„Hamnet“, „Die My Love“ und „Die jüngste Tochter“: Das sind die DVDs und Blu-rays der Woche.
Eine Shakespeare-Verfilmung mit dem Titel „Hamnet“? Laien könnten zunächst vielleicht einen Tippfehler vermuten. Doch es heißt „Hamnet“, nicht „Hamlet“. Wenn die Kunst Shakespeares den Weg auf die Leinwand findet, so sind es meist – was ja auch naheliegt – Adaptionen seiner bedeutendsten Werke. „Romeo und Julia“, „Macbeth“ oder eben auch, häufiger als alles andere, das große tragische Schauspiel „Hamlet“. In „Hamnet“ steht nun aber eher Biografisches im Vordergrund, oder, wie der Trailer es verspricht: „die außergewöhnliche Liebesgeschichte, die Shakespeares größtes Meisterwerk inspirierte“. Weltweit spielte der Film bislang knapp 104 Millionen US-Dollar ein. Hauptdarstellerin Jessie Buckley gewann für ihre Leistung einen BAFTA, einen Golden Globe und einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Außerdem wurde der Film als „bester Film“ mit einem Golden Globe sowie als „bester britischer Film“ bei den Britisch Academy Film Awards (BAFTA) ausgezeichnet. Nun erscheint „Hamnet“ ebenso wie der Thriller „Die My Love“ mit Jennifer Lawrence und Robert Pattinson und die Romanverfilmung „Die jüngste Tochter“ auf DVD und Blu-ray.
„Hamnet“ (VÖ: 23. April)
Der Filmtitel „Hamnet“ bezieht sich auf Hamnet Shakespeare, den einzigen Sohn des legendären Dichters. Über besagten Hamnet Shakespeare ist nicht viel mehr verlässlich dokumentiert, als dass er früh gestorben ist. Die Autorin Maggie O’Farrell baute auf den wenigen belegten Fakten trotzdem den sehr erfolgreichen und vielfach ausgezeichneten fiktionalisierten Roman „Judith und Hamnet“ auf, der unter Produktion von Steven Spielberg nun verfilmt wurde: Die Geschichte beginnt in Stratford-upon-Avon, der heute weltberühmten britischen Kleinstadt. William Shakespeare (Paul Mescal) arbeitet dort in den 1580er-Jahren, vor seinem Durchbruch in der Londoner Theaterszene, als Lateinlehrer und lebt in einer Beziehung mit Agnes (Jessie Buckley). Irgendwann kommt Tochter Susanna zur Welt, dann folgen die Zwillinge Judith und Hamnet. Doch bald zieht es William nach London ans Theater. Chloé Zhao, die das Drehbuch zu „Hamnet“ gemeinsam mit Maggie O’Farrell schrieb, liefert mit ihrem ersten Film nach dem Marvel-Projekt „Eternals“ (2021) eine historische Tragödie, die bewusst dramatisiert und zwischen Pest, familiären Tragödien und der Entstehung von Shakespeares „größtem Meisterwerk“ auch viel spekuliert. Es ist, wie so oft, wenn Shakespeare verfilmt wird, eher nichts für die Gelehrten. Aber doch große Filmkunst.
Preis DVD: circa 14 Euro
GB, 2025, Regie: Chloé Zhao, Laufzeit: 121 Minuten
„Die My Love“ (VÖ: 23. April)
Hinsetzen, zurücklehnen und sich berieseln lassen – bei Filmen der preisgekrönten schottischen Regisseurin Lynne Ramsay ist das unmöglich. Zu radikal, zu aufwühlend sind häufig die Bilder, die in ihren Werken regelrecht über das Publikum hereinbrechen. Auch ihre neue Arbeit „Die My Love“, eine Adaption des Romans „Stirb doch, Liebling“ der Argentinierin Ariana Harwicz, ist nichts für zartbesaitete Gemüter. Zeichnet Ramsay darin doch in exzessivem Maße die Folgen einer postpartalen Depression nach. Dass dies mit reichlich Starpower geschieht, macht das mit schwarzem Humor und Horrorelementen spielende Drama umso ungewöhnlicher. Jennifer Lawrence, die eine umwerfend intensive Tour-de-Force-Darbietung abliefert, und Robert Pattinson geben das junge Paar Grace und Jackson, das von New York ins ländliche Montana gezogen ist. Das Haus, das sie von seinem verstorbenen Onkel geerbt haben, mag stark renovierungsbedürftig sein, ihrer Liebe tut das anfangs keinen Abbruch. Als Grace aber einen Jungen zur Welt bringt, bricht in der vermeintlichen Idylle mehr und mehr die Hölle los. Sie möchte sich nicht einfach in die Mutterrolle drängen lassen, agiert zunehmend erratisch, während Jackson das Abdriften seiner Frau hilflos mitansieht.
Preis DVD: circa 17 Euro
GB/US, 2025, Regie: Lynne Ramsay, Laufzeit: 114 Minuten
„Die jüngste Tochter“ (VÖ: 23. April)
Basierend auf dem gleichnamigen autofiktionalen Debütroman von Fatima Daas erzählt „Die jüngste Tochter“ die bewegende Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst: Fatima (Nadia Melliti) ist 17 Jahre alt und wächst als jüngste von drei Töchtern einer algerischen Einwandererfamilie in einem Pariser Vorort auf. In ihrer Freizeit hängt die junge Frau am liebsten mit Jungs ab, spielt Fußball und kleidet sich auch eher maskulin. Sie hat heimlich einen festen Freund. Doch dann beginnt Fatima ein Philosophiestudium in Paris. Plötzlich sind da neue Optionen und Ansichten, und als sie eines Tages die Krankenschwester Ji-Na (Ji-Min Park) kennenlernt, ist nichts mehr, wie es vorher war: Fatima entdeckt, dass ihr Herz für Frauen schlägt. Doch Homosexualität ist in ihrer Religion verboten. Wie also soll es nun weitergehen?
„Die jüngste Tochter“ ist der dritte Spielfilm der französischen Drehbuchautorin und Regisseurin Hafsia Herzi und fast ausschließlich mit Laiendarstellerinnen und -darstellern besetzt. Bei den 78. Internationalen Filmfestspielen von Cannes wurde Hauptdarstellerin Nadia Melliti mit dem Preis als beste Darstellerin ausgezeichnet. Außerdem gewann die Bestsellerverfilmung die Queer Palm.
Preis DVD: circa 17 Euro
FR/DE, 2025, Regie: Hafsia Herzi, Laufzeit: 108 Minuten
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Source: stern.de