Hallo,
was Collien Fernandes erlebt hat, ist kaum auszuhalten. Seit Jahren kämpft sie gegen „digitale sexuelle Gewalt“. Am Samstag nun berichtete der Spiegel, Collien Fernandes habe ihren Ex-Mann Christian Ulmen angezeigt, weil er mutmaßlich mehrere Fake-Profile seiner Ex-Frau mit pornografischen Deepfakes erstellt habe.
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Als Mann, als Partner, als Bruder, als Sohn, als Freund macht es mich krank, dass Männer so sind, so etwas tun. Und zwar nicht nur Machos, sondern auch solche, die sich als Feministen bezeichnen, nicht nur einzelne Männer, sondern so viele, dass wir hier über ein grundlegendes, strukturelles Gesellschaftsproblem sprechen müssen.
Das beschreibt auch Samira El Ouassil in ihrem Text für denFreitag– sie blickt aber auch auf die besondere Form dieser digitalen Gewalt: „Diese Täter skalieren diesen patriarchalen Blick technologisch, um ihre eigenen voyeuristischen Wünsche zu erfüllen. Mit einer Selbstverständlichkeit, die erschüttert, weil sie keinerlei Anstrengung mehr erfordert.“
Zur Ohnmacht komme außerdem der Vertrauensverlust: „Wenn Intimität, das gemeinsame Denken, die geteilten Witze, die gegenseitige Kenntnis von Schwächen und Ängsten kein Schutz sind, sondern als Waffe missbraucht werden könnten, wie lebt man ohne permanentes Misstrauen?“
Ich lege diesen Text jedem Mann ans Herz.
1. Heute wichtig
2. Made My Day
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➜ Dialekt deluxe. Berlin hat in letzter Zeit nicht den besten Leumund. Zu dreckig, zu teuer, langweilig und unerheblich geworden. Wie viel da dran ist, sollten wir dringend mal diskutieren. Aber es gibt auch die schönen Dinge – zum Beispiel das Kulturgut Mundart.
Lina Hella Bookhagen verbindet das Berlinern auf Instagram und TikTok mit wunderbaren Alltagsbetrachtungen. Heraus kommt ein großartiges Kurzformat, das mir schon einige graue Tage versüßt hat. Da kann man sogar lachen, wenn man in den dritten Hundehaufen des Tages gestolpert ist.
Ihr Format ist übrigens auch für diejenigen geeignet, die nicht in Berlin leben – wahlweise als Kurzurlaub-Ersatz oder um sich daran zu freuen, dass einem der Dialog über den Matcha-Latte erspart bleibt.
3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu hören: Es fühlt sich manchmal ein bisschen nach „Guilty Pleasure“ an. Seit Robin Alexander und Dagmar Rosenfeld Machtwechsel gepackt und die Welt verlassen haben, bin ich auf ihrem Politik-Podcast zwischen House of Cards und Schlagerparty beim CDU-Kreisverband hängen geblieben.
Ob Landtagswahlen oder Parteitage: Rosenfeld und Alexander graben sich in den Maschinenraum der Politik. Beide sind sehr gut vernetzt und um keine steile These verlegen. Die muss man längst nicht alle teilen, aber der oftmals augenzwinkernde Blick auf den politischen Betrieb mit seinen Machtspielen und mitunter wenig glamourösen Helden ist eigentlich immer unterhaltsam. Und es ist immer interessant zu hören, wie Menschen mit konservativem Hintergrund auf die politischen Themen des Tages blicken.
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4. Lese-Empfehlung
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➜ Von wegen „menschenfeindlich“:Die AfD hetzt in Sachsen-Anhalt gegen das Bauhaus und bezeichnet es als „menschenfeindlich“. Was aber sagen diejenigen, die darin wohnen? Freitag–AutorJonathan Guggenberger war in der Bauhaus-Siedlung Dessau-Törten unterwegs. Ich empfehle Ihnen diesen Artikel nicht nur, weil Themen wie Wohnen und Architektur unglaublich spannend sind, sondern auch wegen der großartigen Fotos von Charlotte Sattler. Ich würde direkt einziehen.
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Wer begreifen will, was der Untergang unserer Demokratie mit Hässlichkeit zu tun hat, der muss nach Dessau. Kein anderes deutsches Stadtbild zeigt offener, wie zerstörerisch sich zwei Weltkriege, der Holocaust, SED-Diktatur und der trügerische Privatisierungsboom der Nachwendezeit auf die Architektur und damit auf die Menschen, die sie beleben, ausgewirkt haben.
Halb verfallene Gründerzeitvillen, die nach vergangener Größe aussehen; wieder in Betrieb genommene Fabrikhallen, in denen Zyklon-B für deutsche Vernichtungslager wie Auschwitz hergestellt wurde; dazwischen Baubrachen und DDR-Platte. Und in der Innenstadt thront leergefegt eine Shoppingmall, auf dem Dach eine gigantische Konstruktion aus Segelstoff und Metall, die als architektonische Würdigung des Flugzeugherstellers und Nazi-Luftwaffenbetriebs Junkers gedacht war.
Dessau ist hässlich. Aber verstehen Sie mich bitte nicht falsch, das ist nicht böse gemeint, nein, ich bin Fan dieser Stadt. Dessau ist nur hässlich, weil die deutsche Geschichte hässlich ist. Und von der kann ja kein Demokrat Fan sein. Außerdem hat Dessau auch schöne Seiten, wie das Gartenreich, eine Kulturlandschaft der Aufklärung, oder das Bauhaus. Und um das soll es jetzt gehen.
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Das war’s mit unserem heutigen Freitag-Blick auf den Tag. Ich wünsche Ihnen einen guten Nachmittag.
Viele Grüße,
Ihr
Benjamin Knödler
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