Klingbeil fordert Vorbereitungen aufwärts Kerosinmangel

Stand: 18.04.2026 • 11:57 Uhr

Der Vizekanzler fordert, die Warnungen vor einer Kerosinknappheit „sehr ernst“ zu nehmen. Damit geht er auf Konfrontation zu Wirtschaftsministerin Reiche, die keinen Mangel befürchtet.

Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil fordert Maßnahmen gegen einen von der Internationalen Energieagentur (IEA) prognostizierten möglichen Kerosinmangel. „Wir müssen die Warnungen vor Kerosinknappheit sehr ernst nehmen“, sagte der SPD-Chef dem Spiegel. „Für mich ist klar: Wir sollten nicht nur das Preisproblem angehen, sondern müssen jederzeit auch die Versorgungssicherheit im Blick haben.“

Die IEA hatte am Freitag gewarnt, mehrere europäische Länder könnten in den kommenden sechs Wochen einer beginnenden Knappheit von Kerosin gegenüberstehen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte daraufhin gesagt, in Deutschland gebe es momentan keinen Mangel an Kerosin. Der Flugzeugtreibstoff werde auch in deutschen Raffinerien hergestellt. Der Mineralölwirtschaftsverband Fuels und Energie sieht die Situation im Moment ebenfalls unkritisch. Nach Angaben des Luftverkehrsverbands in Berlin wird sich die Lage selbst bei einem kurzfristigen Ende des Iran-Kriegs auf den Energiemärkten nur langsam entspannen.

Die Preise für Kerosin haben sich seit Beginn des Krieges mehr als verdoppelt. Ein großer Teil der Importe stammt aus dem Nahen Osten, zahlreiche Öl-Anlagen im Krisengebiet sind zerstört.

Klingbeil: „Krise größer und hartnäckiger, als viele glauben“

Klingbeil machte deutlich, dass die Auswirkungen durch den Iran-Krieg länger anhalten könnten. „Wir sind in einer Situation, die ähnlich herausfordernd ist wie die Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine“, sagte der Vizekanzler dem Spiegel auf dem Rückflug aus Washington, wo er an der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank teilgenommen hatte. „Die Beratungen haben mir nochmal gezeigt, dass diese Krise größer und hartnäckiger ist, als viele glauben.“

Seine Warnungen vor einer deutlich schlechteren Wirtschaftslage verknüpfte Klingbeil mit einem Aufruf an den Koalitionspartner CDU/CSU. „Ich will, dass wir ein großes und vor allem gerechtes Reformpaket auf den Weg bringen“, sagte Klingbeil. „Wir müssen das Land resilienter machen, weniger abhängig von fossilen Energieimporten.“ Der Iran-Krieg zeige, dass das eine zentrale Frage für das Land sei. „Deshalb drängen wir darauf, den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter voranzutreiben und machen Tempo beim Netzausbau.“

Schon am Donnerstag hatte Klingbeil seine Kabinettskollegin Reiche vor einem Ausbremsen der Energiewende gewarnt und darauf verwiesen, im Koalitionsvertrag sei vereinbart worden, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien weitergehe.

Source: tagesschau.de