Altherren in Schweden: Gemeinsam Wandern gegen die Einsamkeit

In der Altstadt von Stockholm wehen im November 2025 schwedische Flaggen

Stand: 04.04.2026 • 17:49 Uhr

Einsamkeit ist ein wachsendes Problem, besonders unter älteren Männern. Nach der Rente brechen oft soziale Kontakte weg, viele fühlen sich isoliert. In Schweden geht eine Gruppe seit zehn Jahren spazieren.

Acht Männer ziehen durch ein Wohnviertel in Stockholm und singen gemeinsam. Sie nennen sich „Gubbvandrarna“ – die „Altherren-Wanderer“. Jede Woche sind sie unterwegs, immer auf einer anderen Route und es sind ausschließlich Männer. Und das schon seit über zehn Jahren, jede Woche, bei jedem Wetter.

„Unsere Frauen finden das alle super, dass wir das hier machen und auch ein eigenes Leben haben. Weil dann gehen wir ihnen nicht auf die Nerven“, sagt der 80-Jährige Crister Auer. Er hat die Gruppe vor mehr als zehn Jahren gegründet. Als er in Rente gegangen ist, wollte er sich fit halten und ist mit einem Freund immer mal wieder spazieren gegangen.

„Nach drei oder vier Malen sind uns die Themen ausgegangen. Also haben wir einen dritten Freund mitgenommen, dann einen vierten und fünften.“ Über die Jahre sei die Gruppe immer weiter gewachsen und aus unregelmäßigen Treffen ein fester Termin geworden.

Einsamkeit und Freundschaft – schwieriger für Männer?

Das hat auch den 82-Jährigen Bengt Lindberg angezogen: „Als mir jemand von dieser Gruppe erzählt hat, habe ich gefragt: Darf ich dabei sein?“ Für ihn seien die Bewegung und die Gemeinschaft das Wichtigste, um die Einsamkeit zu durchbrechen. „Ich freue mich jede Woche auf dieses Treffen. Das ist so schön.“

Einsamkeit ist vor allem bei älteren Männern kein Randphänomen, findet auch der 72-jährige Torbjörn Ersson. „Ich glaube, Frauen sind besser darin, soziale Kontakte zu knüpfen. Wir hatten unsere Kontakte vor allem durch die Arbeit. Und als wir in Rente waren, sind die weggebrochen.“

„Es ist okay, zuzugeben, wenn man unsicher ist“

Über die Jahre haben die Männer Vertrauen zueinander bekommen und können sich bei den Spaziergängen öffnen. Lindberg sagt, dass sie über alles reden würden, was ihnen auf der Seele brennt: „Zum Beispiel, wenn jemand Angst hat vor der nächsten Untersuchung beim Arzt. In unserem Alter haben wir ja alle mit Krankheiten zu tun. Und hier ist es okay, zuzugeben, wenn man unsicher ist“.

Diese Nähe hat dafür gesorgt, dass die Gruppe inzwischen für viele mehr geworden ist als nur ein Zeitvertreib.

Für Gründer Auer ist die Gruppe eine zweite Familie geworden: „Und es ist sehr wichtig, dass wir weiter zusammenhalten.“ Die Altherrenwanderer wollen zeigen: Im Kampf gegen Einsamkeit ist es wichtig, nicht zu warten, bis sich etwas ändert, sondern selbst loszugehen.

Source: tagesschau.de