DIE ZEIT: Bis zum 7. Juni muss Deutschland die neue Entgelttransparenzrichtlinie der EU umsetzen. Bekomme ich als Arbeitnehmerin jetzt mehr Geld?
Adam Sagan: Ja, wenn Sie bisher im Vergleich zu Ihren männlichen Kollegen wegen des Geschlechts benachteiligt wurden. Aktuell haben wir in Deutschland einen unbereinigten Gender-Pay-Gap von 16 Prozent. Wenn man Faktoren wie Teilzeit, unterschiedliche Qualifikationen und Berufsprofile herausrechnet, sind es immer noch sechs Prozent. Dieser Unterschied muss nicht allein auf Diskriminierung beruhen, aber es steckt sicherlich auch Diskriminierung drin. Es gibt also Frauen, die gleiche oder gleichwertige Arbeit leisten und trotzdem weniger verdienen als Männer. Und die haben einen Anspruch auf gleichen Lohn. Juristisch steckt da Musik drin, weil eine Arbeitnehmerin diesen Lohn auch für die Vergangenheit einklagen kann.