Blasphemisches aus dem Weißen Haus: Vance mischt sich in Trumps Papst-Streit ein

Blasphemisches aus dem Weißen HausVance mischt sich in Trumps Papst-Streit ein

14.04.2026, 07:54 Uhr

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Unbeirrt von Tiraden aus Washington: Der Papst weiß einen anderen Herrn über sich. (Foto: picture alliance / ipa-agency)

Selbst für Trump war es ein außergewöhnlicher Angriff: Der US-Präsident attackierte Papst Leo heftig und postete von sich selbst ein Bild als Christus. Nun springt Vize Vance, immerhin selbst Katholik, dem Mann im Weißen Haus bei.

Vor dem Hintergrund des Streits zwischen US-Präsident Donald Trump und Papst Leo XIV. hat US-Vizepräsident JD Vance den Vatikan aufgefordert, sich aus der Politik fernzuhalten. „Ich bin durchaus der Meinung, dass es in manchen Fällen das Beste für den Vatikan wäre, sich auf moralische Fragen zu beschränken“, sagte Vance dem US-Sender Fox News. Es sollte dem US-Präsidenten überlassen bleiben, „die amerikanische Politik zu bestimmen.“

Vance verteidigte ebenfalls Trumps umstrittenen Post, in dem sich dieser als Christus dargestellt hatte. Später löschte Trump das Bild und erklärte: „Ich dachte, es ginge um mich als Arzt und hätte etwas mit dem Roten Kreuz zu tun.“ Vance selbst gab eine andere Erklärung ab und sagte, der Präsident habe einen „Witz“ gepostet. Dann habe er das Bild gelöscht, weil er gemerkt habe, dass viele nicht seinen Humor geteilt hätten. Das Gute an dem Präsidenten sei, dass er nicht gefiltert sei.

Leo XIV. hatte am Samstag vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs zu Frieden in der Welt aufgerufen. Der Pontifex verurteilte die „sinnlose und unmenschliche Gewalt“ im Nahen Osten und erklärte, Christen könnten nicht an der Seite jener stehen, die „heute Bomben abwerfen“. Vor Gläubigen im Petersdom sagte der Papst: „Genug des Krieges!“

Trump fühlte sich offensichtlich angesprochen und reagierte wütend auf den Aufruf des Papstes. Er warf ihm am Sonntag vor, sich mit einem Land gemein zu machen, „das eine Atomwaffe will“. Leo XIV. sei „eine sehr liberale Person, und er ist ein Mann, der nicht daran glaubt, Verbrechen zu stoppen.“ Auch beanspruchte Trump wahrheitswidrig das Verdienst für die Wahl des Papstes: „Leo sollte mir dankbar sein, denn wie alle wissen, war seine Ernennung eine schockierende Überraschung. Er stand auf keiner Liste der Papstkandidaten und wurde ausschließlich deshalb gewählt, weil er Amerikaner ist; man hielt das für den besten Weg, die Beziehung zum Präsidenten Donald J. Trump zu handhaben. Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan.“

Leo XIV. zeigte sich am Montag unbeeindruckt von der Kritik des US-Präsidenten. Er habe „keine Angst“ vor der Trump-Regierung und sehe es als seine „moralische Pflicht“, sich gegen den Krieg auszusprechen, sagte der Papst. Er sei kein Politiker und habe „nicht die Absicht, mit Trump zu debattieren“.

Trump erklärte daraufhin am Montag, er werde den Papst nicht um Entschuldigung bitten. „Er liegt falsch“, sagte der US-Präsident im Weißen Haus. Trump bezeichnete Leo XIV. als „sehr schwach“ in Bezug auf das Vorgehen gegen „Kriminalität und andere Dinge“. „Papst Leo hat Dinge gesagt, die falsch sind. Er war sehr gegen mein Vorgehen in Bezug auf den Iran, und man kann keinen Iran mit Atomwaffen zulassen“, sagte Trump.

„Eine schwere Gotteslästerung“

In den USA regt sich indes auch bei den Republikanern Kritik an Trumps jüngstem Verhalten gegenüber der Kirche. Brilyn Hollyhand, der frühere Co-Vorsitzende des Jugendbeirats der Republikanischen Partei (RNC), schrieb auf X zu dem KI-generierten Jesus-Bild: „Das ist schwere Gotteslästerung. Der Glaube ist keine Requisite. Man muss sich nicht als Retter inszenieren, wenn die eigene Erfolgsbilanz für sich sprechen sollte.“

Christen bilden einen wichtigen Teil von Trumps Anhängerschaft, darunter auch Katholiken. Sie trugen maßgeblich zu seinem Wahlsieg 2024 bei. David Gibson vom Zentrum für Religion und Kultur an der Fordham University sagte, Trumps Motiv für den Angriff auf Leo und die Veröffentlichung des Bildes sei schwer nachzuvollziehen. Es sei ungewiss, ob sich die US-Katholiken nun gegen ihn wenden würden. „Dies ist eine Zäsur – werden sich die Katholiken in Amerika für den Papst oder den Präsidenten entscheiden?“

Mindestens acht Mitglieder von Trumps Kabinett sind Katholiken, unter anderem Außenminister Marco Rubio. Vance war erst vor wenigen Jahren zum Katholizismus konvertiert. Im Mai vergangenen Jahres wurde er von Papst Leo XIV. bei einer Privataudienz im Vatikan empfangen. Einen Monat zuvor hatte er sich noch mit dessen Vorgänger, Papst Franziskus, als letzter Staatsgast kurz vor dessen Tod getroffen.

Schon Anfang vergangenen Jahres hatte der spätere Papst Leo XIV., US-Kardinal Robert Prevost, bei X einen Artikel geteilt, der Kritik an Vance äußerte. Anlass war, dass Vance sich auf die katholische Lehre berief, um Washingtons massive Streichung der Auslandshilfen zu rechtfertigen. Vance argumentierte, dass Christen zuerst ihre Familie lieben sollten, bevor sie sich um den Rest der Welt kümmern und berief sich dabei auf ein Zitat des Theologen und Philosophen Thomas von Aquin. In dem von Prevost geteilten Artikel heiß es hingegen: „JD Vance irrt sich: Jesus verlangt nicht von uns, dass wir unsere Liebe für andere Menschen in eine Rangordnung bringen.“

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/rts

Source: n-tv.de