Seit der Einführung des Österreich-Modells an den deutschen Tankstellen am 1. April 2026 ist das Niveau der Kraftstoffpreise im Vergleich zur Zeit vor der neuen Regelung gestiegen. Zu diesem Schluss kommt der Autoklub ADAC anhand einer aktuellen Auswertung der Preise von mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland.
Der Autoklub hat die Entwicklung des Benzinpreises mit der des Preises für Rohöl verglichen und dabei auch den Wechselkurs von Dollar in Euro berücksichtigt. Dann hat der ADAC betrachtet, wie groß der Abstand im Verlauf des März mit der bisherigen Regel für die Benzinpreise und im April mit der neuen Regel war. Er kommt zu dem Schluss, mit der neuen Regel sei das Benzinpreisniveau nicht gesunken, wie manche Politiker vielleicht gehofft hatten, sondern sogar gestiegen.
Ölkonzerne verlangen vorsichtshalber ein bisschen mehr
„Die Mineralölkonzerne preisen mit der einmaligen Erhöhung um zwölf Uhr einen hohen Risikoaufschlag ein, der im Tagesverlauf nur langsam abgebaut wird“, schreibt der Autoklub. Auch die Zeiträume, in denen man unterhalb des Tagesdurchschnitts tanken könne, seien im Vergleich zum freien Preismodell kürzer geworden. „Autofahrer konnten somit im alten Modell ebenfalls gut planen, aber im Durchschnitt vor allem günstiger tanken“, meint der ADAC.
Der ADAC hat anhand seiner Daten genau untersucht, wie sich die Benzinpreise an den Tankstellen jetzt im Tagesablauf verändern. Wie zu erwarten war, stiegen die Preise für Benzin und Diesel jeden Tag um zwölf Uhr stark an. So verteuerte sich Super E10 im Schnitt um gut neun Cent je Liter, Diesel sogar um 10,5 Cent.
Danach sinken die Preise bis zum frühen Abend langsam ab. Bis zum nächsten Morgen liegen sie relativ stabil in der Nähe des Tagesdurchschnitts.
Schon von sechs Uhr morgens des darauffolgenden Tages an kann man dann unterhalb des Tagesdurchschnitts tanken, von etwa zehn Uhr an liegt der Preis etwa zwei Cent unter dem Tagesdurchschnitt. Kurz vor zwölf Uhr, wenn die Preise um 2,7 Cent unterhalb des Mittelwertes liegen, sei der günstigste Tankzeitpunkt des Tages erreicht, schreibt der ADAC. Um zwölf Uhr finde dann wieder der tägliche einmalige Preisanstieg statt.
Autofahrer selbst sehen die Regelung überwiegend kritisch
Mit der Neuregelung, die nur noch eine Preisanhebung zulässt, jedoch beliebig viele Senkungen, sollte in erster Linie erreicht werden, dass die Autofahrer ihren Tankzeitpunkt besser planen könnten, schreibt der Autoklub. Der ADAC habe jedoch wiederholt davor gewarnt, dass die Mineralölkonzerne auf die stark eingeschränkte Flexibilität bei Preisanpassungen mit deutlichen Risikoaufschlägen reagierten.
Diese Warnung habe sich mit der aktuellen Auswertung bestätigt. Zudem sei schon im alten Modell mit freier Preisgestaltung ein Zeitraum klar identifizierbar gewesen, in dem man verhältnismäßig günstig tanken konnte.
Auch die Autofahrer selbst sehen das Österreich-Modell offenbar überwiegend kritisch. Laut einer Umfrage des ADAC lobten nur 21 Prozent der Befragten die neue Tank-Regel, während immerhin doppelt so viele und damit fast die Hälfte der Befragten (42 Prozent) sich ablehnend äußerten.
Obwohl die neue Regelung erst seit dem 1. April gelte, habe sie immerhin schon einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht, berichtet der Autoklub weiter: 95 Prozent der befragten Autofahrer gaben in der Umfrage an, über die neuen Preisregeln Bescheid zu wissen.
Nach Zahlen des Internetportals Clever Tanken sind die Spritpreise mit dem Rohölpreis zuletzt allerdings zurückgegangen. Für einen Liter Diesel zahlten Autofahrer im Durchschnitt in Deutschland 2,13 Euro, für einen Liter Super E10 waren es 2,05 Euro. Der Preis für Rohöl war auch wieder gesunken auf knapp 95 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) für die Nordseesorte Brent.
Die Europäische Kommission veröffentlichte unterdessen am Dienstag einen Vergleich der Entwicklung der Kraftstoffpreise in den verschiedenen europäischen Ländern im März im Vergleich zum Vorjahresmonat. Den höchsten Preisanstieg gab es in Deutschland mit 19,8 Prozent, vor Rumänien mit 19,6 Prozent, den Niederlanden mit 18,8 Prozent, Lettland mit 18,5 Prozent und Österreich mit 17,2 Prozent. Ungarn und Slowenien verzeichneten dagegen sinkende Kraftstoffpreise.
Source: faz.net