Es war ein historischer Abend, der große Emotionen freisetzte. Der SC Freiburg zieht nach einem 3:1 (2:0)-Sieg im Rückspiel des Viertelfinales bei Celta Vigo erstmals in seiner Geschichte ins Halbfinale der Europa League ein. Trainer Julian Schuster zeigt sich bewegt.
Der SC Freiburg hat Geschichte geschrieben. Erstmals in ihrer Vereinsgeschichte haben es die Breisgauer in ein europäisches Halbfinale geschafft. Das setzte große Gefühle frei – besonders bei Julian Schuster.
„Es ist toll, was die Jungs geleistet haben. Sie haben da weitergemacht, wo sie letzte Woche aufgehört haben. Solch ein starkes Viertelfinale zu spielen, ist sehr, sehr besonders. Wir haben einen weiteren Schritt geschafft, aber wir sind noch nicht am Ende“, sagte der Trainer nach dem 3:1 (2:0) seiner Mannschaft im Rückspiel des Viertelfinales der Europa League bei Celta Vigo. Das Hinspiel hatte Freiburg vor einer Woche ähnlich überzeugend gespielt und mit 3:0 gewonnen.
Minutenlang wurde Schusters Mannschaft nach dem Schlusspfiff im Stadion Balaidos von ihren mitgereisten gut 2000 Fans gefeiert. Auch von den spanischen Zuschauern gab es anerkennenden Beifall – für ein Team, das den allermeisten von ihnen vor wenigen Wochen noch unbekannt gewesen sein dürfte. Umso bemerkenswerter ist der internationale Erfolg des Bundesligaachten: Der Sportclub hat seine Flagge auf der europäischen Fußball-Landkarte eingerammt.
„Es ist etwas Außergewöhnliches und Unglaubliches. Wenn ich den Saisonstart sehe und wo wir uns danach hingearbeitet haben. Wir sind auf einem ganz starken Level. Großes Kompliment an die Mannschaft und den Trainer“, sagte Jochen Saier. Der Sportvorstand kündigte an, alles daranzusetzen, dass dies nicht das Ende der Träume sein wird. „Wenn man sieht, wo wir aktuell stehen, dann will man weiterkommen und das Maximum erreichen. Ich habe das Gefühl, dass es ein besonderes Jahr werden kann“, erklärte er. Ziel sei das Endspiel am 20. Mai in Istanbul. Zuvor muss allerdings das Halbfinale gegen Sporting Braga gespielt werden. Am 30. April gastiert der Sportclub in Portugal, am 7. Mai steigt das Rückspiel in Freiburg.
Die erneute Gala – die um ein Haar sogar beinahe erneut Start-Ziel-Sieg geworden wäre – berechtigt zum Träumen. Die Mannschaft von Schuster machte von Beginn an deutlich, dass sie sich durch nichts ihren Traum kaputtmachen lassen wollte. Mit hohem Engagement und vor allem mit gehöriger Intensität in den Zweikämpfen erstickte sie bereits in der Anfangsphase die Rest-Hoffnung der Galicier. Rechtsverteidiger Philipp Treu blockte in der 4. Minute einen Schussversuch von Ferran Jutgla per Pressschlag im Strafraum. Kurz darauf eroberte Niklas Beste ähnlich entschlossen erneut gegen Jutgla den Ball. Es waren die ersten Signale an den Tabellensechsten der Primera Division: Hier geht für euch genauso wenig wie im Hinspiel.
Freiburg mit Traumtor in Führung
Die Freiburger gewannen nahezu alle direkten Duelle – und setzten den Gegner immer wieder mit entschlossenem Pressing unter Druck. Bereits zur Pause war die Partie entschieden: Einen Freistoß von Matthias Ginter legte Jordy Makengo per Kopf zurück auf Igor Matanovic – der Stürmer hämmerte den Ball mit seinem eigentlich schwachen linken Fuß aus 20 Metern in den Winkel (35. Minute). Es war ein bemerkenswertes Tor des 23-jährigen Kroaten, der erst vor der Saison verpflichtet worden und sich mehr und mehr zu einer Stammkraft entwickelt hat.
Nur vier Minuten darauf erhöhte der überragende Japaner Yuito Suzuki, ebenfalls ein Zugang des vergangenen Sommers, auf 2:0. Die Spanier waren beeindruckt, ihnen gelang kein einziger Angriffsversuch bis zur Halbzeit. Kurz nach Wiederanpfiff schlug Suzuki erneut zu – nach einem starken Solo von Toptalent Johan Manzambi, der sich von der rechten Seite in den Strafraum durchgedribbelt hatte. Dessen Schuss konnte auf der Linie noch von Abwehrspieler Sergio Carrera geblockt werden, doch Grifo stoppte den Abpraller und legte quer zu Suzuki, der nur noch einschieben brauchte (50.).
Auch der späte Anschlusstreffer durch Williot Swedberg änderte nichts mehr am achten Freiburger Sieg im 12. Europa League-Spiel der laufenden Saison. „Ich bin sehr stolz darauf, wie wir hier aufgetreten sind – wie die Mannschaft Charakter und Persönlichkeit gezeigt hat“, sagte Matthias Ginter.
Das Vorstoßen ins Halbfinale ist ein weiteres Merkmal einer kontinuierlichen Weiterentwicklung des Klubs, der schon längst zur europäischen Szene zählt – wenn auch vor dieser Saison nicht gerade zum Favoritenkreis. Zum vierten Mal hintereinander spielen die Freiburger international und tasteten sich immer weiter vor. Auch weil der Kader mittlerweile breit genug ist, um der Doppelbelastung – aktuell ist es sogar eine Dreifachbelastung – gewachsen zu sein.
Schuster konnte in Vigo auf die gleiche Startelf wie im Hinspiel setzen, gegenüber dem 1:0-Sieg am vergangenen Sonntag im Bundesligaspiel in Mainz rotierte auf sechs Positionen zurück. Das dokumentiert Leistungsdichte in der Breite – ein Indikator, dass sich die Freiburger zu einem auch international ernstzunehmenden Spitzenteam gewandelt haben. „Das ist die Grundlage des Erfolges, im April und Mai musst du einen fitten und breiten Kader haben“, sagte Schuster.
Auf den wird sich der Trainer auch in den kommenden Wochen verlassen müssen. Denn am kommenden Donnerstag – also eine Woche vor dem ersten Halbfinale in Braga – wartet noch eine große Chance: In Stuttgart spielen die Freiburger um den Einzug ins DFB-Pokalfinale.
Es könnte ein Jahr der Superlative für den Sportclub werden – aber auch das bis hierhin erreichte geht den Freiburgern emotional sehr nahe. „Ich bin sehr froh und dankbar für diese Momente und Abende. Das bedeutet mir wahnsinnig viel. So etwas werde ich nie vergessen. Davon werde ich meinen Kindern und meinen Enkeln erzählen“, sagte Schuster, tief bewegt nach einem historischen Abend in Galicien.
Source: welt.de