlaubern die Rückreise vermiest hatten. Arbeitskampf muss auch wehtun, heißt es, doch ein solch massiertes und koordiniertes Vorgehen ist bemerkenswert.
Verdi als lachender Dritter?
Kein Wunder, denn für die Spartengewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern, Vereinigung Cockpit und UFO, geht es salopp gesagt ans Eingemachte. Als Vertreter von Funktionseliten ziehen sie ihre Existenzberechtigung aus einem hohen Organisationsgrad. In der Kernmarke Lufthansa ist dieser nach wie vor gegeben, weshalb der Streikschaden durch viele Flugausfälle mächtig ausfällt. Solche „pressure groups“ können große Wirkungen erzielen, man kennt das auch von Ärzten oder Lokführern.
Die Konzernführung der Lufthansa will und muss aber die Kernmarke dauerhaft profitabel und wettbewerbsfähig machen. Wenn ihr Einsparungen gegen die Besitzstandswahrer innerhalb des Systems nicht gelingen, dann liegt die Lösung außerhalb – das hat Konzernchef Carsten Spohr schon klargemacht. Das heißt Verlagerung von Geschäft in neue Tochtergesellschaften, die mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft tarifiert sind. Verdi könnte also der lachende Dritte sein, wenn der Streit nicht eingefangen wird. Ironie der Geschichte: Die DGB-Gewerkschaften hatten einst vor dem Wettbewerb mit Spartengewerkschaften gewarnt mit dem Argument, es drohe die Unterbietung von Standards.