Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt macht Marie-Louise Eta deutlich, dass für sie die Debatten um ihre Ernennung zur ersten Trainerin bei einem Männer-Bundesligaklub nur Randaspekte sind. Sie habe anderes im Sinn.
Die Premiere führte zu einigen Besonderheiten. Selten in der seit 60 Jahren währenden Historie des 1. FC Union war eine Pressekonferenz vor einem Spiel derart gut besucht wie am Donnerstagnachmittag. Der Grund dafür saß vorn auf dem Podium: Marie-Louise Eta.
Die 34-Jährige ist die erste Frau in der Position als hauptverantwortliche Trainerin bei einem Männer-Bundesligisten. Entsprechend groß war das Interesse an ihrem ersten Auftritt nach ihrer Ernennung zur Nachfolgerin des geschassten Steffen Baumgart am vergangenen Wochenende.
Eta allerdings, das machte sie rasch klar, wollte sich nach den Diskussionen um ihre Rolle als Vorreiterin im Männer-Fußball auf die sportliche Aufgabe bei ihrer Bundesliga-Premiere fokussieren. „Mir geht es schon immer um Fußball. Mir geht es um die Zusammenarbeit mit Menschen und das, was mir am meisten Spaß macht. Eben dann auch in dem Zusammensein, in dem Miteinander ,maximal erfolgreich zu sein“, sagte sie vor der Partie gegen den VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr, im WELT-Liveticker).
Hassnachrichten ausblenden
Nach ihrer Ernennung hatte es viele Debatten um die Rolle von Frauen im von Männern dominierten Profifußball gegeben. „Ich habe totales Verständnis dafür, dass das in der Öffentlichkeit einfach auch eine Rolle einnimmt, dass es eine Rolle spielt, das ganze Thema. Aber ja, für mich ist es einfach so, dass ich das Thema grundsätzlich kenne und es sich für mich einfach noch nie darum gehandelt hat“, sagte sie.
Auf die sexistischen Kommentare in den sozialen Netzwerken zu ihrer neuen Aufgabe wollte Eta nicht weiter eingehen. „Ich lese keine Kommentare, es ist an mich herangetragen worden“, sagte sie. Aber: Das Positive solle überwiegen. „Es beschäftigt mich nicht, es sagt mehr über die aus, die das ins Netz stellen als über die, über die was losgelassen wird“, sagte Eta. Union Berlin hatte die Hass-Nachrichten massiv angeprangert.
Für Eta zählt nun der sportliche Erfolg gegen den Tabellenvorletzten aus Wolfsburg. Mit einem Sieg will Union wichtige Punkte für den weiterhin nicht fixen Klassenerhalt sammeln. „Es ist schön, wenn es nur noch um Fußball geht, um Erfolg geht, um Leistung geht. Das ist dann auch unabhängig vom Geschlecht“, sagte sie. „Mit Anpfiff ist dann eben auch Fußball.“
jb mit dpa
Source: welt.de