Die Linke, schreibt deren Parteiführung in ihrem Leitantrag zum Parteitag im Juni, sei sich ihrer Verantwortung angesichts des erstarkenden Rechtsextremismus bewusst. Sie sieht sich als die Speerspitze des Kampfes, ihr Rezept besteht vor allem in einer breiten ökonomischen Entlastung der unteren „Klassen“, die durch die gute alte Umverteilung von oben nach unten finanziert werden soll. Pläne hat sie dafür viele, von der Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets bis hin zu einem „Anti-Abzockamt gegen explodierende Preise“.
Aber wenn sie sich wirklich für den Kampf gegen „rechts“ verantwortlich fühlen würde, müsste die Partei als Erstes aufhören, Deutschland zu beschreiben, als stünde es kurz vor dem finanziellen und moralischen Kollaps. Genau das tun auch die „Rechten“, sprich Rechtsextremisten, nur ohne Klassenkampfrhetorik: schlechtreden, was man erobern will.
Zweitens müsste sie sich ihren eigenen Verfehlungen stellen, anstatt das Thema Antisemitismus nun gar nicht mehr zu erwähnen. Und drittens müsste sie aufhören, sozialistische Wirtschaftsideen zu verbreiten, als könnte beim zweiten Versuch klappen, was beim ersten kläglich scheiterte. Immerhin muss man der „Linken“ zugestehen, dass sie in Sachen Umverteilung das Original ist. Insofern verwundert es nicht, dass sie in den Umfragen bis auf einen Punkt an die SPD herangerückt ist.
Source: faz.net