Bei der dritten internationalen Sudan-Konferenz ist zwar ein Signal der Geberländer für zusätzliche humanitäre Hilfe erwartet worden – ein Schritt hin zu einer Lösung des Konflikts jedoch nicht. Das war schon deshalb absehbar, weil zu dem Treffen im Auswärtigen Amt in Berlin am Mittwoch zwar Vertreter aus Dutzenden Ländern eingeladen waren, nicht aber die beiden Konfliktparteien.
Und auch wenn die zugesagten Hilfsgelder zumindest das Volumen der vorherigen Sudan-Konferenz in London von einer Milliarde Dollar übertroffen haben, ändert das nichts daran, dass die humanitäre Hilfe auch in Deutschland im Haushalt weiter gekürzt wird. Außenminister Johann Wadephul (CDU) kritisierte das schon vor Beginn der Konferenz und kündigte an, für zusätzliche Mittel zu kämpfen.
Einhellig ist die Einschätzung von Diplomaten wie Hilfsorganisationen, dass die Lage in Sudan verheerend ist. Seit drei Jahren tobt der Bürgerkrieg. Bis zu 15 Millionen Menschen befinden sich verschiedenen Schätzungen zur Folge auf der Flucht, viele davon im eigenen Land. Fast 34 Millionen Menschen benötigen laut der Weltgesundheitsorganisation WHO humanitäre Hilfe.
„Die humanitäre Lage in Sudan ist eine der schlimmsten weltweit und das seit mehreren Jahren. Das Leid, von dem unsere Schwestergesellschaft berichtet, ist unvorstellbar“, äußerte DRK-Präsident Hermann Gröhe. Mehr als 19 Millionen Menschen litten unter akutem Hunger, teilte die Welthungerhilfe mit. Gleichzeitig bleibe die internationale Finanzierung weit hinter dem Bedarf zurück.
Laut den Vereinten Nationen sind für das Jahr 2026 bislang nur rund 16 Prozent der benötigten Mittel gedeckt. Die Menschen in Sudan brauchten nicht nur mehr Aufmerksamkeit sowie Schutz und Sicherheit, auch mehr Unterstützung sei dringend erforderlich, sagte Gröhe. „Deshalb bedauern wir es sehr, wenn uns die Halbierung der Mittel im Bundeshaushalt für humanitäre Hilfe sogar dazu zwingt, unsere Hilfe auch in diesem so krisengeplagten Land zurückzufahren.“
Wadephul sucht das Gespräch mit Klingbeil für mehr Hilfeleistung
Wadephul sagte am Dienstagmorgen, mehr Gelder einzuwerben, sei nicht nur eine „moral-ethische Verpflichtung“. Es sei auch im deutschen Interesse, sagte er im Deutschlandfunk. Man müsse verhindern, dass Menschen hungern. Er machte deutlich, dass er mit Blick auf den Haushalt 2027 das Gespräch mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) suchen wolle. Zugleich kritisierte Wadephul, dass Europa zwar Geberkonferenzen ausrichte, China aber nicht, und dass auch die USA ihre Hilfen massiv eingeschränkt hätten. Einen Wert der Konferenz sehe er darin, Aufmerksamkeit auf den Konflikt zu lenken: Sie sei nicht die Lösung zur Beendigung des Konflikts, könne aber einen Beitrag leisten, dass diese Katastrophe wahrgenommen werde.
Der Bürgerkrieg in Sudan war vor drei Jahren ausgebrochen, nachdem eine Vereinbarung zwischen dem sudanesischen Armeechef Abdel-Fattah al-Burhan und dem Anführer der RSF-Miliz Mohamed Hamdan Dagalo geplatzt war. Die beiden Militärs konnten sich nach dem Coup von 2021 nicht mehr auf einen Übergang zu einer zivilen Regierung verständigen. Während die RSF anfangs auch in Zentralsudan wichtige Gebiete einnehmen konnte, kontrolliert sie inzwischen vor allem die Regionen Darfur und Kordofan. Dort musste die sudanesische Armee (SAF) jüngst schmerzhafte Niederlagen in Kauf nehmen und ihre letzten Bastionen wie Al-Fashir nach langer Belagerung aufgeben. Jedoch konnte die SAF die Hauptstadt Khartum wieder unter ihre Kontrolle bringen, auch wenn ihre Regierungsgeschäfte nach Port Sudan verlagert wurden – genauso wie die Zentralen der meisten NGOs. Die UN werfen beiden Parteien bei den Eroberungen schwere Kriegsverbrechen vor.
Bislang konnten diplomatische Bemühungen kaum Erfolge erzielen. Ende vergangenen Jahres hatte die RSF-Miliz zwar „gemeinsamen Grundsätzen“ für ein Ende des Bürgerkriegs zugestimmt, die von der sogenannten Quad-Gruppe – bestehend aus den USA, Saudi-Arabien, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten – vorgelegt wurden; sie sahen eine dreimonatige Waffenruhe vor und einen Friedensprozess, der am Ende eine zivile Regierung einsetzen sollte.
Al-Burhan von der SAF wies den Vorschlag jedoch zurück, da dieser die Abschaffung der sudanesischen Armee vorsehe. Darüber hinaus kritisierte er die Beteiligung der Vereinigten Arabischen Emirate, da „die ganze Welt gesehen hat“, dass das Land die RSF-Miliz unterstütze. Die sudanesische Regierung unter dem General legte daraufhin einen eigenen Friedensvorschlag vor, der den Abzug der RSF aus allen Gebieten und die Auflösung der Milizen fordert. Seitdem gibt es Berichte über einen neuen Vorstoß der Quad.
Die Botschafterin der Militärregierung trägt Protest wegen Konferenz vor
Zu der Konferenz im Auswärtigen Amt waren Vertreter von mehr als 60 Ländern geladen, darunter mehrere europäische Außenminister, aber auch zahlreiche internationale Hilfsorganisationen und Vertreter der sudanesischen Zivilgesellschaft. Wie in den Konferenzen zuvor in Paris und London waren aber abermals keine Vertreter der beiden Konfliktparteien eingeladen – beide lehnen daher auch die Konferenz ab.
Die Botschafterin der Militärregierung Sudans in Berlin trug ihren Protest am vergangenen Freitag in Form eines Memorandums vor: Aus ihrer Sicht werden mit dem Ausschluss die beiden Parteien auf unzulässige Weise gleichgesetzt, und eine aus SAF-Sicht legitime Regierung mit einer terroristischen Miliz auf die gleiche Stufe gestellt. Wadephul verteidigte die Entscheidung. Man sei dabei, mit den Konfliktparteien zu reden. Er sagte, er habe grundsätzlich entschieden, die beiden Parteien nur dann einzuladen, wenn sie sich auf einen Waffenstillstand verständigen könnten. Derzeit seien sie aber noch der Meinung, dass es eher richtig sei, weiter zu kämpfen und zu schießen. „Das ist nicht akzeptabel.“
Am Mittwochabend am Ende der Konferenz waren Finanzierungszusagen von 1,3 Milliarden Euro für Sudan und die von den Fluchtbewegungen betroffenen Nachbarländer zusammengekommen, 750 Millionen Euro davon laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes von der EU und deren Mitgliedstaaten. „Wir verpflichten uns heute, mit vereinten Kräften dafür zu sorgen, dass Sudan nicht zu einer vergessenen Krise wird“, heißt es darin.
Der deutsche Beitrag dazu setze sich aus 212 Millionen Euro für humanitäre Hilfe aus dem Auswärtigen Amt und weiteren 20 Millionen des Entwicklungshilfeministeriums zusammen, hieß es. Erst Ende 2025 habe man 155,4 Millionen Euro für Projekte in Sudan sowie in Nachbarländern bereitgestellt.
Bei der ersten Sudan-Konferenz in Paris waren insgesamt noch gut zwei Milliarden Dollar zusammengekommen. Die Lage in Sudan zeige die Ohnmacht der ganzen Weltgemeinschaft, kritisierte Wadephul am Mittwoch.
Source: faz.net