Amerikanische Notenbank: Trumps geschmeidiger Zentralbanker

Donald Trump will den Juristen Kevin Warsh zum Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve und damit zum Nachfolger von Jerome Powell machen. Warsh hat sich in einem Auswahlverfahren durchgesetzt, das von einem zentralen Kriterium geprägt war: Ist der Kandidat bereit, sich den Wünschen des Präsidenten unterzuordnen?
Schon die Tatsache, dass Warsh aus diesem Selektionsprozess als Sieger hervorgegangen ist, trübt die Hoffnung, er werde die Unabhängigkeit der Federal Reserve gegen Übergriffe aus dem Weißen Haus mit letzter Entschlossenheit verteidigen.
Zugleich spricht der Ausgang für Warshs Geschmeidigkeit. Als er zwischen 2006 und 2011 bereits dem Gouverneursrat der Federal Reserve angehörte, galt er noch als geldpolitischer Falke. Im Jahr 2010 wandte er sich gegen eine lockere Geldpolitik, obwohl die Arbeitslosenquote kurz nach der Finanzkrise bei knapp zehn Prozent lag. Eine solche Haltung wäre Trump heute kaum zu vermitteln, fordert dieser doch beharrlich Leitzinssenkungen.
Warsh tritt inzwischen allerdings nicht mehr als Falke in Erscheinung, sondern als einer der schärfsten Kritiker der Federal Reserve und ihres Vorsitzenden Powell. Der Notenbank wirft er vor, sich durch die schleichende Aneignung neuer Zuständigkeiten von ihrer Kernmission entfernt und damit ihre Legitimität als unabhängige Institution untergraben zu haben. Powell habe als Inflationsbekämpfer versagt und verlasse sich auf längst überholte Prognosemodelle.
Selbst wenn Teile dieser Kritik berechtigt sein mögen, klangen sie aus Warshs Mund stets wie strategische Beiträge zur eigenen Karriereentwicklung. Der gelernte Jurist mit Falken-Vergangenheit hält inzwischen trotz stattlicher Wachstumsraten Leitzinssenkungen für geboten. Inflationsgefahren sieht er hingegen kaum noch – auch weil die Künstliche Intelligenz auf die Preise drücken werde. Trumps Zölle verteidigte der frühere Freihändler ebenfalls. Der Mann geht mit der Zeit. Ein Trost ist das nicht.