Im Jahr 2020 war „Parasite“ der große Abräumer bei Oscars: Der südkoreanische Psychothriller wurde viermal ausgezeichnet, unter anderem als bester Film – was bis dato noch keinem fremdsprachigen Film gelang. Nun ist er erneut zu später Stunde im Ersten zu sehen.
So ein kräftiger Regen ist etwas Schönes, denn er reinigt die Luft. So zumindest sieht das die vierköpfige Familie Park, wenn sie die prasselnden Tropfen aus den Panoramafenstern ihres schicken Architektenhauses in einem wohlhabenden Viertel von Seoul betrachtet. Bei Familie Kim bricht derweil die Panik aus, denn das Wasser läuft unaufhaltsam in ihre Kellerwohnung und zerstört ihre wenigen Besitztümer. Die Underdogs im Kampf mit dem steigenden Wasserspiegel zu beobachten, wirkt bitter. Buchstäblich in den Keller geht Regisseur Bong Joon-ho in seinem mit dem Oscar als bester Film ausgezeichneten Meisterwerk „Parasite“ (2019), den das Erste nun zu später Stunde wiederholt.
Dabei geht der als Genre-Regisseur bekannt gewordene Südkoreaner filmisch neue Wege. Er inszeniert ein in der Realität angesiedeltes und auf wenige Orte reduziertes Kammerspiel. Bong selbst bezeichnet seinen Film als „Familientragikomödie“. Das zeugt von Bescheidenheit. Besser trifft es Familientragikomödie plus x, denn Bong Joon-ho hat noch einige Überraschungen in der Hinterhand.
Schmarotzertum als Strategie
Familie Kim lässt er schon bald aus ihrem Keller ausbrechen und auf die Reichen los. Die armen Leute greifen wie Parasiten von innen an und fräsen sich in das Leben der Parks. Und sie haben unsere Sympathie. Eigentlich würden sich die beiden Familien aus der Unter- und Oberschicht Südkoreas nie begegnen. Doch für den Sohn (Choi Woo-sik) der Kims bietet sich eine einmalige Chance: Er erhält über einen Freund den Job des Englisch-Nachhilfelehrers für die Tochter der neureichen Parks. Ein Job, der nicht nur sein Leben verändern wird, sondern auch das seiner Schwester (Park So-dam) und seiner Eltern (Song Kang-ho und Jang Hye-jin). Mehr darf man eigentlich nicht verraten über die Handlung von „Parasite“. Nur so viel: Was da geschieht in der Villa der Parks, raubt einem den Atem.
„Parasite“ – So. 19.04. – ARD: 23.35 Uhr
TELESCHAU
Source: stern.de