Abwehr ballistischer RaketenSelenskyj macht Druck wegen Europas gefährlicher Schwachstelle
19.04.2026, 23:26 Uhr
Russland setzt bei Angriffen auf die Ukraine jährlich Hunderte ballistische Raketen ein. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, sie abzufangen. In Europa wird vor allem das US-Flugabwehrsystem Patriot genutzt. Doch davon gibt es – genau wie in der Ukraine – zu wenige. Kiew fordert eine eigene Produktion.
Europa muss nach Darstellung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein eigenes Abwehrsystem gegen ballistische Raketen aufbauen. Die Ukraine führe bereits Gespräche mit mehreren Staaten über dessen Entwicklung, sagte Selenskyj im Fernsehen. „Wir müssen innerhalb eines Jahres unser eigenes System zur Abwehr ballistischer Raketen aufbauen“, erklärte er. Dies sei eine extrem schwierige, jedoch realistische Aufgabe. Er habe das Vorhaben bereits mit wichtigen europäischen Ländern besprochen, ohne diese namentlich zu nennen.
Der Schutz vor solchen Angriffen gehört zu den größten Herausforderungen für die Ukraine, da Russland mit diesen Waffen gezielt Kraftwerke und Stromnetze des Landes angreift. Bislang können nur bestimmte Raketen des US-Systems Patriot die russischen Geschosse abfangen. Diese sind jedoch wegen ihres verstärkten Einsatzes in der Golfregion zunehmend knapp. Das einzige europäische System, das französisch-italienische SAMP/T, wird in relativ geringen Stückzahlen produziert.
Der Hersteller der ukrainischen Flamingo-Marschflugkörper, Fire Point, hatte der Nachrichtenagentur Reuters in diesem Monat mitgeteilt, er verhandle mit europäischen Unternehmen über die Einführung eines neuen, kostengünstigen Luftabwehrsystems im kommenden Jahr. Zuletzt hatte Fire Point mit dem deutschen Hersteller Diehl Defence eine Technologiepartnerschaft vereinbart.
Diehl baut das Flugabwehrsystem Iris-T. Es ist in der Ukraine im Einsatz und wehrt dort vor allem Drohnen und Marschflugkörper ab. Eine neue Version soll in Zukunft auch gegen ballistische Raketen wirksam sein.
Source: n-tv.de