In Kürze stimmt der Hamburger Senat darüber ab, ob sich Touristen für nachhaltiges Reisen Rabatte verdienen können. Von der Opposition gibt es Gegenwind für „HamburgPay“.
Wer nach Hamburg reist und sich auf dem Weg dorthin – und in der Stadt selbst – besonders nachhaltig verhält, könnte sich womöglich bald auf attraktive Belohnungen freuen. So die Idee, die sich Hamburgs rot-grüne Regierung von Kopenhagen abgeguckt hat:
Ein kostenloses Mittagessen, eine Bootstour aufs Haus und Rabatte in Museen. All das wartet auf Touristen, die nachhaltig nach Kopenhagen reisen. „CopenPay“ nennt sich das Modell, das Dänemark eingeführt hat. Konkret bedeutet das: Wer statt mit dem Flugzeug, mit der Bahn anreist, kann sich auf Sonderrabatte freuen. Der Fokus liegt dabei auf drei wesentlichen Punkten: Radfahren, öffentliche Verkehrsmittel und Hilfe beim Sauberhalten der Stadt. Das Projekt wurde im Juli 2024 ins Leben gerufen und wird in Dänemark gut angenommen: Insgesamt 75.000 Touristen nutzten 2024 die Chance, für klimafreundliches Handeln belohnt zu werden.
„HamburgPay“ gut für die Umwelt?
Die rot-grüne Regierung in Hamburg pocht nun darauf, dass solch ein Konzept auch hierzulande eingeführt wird. „Wer im Urlaub nachhaltiger unterwegs ist, sollte davon auch profitieren, und am Ende haben wir alle etwas davon“, sagt Arne Platzbecker, tourismuspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion Hamburg. Am Mittwoch, 22. April, entscheidet der Senat über den Antrag.
Für die SPD-Fraktion in Hamburg ist eindeutig festzustellen: „Ein Modell wie HamburgPay kann dazu beitragen, klimafreundliche Anreise, nachhaltige Mobilität vor Ort und bewussten Konsum stärker zu fördern.“ Zudem würden somit Kulturbetriebe, Restaurants und Tourismus-Wirtschaft profitieren, da das Vorhaben neue Zielgruppen anspreche. „Wichtig ist, dass ein solches System einfach, digital und praxistauglich umgesetzt wird und sich gut in bestehende Angebote integriert“, sagt Platzbecker.
Die Grüne-Fraktion in Hamburg ergänzt: „Wenn mehr Menschen, die unsere Stadt besuchen, sich vor Ort nachhaltig verhalten und dafür abends günstiger im Restaurant essen, haben alle etwas davon.“ Wer mit der Bahn anreist, tut der Stadt Hamburg etwas Gutes und soll dementsprechend belohnt werden. Die Partei will prüfen lassen, wie das „Kopenhagener Belohnungssystem“ in Hamburg umgesetzt werden kann, sagt Dominik Lorenzen, tourismuspolitischer Sprecher der Grünen Fraktion Hamburg.
CDU kritisiert das Vorhaben
Gegenwind für den Vorschlag kommt aus der Opposition. „Ein Bonusprogramm für angeblich nachhaltigen Tourismus klingt gut, löst aber kaum echte Probleme“, sagt Dennis Gladiator, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion. Insbesondere die Organisation der Nachweise sei anspruchsvoll, denn sie müsse „digital, einfach und kontrollierbar sein“. „Gelingt die Integration in bestehende Systeme nicht, entsteht zusätzliche Bürokratie.“
Die CDU teilt dem stern auf Nachfrage mit, dass sie am Mittwoch gegen den Antrag stimmen werde. Bei vielen Touristen, die von Übersee nach Hamburg reisen, habe das Projekt keinerlei Effekt, sagen die Christdemokraten. „Das ist viel Aufwand für wenig Wirkung“, findet Gladiator.
Berlin ist schon auf den Zug aufgesprungen
Nach dem Vorbild aus Kopenhagen hat das Modell in Deutschland bereits Anklang gefunden: In Berlin stellt Mitte Mai Franziska Giffey gemeinsam mit „Visit Berlin“ ein Projekt vor, das an „CopenPay“ erinnert. „Wer Müll sammelt, den Kiez verschönert oder soziale Projekte unterstützt, kann mit Vorteilen rechnen“, teilt die Initiative mit.
„BerlinPay“ soll noch im Sommer 2026 an den Start gehen. Wenn die Hamburger Bürgerschaft am 22. April über „HamburgPay“ abstimmt, hat der Senat laut Antrag bis zum 30. Juni 2027 Zeit, das Modell zu prüfen.
yra
Source: stern.de